Unterhaltung
Meg und Kent: Noch hält das Ehepaar es nur für ein simples Clown-Kostüm...
Meg und Kent: Noch hält das Ehepaar es nur für ein simples Clown-Kostüm...(Foto: Tiberius)

Hi Hi Hi? Ha Ha Ha? Ho Ho Ho!: Dieser "Clown" versteht keinen Spaß

Von Thomas Badtke

Einer Legende nach lebt in der Wildnis des hohen Nordens eine düstere Gestalt: Die Haut weiß vor Kälte, die Nase rot wie ein gefrorener Blutpfropfen, die Zähne scharf wie die eines Raubtiers. Es lockt Kinder in seine Höhle, um sie zu fressen. Dumm nur: Es ist keine Legende.

Kinder lieben Clowns. Sie stehen für Spaß, gute Laune, Super-Geburtstagsfeiern. Erwachsene mögen Clowns nicht - vorsichtig ausgedrückt. Aber Erwachsene haben gegenüber Kindern auch einen Wissensvorsprung, was Clowns betrifft: Sie haben Stephen Kings "Es" gesehen, vielleicht sogar "Stitches". Erwachsene wissen deshalb: Clowns darf man nicht trauen. Wer würde schon freiwillig quietschbunte Klamotten und zu große Schuhe anziehen? Wer würde sich ohne Zwang eine rote Perücke aufsetzen und sich einen blutroten übergroßen Mund in ein leichenblasses Gesicht schminken?

Kent wird sein "Kostüm" nicht mehr los.
Kent wird sein "Kostüm" nicht mehr los.(Foto: Tiberius)

Kent (Andy Powers) würde es. Er ist Immobilienmakler von Beruf, glücklich verheiratet und stolzer Vater eines Sohnes, der zu ihm aufblickt. Wenn der also einen verdammten Clown auf seiner Geburtstagsfeier haben will, dann kriegt er den gefälligst auch, Absage hin oder her. Zum Glück ist Kent noch in einem seiner Häuser unterwegs und stößt dort zufällig auf einen alten Karton samt noch älterem Clowns-Kostüm darin. Kent braucht nicht zweimal zu überlegen: Als Clown verkleidet rockt er die Geburtstagsparty seines Sohnes. Völlig fertig pennt er am Abend auf der Couch ein - im Clown-Kostüm.

Leder, Leib und Leben

Was ist hier los? Welcher Scherzkeks erlebt sich diesen Spaß?
Was ist hier los? Welcher Scherzkeks erlebt sich diesen Spaß?(Foto: Tiberius)

Am anderen Morgen hat er den Salat: Die Schminke lässt sich nicht mehr vom Gesicht waschen. Die Perücke scheint an seinem Kopf festgeklebt. Selbst die Klamotten kann er nicht ausziehen. Nicht, dass Kent es nicht versucht hätte: Aber selbst ein elektrisches Teppichmesser kann ihm die Kluft nicht vom Körper schälen. Und als Kents Frau Meg (Laura Allen, "Mona Lisas Lächeln") ihm die rote Gumminase mit einer Zange und roher Gewalt seinem Gesicht entreißt, ist Kents eigene Nasenspitze gleich mit ab. Kein schöner Anblick.

Kent bekommt es langsam mit der Angst zu tun. Das Gefühl zu ersticken übermannt ihn. Er beginnt, Nachforschungen anzustellen. Wem gehörte das Kostüm? Was ist aus ihm geworden? Zwei Initialen in dem Kostümkarton helfen Kent weiter, sie führen ihn zu Karlsson (Peter Stormare, "Fargo - Blutiger Schnee"), einem Mann, der sein Problem nachvollziehen kann. Als Kent bei ihm auftaucht und eine Tasse Tee trinkt, findet er sich wenig später gefesselt wieder. Karlsson will ihm den Kopf abhacken. Das sei die einzige Lösung für Kents Problem.

