Unterhaltung
Dem Tod ins Auge sehen: Das ist "Battle Royale".
Dem Tod ins Auge sehen: Das ist "Battle Royale".
Dienstag, 25. April 2017

Takeshi Kitano, ab 18, ungekürzt: "Battle Royale": Das Leben ist ein Spiel

Von Thomas Badtke

Eine einsame Insel. Eine Schulklasse. Ein mörderisches "Spiel": Jeder gegen jeden, bis nur noch einer übrig ist. Das ist "Battle Royale". Wenn sich die Japaner dieses Themas annehmen und Takeshi Kitano mitmischt, wird es ein Gewaltexzess.

Die Zeiten haben sich geändert. Schnell. Sehr schnell: Bei einer Arbeitslosenzahl von mehr als zehn Millionen ist das Selbstvertrauen gleich mehrerer Generationen auf dem absoluten Tiefpunkt und die Nation dem Untergang geweiht. Die Gesellschaft zerbricht. Zehntausende Schüler verweigern den Schulbesuch. Die Politik reagiert mit harten Maßnahmen und erlässt das so genannte BR-Gesetz.

Es besagt, dass jedes Jahr eine neunte Schulklasse ausgewählt und auf eine einsame Insel verfrachtet wird, wo sie sich dann drei Tage lang einem blutigen Überlebenskampf stellen muss, an dessen Ende es nur einen Sieger geben darf. Das ist die Regel Nummer eins. Sollten mehrere Schüler überleben, wie auch immer, sterben alle, denn sie tragen ein Funkhalsband mit einem Sprengsatz und werden ständig überwacht. In diesem Jahr hat es die neunte Klasse der Shirogate-Schule erwischt.

"Ihr könnt euch glücklich schätzen ..."

"Battle Royale" ist in ungekürzter Fassung bei Capelight erschienen.
"Battle Royale" ist in ungekürzter Fassung bei Capelight erschienen.

Jawohl, es geht um Japan. Das Land der aufgehenden Sonne ist bekannt ist für seine schrägen und kunterbunten TV-Shows wie etwa "Takeshi's Castle". Es ist aber auch berühmt für konsequent harte und gewalttätige Filme, die mit allen Konventionen brechen. Auch hier spielt der Name Kitano eine tragende Rolle: Takeshi Kitano, Schauspieler, Regisseur, Ikone. Seine Filme triefen vor Blut. Und auch wenn "Battle Royale" auf das Konto des Regisseurs Kinji Fukasaku geht, ist Kitano in der Rolle eines gleichnamigen Lehrers und Beaufsichtigers der Battle Royale die tragende Figur dieses Geewaltepos, das nun in ungekürzter Fassung auf Blu-ray dank Capelight erhältlich ist. Also den Mageninhalt am besten vor dem Anschauen des Films eigenhändig leeren und anschnallen: "Ihr könnt euch glücklich schätzen, denn ihr seid die Glücklichen, die für die diesjährige Battle Royale ausgewählt wurden!"

Noriko, einer der Schüler, dessen Namen man behalten sollte.
Noriko, einer der Schüler, dessen Namen man behalten sollte.

Als diese Worte aus dem Mund einer hübschen jungen Frau im TV erklingen, wissen Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara), Noriko Nakagawa (Aki Maeda) und der Rest der neunten Klasse nur im Ansatz, was ihnen bevorsteht. Einige haben von der "BR" schon einmal gehört. Andere sind überrascht, perplex, geschockt: Freunde töten, um selbst zu überleben? Klar, um den Klassenstreber vergeudet man keinen Gedanken. Aber man selbst?

Damit der Überlebenskampf auch spannend wird, weist das BR-Komitee den Schülern verschiedene Waffen zu. Das kann ein Messer sein, eine Pistole oder auch eine Halbautomatik. Diese Schüler können sich glücklich schätzen. Andere, die nur einen Topf oder einen Deckel als Waffe zugeteilt bekommen, wohl eher nicht. Und noch ein paar Schmankerl gibt es: Ein Freiwilliger ist ebenso mit von der Partie wie ein Vorjahres-Champion. Und zur Krönung ist die von ihren Bewohnern geräumte Insel in Sektoren eingeteilt, deren Gefährlichkeit fast stündlich neu festgelegt wird und die Schüler so zwingt, ständig, die vollen drei Tage, in Bewegung zu bleiben. Alles andere könnte das Leben kosten. Und hey: Das Leben ist ein Spiel - oder nicht?

