Unterhaltung
Ja, in "Eat Locals" fließt auch Blut.
Ja, in "Eat Locals" fließt auch Blut.
Dienstag, 13. Juni 2017

Frisches Blut, schwarzer Humor: "Eat Locals": "Lesbian VK" war gestern

Von Thomas Badtke

Das Vampirgenre lebt! Verantwortlich dafür sind wieder einmal die Briten. Nach "Lesbian Vampire Killers" lassen sie diesmal mit "Eat Locals" eine rabenschwarze und bissige Komödie auf die Zuschauer los, die man gesehen haben muss.

"Oh Scheiße, ich wurde angeschossen!" Sebastian (Billy Cook; "The Hooligan Factory") schreit die Wörter heraus. Panisch. Sein Gegenüber, Henry (Charlie Cox; "Daredevil"-Serie) antwortet cool wie Bolle: "Nein, ist nur mein Blut." Sebastian überlegt kurz und plärrt erneut los: "Mach das weg, ich fang mir sonst noch was ein." Henry kaltschnäuzig: "Maximal Maul- und Klauenseuche."

"Eat Locals" ist bei Splendid erschienen.
"Eat Locals" ist bei Splendid erschienen.

Dem Zuschauer ist da schon längst klar, dass er mit der englischen Horrorkomödie "Eat Locals" das ganz große Los gezogen hat. Unkonventionell, voll schwarzen Humors und mit knackig-kurzen Dialogen kommt der Film des Regisseurs Jason Flemyng daher. Es dreht sich um Vampire, "Vampire mit Maschinengewehren".

Zur falschen Zeit ...

Sebastian ist da irgendwie reingerutscht. Er ist Rumäne, aber schon länger auf der Insel, und er hat ein Date mit Vanessa (Eve Myles; "Torchwood"). Die holt ihn mit einem Aston Martin ab. Das sorgt bei Sebastians kindlichen Gesprächspartnern, mit denen er sich ein Bier teilt, für Anerkennung: "Geile Karre, geile Alte."

Aber die "Alte" hat es faustdick hinter den Ohren: Sie ist Teil eines achtköpfigen Vampirrats. Er hat Großbritannien unter sich aufgeteilt. Sebastian soll der Gruppe beitreten, denn eines der bisherigen Mitglieder hat über die Stränge geschlagen, seine festgelegte "Quote" mehrfach überschritten - dafür hat er nun die Konsequenzen zu tragen: Ruhe in Frieden. Sebastian soll seinen Platz einnehmen.

... am falschen Ort

Reize nie einen Vampir, denn du weißt nicht, was er gefrühstückt hat.
Reize nie einen Vampir, denn du weißt nicht, was er gefrühstückt hat.

Doch der arbeitslose Rumäne denkt, er geht mit Vanessa zu einem Essen, dem dann ein gepflegter Beischlaf folgt. Als er in der Runde der komischen Vögel Platz nimmt und nicht weiß, was er hier soll und schon gar nicht, was ihn erwartet, macht er einen auf Trottel. Das kann Sebastian gut. Allerdings wird ihm das bei der Abstimmung über seine Aufnahme zum Verhängnis. Die Mehrheit der Gruppe stimmt dafür, aber ein Vampir sagt "No".

Tja, dumm gelaufen. Nun muss Sebastian, da er zu viel weiß, aus dem Weg geräumt werden. Doch nach einem gescheiterten Fluchtversuch findet sich der junge Mann im Keller des Landhauses wieder. An einen Stuhl gefesselt. Ihm gegenüber sitzen die Thatchers, die eigentlichen Hausherren des abgelegenen Landsitzes.

Aber nur Sebastian hat besagtes Blut auf seinem T-Shirt. Gerettet hat ihn ein Angriff von außen. Der Vatikan macht Jagd auf die britische Vampirgruppe, dessen Anführer sich stilecht "Der Duke" (Vincent Regan; "300", "Lockout") nennt.

"Bube, Dame, König, Gras" trifft "Lesbian Vampire Killers"

Sie will doch nur spielen ...
Sie will doch nur spielen ...

Und während Sebastian im Keller mittlerweile mit Vampir Henry einen auf "best buddy" macht und eine Zigarette schnorrt, palavern im Erdgeschoss die restlichen Vampire darüber, ob eine Skype-Konferenz nicht die bessere Wahl für eine Zusammenkunft gewesen wäre. Zwischen den Sätzen fliegen dann die Kugeln von außen ins Haus und andere zischen von drinnen nach draußen. Vor allem Alice findet Gefallen an den vollautomatischen Schießeisen. Sie ist die alte Dame der Runde, die Omma sozusagen. Irgendwie knuffig.

Überhaupt: Der ganze Film ist knuffig. Man weiß als Zuschauer nicht so recht, wo man "Eat Locals" einordnen soll. Aber je länger der Streifen läuft und Eindruck hinterlässt, umso mehr fühlt man sich als Zuschauer an "Bube, Dame, König, Gras" erinnert - Guy Ritchies schräge Gaunerkomödie, in der viel Humor und Blei in der Luft liegt. Auch die Zombie-Persiflage "Shaun of the Dead" kommt einem in den Sinn. "Eat Locals" ist das Gleiche für Vampirfilme. Und irgendwie auch auf Mafia-Epen, denn deren Elemente finden sich im Film ebenfalls wieder: Revierkämpfe, Betrug, ein in die Jahre gekommener Capo.

Erfrischend, schnoddrig, immer mit einer Prise schwarzen Humors (die Thatchers sind eigentlich Massenmörder) verbreitet er durchweg gute Laune. Und packt auch ein bisschen Gesellschaftskritik obendrauf. Dann etwa, wenn die Vampirgruppe darüber diskutiert, dass Großbritannien eigentlich zu viele Einwohner hat und man doch bei den Immigranten ein bisschen wildern könne: Merkt doch keiner!

Aber schnell kommen Gewissensbisse. Wer leert dann die Mülltonnen? Und schließlich ist die Polizei mittlerweile auch auf dem neuesten Stand der Technik und man sei ja auch nicht rassistisch. So ein Film wie "Eat Locals" kann nur aus Großbritannien stammen. Aber Liebhaber wird er überall finden. "Oh Scheiße!"

"Eat Locals" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de