Und hier ist er: der "Clown"!
Und hier ist er: der "Clown"!(Foto: Tiberius)

Kent ist geschockt, kann aber entkommen. In seinem Kopf hallen immer noch Karlssons Worte nach, der ihm ans Leder, an Leib und Leben wollte: Es ist die Legende des "Klons". Eines Wesens, das im Wald im hohen Norden lebte. Dessen Haut kreideweiß wie der Schnee war. Dessen Nase durch die Kälte des Winters eine einzige große rote Blase geworden war. Und dessen Mund blutrot verschmiert war, weil er Kinder fraß, fünf Stück - für jeden Monat des Winters eines. Aus dem "Klon" wurde über die Zeit der heute bekannte Clown. Unheimlich, aber es kommt noch besser.

Kents uraltes Clown-Kostüm ist in Wirklichkeit die Haut des Klons. Und nun beginnt dieser Dämon, nach und nach Besitz von Kent zu ergreifen. Karlsson weiß, wovon er spricht. Er trug selbst das Kostüm, ehe sein Bruder ihm half, den Dämon zu befriedigen, indem er ihm fünf Kinder verschaffte. Karlssons Bruder arbeitete in einem Hospital für todkranke Kinder. Damit kann Kents Familie nicht dienen. Und so macht sich der liebevolle Familienvater seine eigenen Gedanken, wie er sich und seine Liebsten vor sich selbst schützen kann, denn er spürt den Hunger des Dämons auf Kinderfleisch und dessen Durst nach Kinderblut stärker und stärker werden. Kann Kent den Dämon besiegen?

Eine Legende - wiedererweckt

"Clown" ist bei Tiberius erschienen.
"Clown" ist bei Tiberius erschienen.(Foto: Tiberius)

Na, kann er? Das wäre schon irgendwie langweilig, wenn die durchaus originelle Story solch eine Wendung nehmen sollte. Vor allem, wenn der Zuschauer weiß, dass Eli Roth bei diesem Film von Jon Watts seine Hände als Produzent mit im Spiel hatte. Seit "Cabin Fever" und den "Hostel"-Teilen verbindet das Horrorpublikum mit Roths Namen vor allem abstoßendes Gemetzel und bluttriefende Schlachtplatten - aber auf keinen Fall ein Happy End.

Das hält auch "Clown" nicht bereit. Was aber auch irgendwie egal ist, denn diesmal ist der Weg das Ziel, sprich: die Verwandlung des liebevollen Familienvaters in einen abgrundtief bösen und Kinder verspleißenden Dämon. Und die kann sich sehen lassen, sowohl was das rein Äußerliche angeht (es leben die Make-up-Artisten!), als auch die innere 180-Grad-Wende. Kents Kampf gegen den immer mehr von ihm besitzergreifenden Dämon ist absolut sehenswert. Selbst Kents Frau kauft ihm dessen innere Zerrissenheit ab. Als Kent bereits vier Kinder "verfrühstückt" hat und nur noch eines braucht, stellt er sie vor die Wahl: "Entweder du besorgst mir ein Kind oder ich hole mir unseren Sohn." Ist das Kent, oder spricht da schon der Dämon? Was macht Kents Frau wohl?

Viele Fragen, die alle im Lauf des Films beantwortet werden. Das braucht seine Zeit. Dem Zuschauer wird das vor allem im Mittelteil des 95-Minüters bewusst - 80 Minuten hätten es auch getan. Aber der spritzige und sogar schwarzhumorige Beginn sowie das blutige Ende entlohnen für die Geduld - und machen wieder einmal deutlich: Clowns kann man nicht trauen. Clowns sind böse und verstehen keinen Spaß - egal ob Eli Roth seine Finger mit im Spiel hat oder nicht.

Die wöchentlichen DVD-Besprechungen erscheinen ab jetzt immer am frühen Dienstagabend.

"Clown" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de