Unterhaltung
Voller Energie: "Dance to Death".
Voller Energie: "Dance to Death".
Dienstag, 19. September 2017

Russlands Post-Apokalypse-Epos: "Dance to Death": Auf in den Tod!

Von Thomas Badtke

Moskau im Jahr 2070: Nach einem nuklearen Weltkrieg kämpfen "Freiwillige" in einer "Arena" ums Überleben und darum, die Erde zu besänftigen. Doch Anna vermutet hinter all dem eine riesige Lüge – und sucht Beweise.

"Die Menschheit war dem Untergang geweiht: zu viele Länder, zu viele Konflikte. Wir wissen nicht mehr, wer den Krieg begonnen hat, aber schnell brannte ein nukleares Feuer auf der ganzen Erde. Die wenigen Überlebenden haben sich in den übrig gebliebenen Städten verschanzt. Die Erde hat gegen die Menschen rebelliert, indem sie bislang unbekannte Naturkatastrophen herbeigerufen hat. Wir blieben allein, die einzige Stadt in der nuklearen Wüste. Wir haben überlebt - doch nur wegen der Opfer, die wir der Erde bringen."

"Dance to Death" ist bei Capelight erschienen.
"Dance to Death" ist bei Capelight erschienen.

Das ist Moskau im Jahr des Herrn 2070. Es geht nur noch ums nackte Überleben. Kostja (Iwan Tswachin) bekommt das schnell zu spüren: Erst gerät er in die Fänge eines skrupellosen Kriminellen, der ihn töten will. Dann wird dieser Raum, in dem er gefesselt von einer Decke baumelt, durch eine Horde von Sondereinsatzkräften gestürmt. Die Kugeln fliegen, Kostja kommt frei - und muss dennoch fliehen. Denn diese Razzia diente nur einem Zweck: "Freiwillige" für die "Arena" zu finden.

Gerettet für das Todesspiel

Kostja kann zunächst entkommen, wird aber kurz darauf doch gefasst. Er landet im "Bunker": "Um die Stadt und ihre Einwohner zu schützen, brauchen wir Helden, die bereit sind, dafür ihr Leben zu opfern. Und für die stehen die Tore des Bunkers immer offen. Die Start erwartet euch!" Die Stimme aus dem Off klingt wie purer Hohn für Kostja. Er blickt sich um: Mehrere "Freiwillige" schauen in dem Raum herum, darunter auch ein Jugendlicher, ein paar Frauen und ein Typ, dessen Anblick allein Ärger verspricht.

Die freiwilligen Helden, die im Kampf ihr Leben und ihre Energie für die Erde opfern sollen.
Die freiwilligen Helden, die im Kampf ihr Leben und ihre Energie für die Erde opfern sollen.

Sie alle müssen nun in der "Arena" gegeneinander antreten, ein Kampf auf Leben und Tod, ausgetragen in einem Tanz: Elektrobeats, Energieschübe - der Verlierer stirbt, seine Energie geht an Mutter Erde und soll sie so besänftigen. Das besagt die Tradition, über die der "Bestimmer" (Alexander Tjutin) wacht. Er hat das Sagen im "Bunker", über ihm gibt es nur noch die "Kuratoren" der Stadt.

Wo die Liebe hinfällt

Dieses Mal hat der "Bestimmer" aber ein Problem: Seine Tochter Anja (Lukerja Iljaschenko) hat sich wirklich freiwillig für die "Arena" gemeldet: Sie will herausfinden, was hinter dem ganzen Menschenenergie-für-die-Erde-Hokuspokus steckt. Dazu muss sie die Kämpfe in der "Arena" nur gewinnen, denn der Champion wird in einen erlauchten Kreis aufgenommen, darf für immer im "Bunker" bleiben und gegebenenfalls sogar seine nahen Angehörigen mit hineinnehmen. So versprechen es die Propaganda-Durchsagen, die vor, während und nach den "Ausbrüchen" durch die Stadt hallen.

Egal, ob in der Stadt oder im Bunker: Der Tod lauert überall. Aber wenn, dann wenigstens im Kampf sterben.
Egal, ob in der Stadt oder im Bunker: Der Tod lauert überall. Aber wenn, dann wenigstens im Kampf sterben.

Die "Ausbrüche" sind das Problem, denn sie kommen unverhofft, sind absolut tödlich und erinnern an nukleare Teilchen, die, wenn sie auf Menschenfleisch treffen, dieses binnen Sekunden zersetzen. So gesehen, ist ein Leben im "Bunker" absolut erstrebenswert, wenn man dafür vorher nicht in die "Arena" steigen müsste.

Kostja versucht zu fliehen, wird verraten, kommt aber mit dem Leben davon. Der "Bestimmer" braucht derzeit jeden Kämpfer. Kostja verliebt sich in Anja, was bei ihrem Aussehen und Auftreten auch nicht verwunderlich ist. Anja benutzt Kostja zunächst nur, um in einen geheimen Bereich des "Bunkers" zu gelangen, wo sie Antworten auf ihre Fragen vermutet. Erst als sie merkt, dass es Kostja ernst meint und sie in ihrem Kampf gegen das System auf ihn bauen kann, entwickelt sich wahre Liebe zwischen den beiden.

Hommage satt

Die Special Effects können sich mehr als sehen lassen.
Die Special Effects können sich mehr als sehen lassen.

Von da an kann sich der Zuschauer von "Dance to Death" denken, wo der Hase im Pfeffer liegt: Kostja und Anja arbeiten zusammen, um die geheimen Machenschaften des "Bestimmers" und der Kuratoren aufzudecken. Allerdings gibt es auch innerhalb des Bunkers Intrigen, Machtkämpfe und Ränkespielchen. Die Fronten wechseln schnell. Wer zu wem hält, kann nie genau gesagt werden. Und so entwickelt sich eine weitere Geschichte in diesem post-apokalyptischen Epos "made in Russia".

CGI-Special-Effects auf "Transformers"-Niveau, eine Optik, die an "Tron: Legacy" und "Terminator 2" sowie "Mad Max" erinnert und eine Story, die auch in "Blade Runner" schon funktioniert hat und in den vergangenen Jahren mit den "Tribute von Panem"- und "Die Bestimmung"-Reihen eine Renaissance erlebt, befeuern "Dance to Death" und heben den russischen Actionfilm auf eine neue Stufe. Liebesdrama, Shut-to-Kill-Actionreißer, Post-Apokalypse-Horror.

Das Ambiente, die Bilder, die Stimmung: All das harmoniert perfekt mit den überzeugenden Darstellerleistungen. Insgesamt knapp 100 knackig-kurzweilige Minuten dauert "Dance to Death". Allein der Titel könnte vor dem Film noch für Verwirrung sorgen: ein russischer Film, Kämpfe, Tanz? Schwanensee auf Adrenalin? Männer in Strumpfhosen? Nein! Das stellt sich zum Glück recht schnell heraus.

Wer möchte, stößt problemlos auf gesellschaftskritische Themen wie Umweltverschmutzung, nukleare Aufrüstung oder ganz banal: "Die da oben" machen doch eh, was sie wollen. Am besten lässt man "Dance to Death" aber einfach ganz vorbehaltlos auf sich wirken. Der Film des Regisseurs Andrej Wolgin ("Spiral") hat es verdient! Also: "Die Menschheit war dem Untergang geweiht ..."

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Quelle: n-tv.de