Unterhaltung
Mama Marilyn trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das sie innerlich langsam auffrisst.
Mama Marilyn trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das sie innerlich langsam auffrisst.

Probleme lieber ansprechen: Das düstere Geheimnis des "Bleeding House"

Von Thomas Badtke

Familie Smith wird gemieden - von den Nachbarn, von der ganzen Gemeinde -, denn sie hütet ein dunkles Geheimnis. Dann sucht ein Fremder, im Zeichen des Herrn unterwegs, Obdach bei den Smiths. Der Horror nimmt seinen Lauf.

"The Bleeding House" beginnt düster: Dunkelheit, kein Lächeln in den Gesichtern. Schnell wird dem Zuschauer klar, dass die Familie Smith nicht normal sein kann. Ihr Haus liegt abgelegen, der nächste Nachbar ist weit entfernt. Das hat Gründe und die Gerüchteküche brodelt. Es gab schließlich vor geraumer Zeit einen "Vorfall".

"The Bleeding House" ist bei Tiberius erschienen.
"The Bleeding House" ist bei Tiberius erschienen.

Und der hängt über den Smiths wie eine dunkle Wolke. Sohn Quentin (Charlie Hewson; "My Blind Brother") will nur noch Weg. Raus aus dem Haus, raus aus der Stadt. Irgendwo neu anfangen. Aber mit dieser Einstellung ist er allein. Vater Matt (Richard Bekins; "Ohne Limit") und Mutter Marylin (Betsy Aidem; "The Americans") haben sich in den Kopf gesetzt, der Situation zu trotzen. Irgendwann wird sich wieder alles normalisieren. Und auch Tochter Gloria (Alexandra Chando; "Dead People") fühlt sich eigentlich ganz wohl in der Abgeschiedenheit. Sie wird zu Hause unterrichtet, die Schule vermisst sie nicht.

Bei jedem gemeinsamen Abendessen geht es um diesen geheimnisvollen Vorfall, der aber nie richtig angesprochen wird bei den Smiths. Es scheint, ihn totzuschweigen hilft dabei, ihn zu vergessen. Doch als ein Fremder an ihre Tür klopft, ändert sich alles.

Nächstenliebe ...

Nicks (Patrick Breen; "Galaxy Quest") Auto ist liegengeblieben, wie er sagt. Die Autowerkstatt könne erst am nächsten Tag jemanden schicken und da ihr Haus hier das einzige weit und breit sei, wolle er fragen, ob er eventuell bei den Smiths nächtigen könne. Der Mann im weißen Anzug spricht etwas vornehm, ist dabei freundlich und zuvorkommend. Er würde ja auch im Auto schlafen, aber sein Rücken und die Rückbank wären nicht die besten Freunde.

Matt geht ins Haus und fragt seine Frau, was sie von Nick und seinem Wunsch hält. Einem strikten "Nein" folgt dann ein Anflug von Nächstenliebe und schon wenige Minuten später sitzt Nick am Abendbrottisch der Familie gegenüber. Auch er merkt, dass mit den Smiths etwas nicht stimmt, dass sie ein düsteres Geheimnis in ihren vier Wänden hüten und es niemanden offenbaren wollen. Aber Nick denkt sich nichts dabei. Der gottesfürchtige Mann hat schon ganz andere Situationen gemeistert. Er beginnt von seiner Familie zu erzählen, die er tot aufgefunden habe, nachdem er von seiner Arbeit als Chirurg nach Hause zurückgekehrt sei.

... zahlt sich nicht immer aus

Damit hat er die Smiths an einer wunden Stelle erwischt. Nach dem Essen sieht er, wie Gloria einem Vogel das Genick bricht. Er stellt ihre Mutter zur Rede, schwafelt etwas von Beichte - und schlägt sie k.o. Dann geht ins Wohnzimmer, wo Matt Fernsehen schaut und kurz darauf ist auch dieser außer Gefecht gesetzt. Nun besucht Nick Gloria. Doch die kann fliehen. Quentin hat nicht so viel Glück.

Nick beginnt nun Matt und Marilyn ihr Geheimnis zu entlocken. Dass er selbst durchs Land reist auf der Suche nach düsteren Vorkommnissen und Begebenheiten im Zeichen des Herrn, um Erlösung und Erleuchtung zu bringen, schmückt er dabei wortreich aus. Ja, Nick ist ein Massenmörder, der sich auf das Wort des Herrn beruft.

Und der Herr sprach

Die Smiths erzählen nun: Marilyn hatte einst ein Verhältnis mit einem anderen, verheirateten Mann. Bei einem Streit schlug sie ihn nieder und steckte das ganze Haus in Brand. Versehentlich, wie sie sagt. Dabei kommt die gesamte Familie des Mannes um. Matt wiederum, Anwalt, paukt seine Frau heraus, rettet sie vor dem Gefängnis. Das ist das Geheimnis, das die Smiths als Bürde mit sich herumtragen.

Pustekuchen. Nick weiß, was wirklich hinter der Feuersbrunst steckt. Genau "das" hat ihn ja hergeführt. Und genau "das" ist Matts und Marilyns Tochter Gloria. Die Geschichte, die die Smiths dem Eindringling aufgetischt haben, war erstunken und erlogen, aber gerettet hat sie sie auch nicht. Nick ist jetzt nur noch versessener darauf, Gloria zu kriegen. Der Genickbruch des Vogels mit ihren eigenen Händen und der seelenlose Ausdruck ihrer Augen dabei ... Nick erkennt einen Gleichgesinnten, wenn er ihn sieht. Die Frage ist nur: Weiß Gloria, was in ihr schlummert? Und wird sie es unter Nicks Anleitung herauslassen?

Aus dem Leben gegriffen

So düster "The Bleeding House" beginnt, so düster geht der Film des Regisseurs Philip Gelatt weiter und endet auch. All das, was in der Story geschildert wird, ist nachvollziehbar, könnte auch in einem deutschen Dorf passiert sein oder gerade passieren. Eine Familie, die zusammenhält und so versucht, ein dunkles Geheimnis zu hüten. Andere Menschen, denen das nicht ganz geheuer ist, die Gerüchte gehört haben und denen nun Glauben schenken. Wer ist hier das Böse?

Genau dieser Frage geht der Film, den Tiberius im Rahmen seiner "Bloody Movies Collection" im neuen Look herausbringt, auf den Grund, oder versucht es zumindest. "The Bleeding House" will dabei nicht belehren oder bevormunden. Er zeigt stattdessen eindrucksvoll, dass es lohnt, Probleme direkt anzusprechen, nicht hinten herum - Gerüchte hin, Spekulationen her. Dabei ist "The Bleeding House" ruhig inszeniert, schauspielerisch sehenswert und spannend bis zur letzten der knapp 90 Minuten, und ebenso düster.

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Quelle: n-tv.de