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Schlafparalyse: In "Dead Awake" ein Thema, das Angst macht.
Schlafparalyse: In "Dead Awake" ein Thema, das Angst macht.
Montag, 31. Juli 2017

Das "Hexen Syndrom" schlägt zu: "Dead Awake": Du stirbst, wenn du aufwachst

Von Thomas Badtke

Beth wacht jede Nacht auf - gelähmt. Sie kann sich nicht bewegen. Schlimmer: Sie hat das Gefühl, dass "Etwas" sie würgt. Dann stirbt sie plötzlich. Ihre Zwillingsschwester will der Sache auf den Grund gehen. Nun ist ihr Leben in Gefahr.

Wenn man schläft, schaltet der Geist den Körper aus, damit man seine Träume nicht auslebt. Wenn man dann aufwacht, wird gewissermaßen ein Schalter umgelegt und der Körper wird aus dem gelähmten Zustand geholt. Manchmal kann es aber sein, dass dieser Schalter nicht funktioniert: Der Geist ist wach, der Körper aber noch gelähmt. In Härtefällen geht der Geist in einen Überlebensmodus über - man bekommt Panik oder Atemnot, man halluziniert. "Jeder erlebt das - mindestens ein Mal im Leben", sagt Dr. Sykes zu Beth (Jocelin Donahue; "Insidious: Chapter 2"; "The House oft he Devil"). Schlafparalyse nennt sich das Ganze. "Es ist harmlos", versichert die Ärztin der jungen Frau.

Überleg dir gut, ob du schlafen willst!
Überleg dir gut, ob du schlafen willst!

Doch Beth weiß nicht so recht. Sie leidet seit Wochen, wacht des Nachts immer auf, nur um dann festzustellen, dass ihr Körper gelähmt ist und sie sich nicht bewegen kann. Als wäre das nicht schon schlimm genug, hat sie auch noch das Gefühl, dass "etwas" in ihrem Schlafzimmer ist, sie würgt und stranguliert, ihr die Luft raubt. Jede Nacht wird dieses Gefühl intensiver und bedrohlicher. Doch selbst ihre Zwillingsschwester Kate (Jocelin Donahue) nimmt Beth' Problem nicht ernst. Das ändert sich jedoch schlagartig.

Nur Aberglaube?

Beth ist tot. Als ihr Vater in ihr Zimmer kommt, liegt sie regungslos da, atmet nicht mehr. Angeblich starb Beth an einem Asthmaanfall, nur dass sie in ihrem ganzen Leben kein Asthma hatte.

Kate fühlt sich schuldig. Ein Satz geht ihr nicht mehr aus dem Sinn: Träume sind der Schlüssel zum Unterbewusstsein. Und als ihr auf der Beerdigung ihrer Schwester ein mysteriöser Mann über den Weg läuft, der sagt, er habe Beth gekannt, sie sei bei ihm in Behandlung gewesen, will Kate mehr erfahren.

Kate hat den "sitzenden Geist" selbst gesehen ...
Kate hat den "sitzenden Geist" selbst gesehen ...

Der Mann, Dr. Hassan Davies (Jesse Borrego; "Con Air"), ist Schlafforscher. Sein Vater brach sich, als Hassan sieben Jahre alt war, beim Schlafwandeln das Genick. Auch Hassan kennt die Schlafparalyse. Und er drückt Kate einen Wälzer mit gesammelten Fallstudien in die Hand: rund 100 Todesfälle, jeder Tote war zuvor kerngesund und ist im Schlaf plötzlich gestorben.

Hassan schwafelt etwas vom "Alte-Hexen-Syndrom" und von einem "sitzenden Geist", der den Schlafenden den Atem raubt. Zudem gebe es seit Jahrhunderten Berichte über ihn, in verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Namen.

Kate will Hassan gerade als Spinner abtun, als er den "sitzenden Geist" erwähnt. Der Mann blickt Kate an: "Sie kennen ihn, sie haben ihn auch gesehen?! Sie sind in großer Gefahr. Lassen sie sich von mir behandeln", fleht er. Bis Kate endlich den Ernst der Lage erkennt und sich von Hassan helfen lassen will, vergeht noch so manche Albtraum-Nacht. Am Ende ist es fast zu spät für eine Rettung - und das nicht nur für Kate.

"Dead Awake": schlafraubend!

"Dead Awake" ist bei EuroVideo erschienen.
"Dead Awake" ist bei EuroVideo erschienen.

Was sich da ziemlich gemächlich anlässt, ist am Ende ein durchaus schlafraubender Horrorfilm. "Dead Awake" geht auf das Konto des Regisseurs Phillip Guzman ("2:22", "Sex Killer"). Während der Zuschauer mit Beth nicht so richtig warm wird, findet man die Zwillingsschwester gleich sympathisch. Das Gleiche spielt sich bei den "Ärzten" ab: Dr. Sykes kommt unnahbar daher, Dr. Hassan Davies ob seiner Verschrobenheit liebenswert.

Der "sitzende Geist" bleibt lang im Verborgenen, versteckt in der Dunkelheit. Einzig ein gemaltes Bild offenbart seine äußere Erscheinung - es hätte gruseliger ausfallen können. Das gilt für den gesamten Film. Der Plot über einen Dämon, der einem gewissermaßen im Schlaf den Tod bringt, sorgt für ein mulmiges Gefühl, Freddie Krueger lässt grüßen. Das Sterben an sich fällt dann aber immer recht unspektakulär aus.

Spannender sind da wiederum diejenigen, die versuchen, dem "sitzenden Geist" ein Schnippchen zu schlagen. Irgendwelche durchgedrehten Typen im Internet, die dort ihre Erfahrungen mit dem Geist posten und eine Art Überlebens-Tagebuch führen. Als Kate dann bei einem von ihnen auftaucht, stellt sich heraus, dass er seit einem Jahr nicht geschlafen hat. Entsprechend kurz angebunden ist er auch. Er konnte den Geist zwar besiegen, aber davon hat er nur noch wenige Wochen Lebenszeit. Der Körper braucht halt Schlaf.

Da kommt jetzt aber das Beste: Wie bei "Inception" braucht es nur eine Idee, einen Gedanken, um den Geist ins Bewusstsein zu lassen. Dort reift er dann und gedeiht, bis er irgendwann das Leben aus dir herauspresst, während du nichts dagegen ausrichten kannst. Ein Bild genügt, sogar nur die Erwähnung des Namens: "sitzender Geist" oder im englischen Original "The Night Hag". "The Night Hag", "The Night Hag", "The Night Hag", ...

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Quelle: n-tv.de