Unterhaltung
Düster und blutig kommt der niederländische Horrorslasher "Windmill Massacre" daher.
Düster und blutig kommt der niederländische Horrorslasher "Windmill Massacre" daher.

"The Windmill Massacre": Das ist die blutigste Seite Hollands

Von Thomas Badtke

Einer in Zentraleuropa verbreiteten Legende zufolge verkauften Müller ihre Seelen an den Teufel, damit die Flügel ihrer Mühlen nie still stehen - egal, ob Wind oder nicht. Diese Legende passt perfekt nach Holland, der entsprechende Horrorslasher-Streifen auch.

Reisen bildet. "Willkommen bei Happy Holland Tours. Mein Name ist Abe. Ich bin Ihr Fahrer und Tourguide für heute. Wir fahren gleich raus aus dieser gottverlassenen Stadt und lernen das echte Holland kennen. Genießen Sie Ihren Ausflug!"

Der Motor des Busses springt an und aus den Lautsprechern ertönt eine Männerstimme: "Meine Damen und Herren, ohne Windmühlen gäbe es kein Holland. Seit Jahrhunderten liefern sie uns Mehl, Papier, Holz und die Polder, die Sie zu Ihrer Linken und Rechten sehen können. Wir verdanken es unseren wasserpumpenden Windmühlen, dass die Polder trocken bleiben und das Land sicher ist. Viele Müller starben auf grausame Weise: Sie verbrannten bei lebendigem Leibe, nachdem ein Blitz in ihre Windmühle eingeschlagen hatte. Mehr als die Hälfte der Niederlande liegt unter dem Meeresspiegel. Ein Sprichwort sagt: Gott erschuf die Welt, aber die Holländer erschufen Holland.“

Windmühlen sind schon faszinierend ...
Windmühlen sind schon faszinierend ...

Der Bus hält, die erste Windmühle ist erreicht. Tourguide Abe (Bart Klever; "Das Meer, das denkt"): "Unser erster Stopp, alle aussteigen." Und leise zu sich selbst: "Verdammte Touristen." Und schon leiert er los: "Es gibt drei Arten von Windmühlen: Die Schöpf- und Pumpmühlen zur Be- und Entwässerung, die Sägemühlen und die Kornmühlen, die ein rohes Produkt in ein handelbares Produkt verwandeln wie zum Beispiel Mehl. … Jeder hatte das Recht, dies zu tun. Aber als die Franzosen kamen, änderte sich das ..."

Wer ist eigentlich Müller Hendrick?

Genug der Bildungsreise. Kommen wir zum Wesentlichen: "The Windmill Massacre" des Regisseurs Nick Jongerius ("Haus der toten Seelen", Produzent von "Frankenstein's Army"). Der Titel des niederländischen Films ist dabei irreführend. Besser hätte der blutige Slasherstreifen aus unserem Nachbarland "Die Legende des Müller Hendrick" geheißen. Wer ist eigentlich Müller Hendrick?

Feuer muss man mit Feuer bekämpfen.
Feuer muss man mit Feuer bekämpfen.

Zurück zur Bildungsreise: Die Gruppe Touristen, die an Abes Tour teilnimmt, ist bunt zusammengewürfelt aus aller Welt. Es gibt ein vor der niederländischen Polizei flüchtendes Au-pair-Mädchen aus Australien. Dazu kommen etwa ein geheimnisvoller Japaner und die typischen US-Amerikaner, die in Amsterdam auf den Putz hauen wollten und dann weit über die Stränge geschlagen haben. Ein britischer Geschäftsmann samt entführtem Sohn und eine Fotografin, die für eine Chance auf einen richtigen Job ein paar Windmühlen für einen Touri-Kalender knipsen soll, sind ebenfalls in der skurrilen Truppe vertreten.

Was sie nicht wissen: Sie alle eint eine Gemeinsamkeit. Aber dazu später mehr. Im Holland-Tours-Bus geht es bei schmuddeligem Wetter durch die menschenleer erscheinenden flachen Weiten Hollands, von Windmühle zu Windmühle - bis der Bus liegenbleibt und der Motor keinen Mucks mehr von sich gibt.

Die Handys der Touristen haben keinen Empfang. Abe hat gar keines und er bleibt zudem überraschend gelassen: Es scheint, dass dieser Zwischenfall nicht das erste Mal passiert. Da das Wetter immer grausiger wird, sucht die Gruppe nach zwei Dingen: einem brauchbaren Unterschlupf und einem funktionstüchtigen Telefon. Beides hoffen sie, in der nächsten Mühle zu finden.

Der Teufel hat viele Gesichter

"Windmill Massace" ist bei Meteor Film erschienen.
"Windmill Massace" ist bei Meteor Film erschienen.

Doch stattdessen landen sie in einer alten Kirche und finden ein altes Buch mit einer scheinbar noch älteren Legende - die des Müllers Hendrick. "Sie ist weit verbreitet in Nord- und Zentraleuropa", beginnt einer aus der Touristengruppe, der gerade etwas darüber gelesen haben will. "Der Müller verkauft seine Seele an den Teufel dafür, dass sich seine Mühlenflügel immer drehen, ob Wind oder kein Wind. Er wird reich und faul und lässt seine Mühlsteine in einen schlechten Zustand verfallen. Und dann, eines Tages, findet ein Einheimischer einen Zahn in seiner Tüte Mehl. Und ihm wird klar, wer für die vielen Vermissten in der Gegend verantwortlich ist. Die Dorfbewohner marschieren mit Fackeln zu der Mühle und stellen fest, dass der Müller Hendrick die Knochen seiner Opfer mit dem Mühlstein zermahlt. Daraufhin brannten sie die Mühle mitsamt dem armen, alten Müller Hendrick darin nieder."

Das sitzt. Die Gruppe ist verängstigt. Draußen ist es dunkel. Ein Unwetter tobt und die ersten Gruppenmitglieder sind bereits spurlos verschwunden. Ihre Schreie wurden ungehört vom Sturm weggetragen. Nur Abe ist noch immer die Ruhe selbst. Zum Hinterfragen bleibt den Touristen aber keine Zeit: Es gibt Verletzte und der Sohn des Geschäftsmannes braucht dringend Insulin. Und so passiert, was in Horrorfilmen immer passiert: Die Gruppe trennt sich - und wird ein ums andere Mitglied dezimiert. Denn das, was sie alle eint, ist die Tatsache, dass sie Sünder sind. Und die erhalten nun ihre gerechte Strafe - in Form eines mordenden toten Müllers.

"The Windmill Massacre" bietet damit nicht nur jede Menge unnützes Party-Smalltalk-Wissen über Windmühlen, Holland und alte Legenden. Jongerius' Film bietet feinsten Horrorspaß mit viel Blut, schwarzem Humor und Vorurteilen. Die Effekte sind extrem sehenswert, auch wenn der Film alles in allem recht düster und dunkel gehalten ist. Und das Beste kommt natürlich zum Schluss: Das Ende ist offen gestaltet. Happy Holland Tours füllt bereits den nächsten Bus sündiger Touristen für eine Fahrt zu den wirklichen Attraktionen Hollands, den Windmühlen. Reisen bildet!

"The Windmill Massacre" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de