Überleben ist alles

Takeshi Kitano: Epochal wie seine Filme.
Takeshi Kitano: Epochal wie seine Filme.

"Battle Royale" kommt rasend schnell auf den Punkt. Bis der erste Kopf in einem Regen aus Blut und Gehirn explodiert, dauert es nur wenige Minuten. Danach kommt nie Langeweile auf. Die Schüler, deren Klassenstärke von einer deutschen deutlich abweicht und geschätzt um die 50 bis 60 liegen dürfte, beginnen ihren Überlebenskampf: Manche begehen Selbstmord. Andere verstecken sich und hoffen einfach darauf, dass alles nur ein böser Traum ist, aus dem sie schon irgendwann aufwachen werden.

Manche kämpfen direkt, wie in einem Paintballspiel, voll auf Konfrontation. Meistens tun dies diejenigen, die mit den schussstärksten Waffen ausgestattet sind. Andere wiederum versuchen es mit Hinterlist und Tücke. Für jeden Zuschauergeschmack ist etwas dabei. "Battle Royale" hat eine Menge zu bieten!

Wie das Leben so spielt: Heute im Klassenzimmer, morgen auf einer einsamen Insel im Überlebenskampf.
Wie das Leben so spielt: Heute im Klassenzimmer, morgen auf einer einsamen Insel im Überlebenskampf.

Die Charaktere der Schüler sind so vielschichtig wie ihre Waffen unterschiedlich. Kotzbrocken treffen auf Schöngeister. Glückliche Pärchen auf unglücklich Verliebte. Es wird geschrien, gezetert, gebettelt - und gemordet. Und Kitano hat auf alles ein wachsames Auge, sagt über Lautsprecher die gefährlichen Sektoren durch und gibt die Namen der Toten bekannt. Er ist es auch, der dem Film Tiefe gibt und den nötigen Witz, der dafür sorgt, dass "Battle Royale" nicht nur von seiner puren Gewalt lebt.

"Deine Kekse waren köstlich"

"Battle Royale" lässt sich mit einer Szene treffend zusammenfassen - Achtung, Spoileralarm! - : Zwei Schüler, dessen Namen bekannt sind, sowie der Ex-BR-Champion Shogo Kawada (Taro Yamamoto) stehen Kitano gegenüber. Voller Wut richtet Noriko seine Waffe auf ihn. Der Lehrer gibt ihm zu verstehen, dass, wenn er nicht schießt, Kitano selbst das übernehmen wird. Die Schüsse peitschen, Kitano bricht tödlich getroffen zu Boden. Ein Handy klingelt. Überraschung: Kitano kämpft sich halbwegs gequält auf die Beine, geht ans Telefon, spricht mit seiner Tochter. Danach greift er sich einen Keks und sagt: "Das hier ist der letzte. Deine Kekse waren köstlich." Er bricht erneut zusammen und ist tot.

Sie fragen sich jetzt: Häh? Das könnte man sich während des Films öfter fragen. Aber hey, das ist ein japanischer Film, ein Streifen, in dem Takeshi Kitano eine tragende Rolle spielt, eben jener Kitano, der mit der TV-Show Takeshis Castle berühmt geworden ist und mit seinen Yakuza-Epen wie "Outrage", "Outrage Beyond" oder "Brother". Also einfach den früheren Rat beherzigen, den mit dem Mageninhalt und dem Anschnallen, und "Battle Royale" in seiner vollen epochalen Wucht auf sich wirken lassen. Wer weiß, vielleicht sichern die darin gezeigten soft und hard skills in einer nicht allzu fernen Zukunft einmal das eigene Überleben?

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Quelle: n-tv.de