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Na, erkannt? Mena Suvari spielt Maria/Abigail in Eli Roths "South of Hell".
Na, erkannt? Mena Suvari spielt Maria/Abigail in Eli Roths "South of Hell".
Dienstag, 07. November 2017

Exorzismus in Serie: Eli Roths "South of Hell" packt dich

Von Thomas Badtke

Jeder Mensch ist offen für Dämonen. Sie nutzen deine Schwächen aus, beißen sich fest, saugen dich aus. Maria ist Kopfgeldjägerin. Ihre Kunden sind Besessene, ihre Hilfe ein eigener Dämon namens Abigail. Klingt gut? Ist gut! Dank Eli Roth.

Jeder kennt den Spruch: den inneren Schweinehund besiegen. Was damit wirklich gemeint ist? Besiege den Dämon in dir! Jeder ist anfällig für sie. Jeder kann schwach werden, sich seinen Gelüsten hingeben - und schon hat der Dämon dich an der Angel. Das muss noch nichts heißen, aber wenn sich Horror-Guru Eli Roth mit dieser Thematik beschäftigt, dann schon. Diesmal ist es kein Film geworden, sondern eine Art Miniserie, knapp 340 Minuten lang.

Eli Roths "South of Hell" ist bei Tiberius erschienen.
Eli Roths "South of Hell" ist bei Tiberius erschienen.

Und wie es Serien meist so an sich haben, braucht sie etwas, um auf Touren zu kommen. Der Zuschauer lernt zuerst Maria (Mena Suvari, "American Beauty", "American Pie", "American Horror Story") kennen. Sie ist nicht nur hübsch, sie ist überaus attraktiv. Wenn man sie sieht, ahnt man nicht, welchen Rucksack sie mit sich herumtragen muss. Ihr Bruder David (Zachary Booth; "Der Bieber") ist es nicht. Er hilft Maria. Gemeinsam sind sie Kopfgeldjäger.

Ein Dämon für alle Fälle

Kopfgeldjäger? So wie einst Colt Seavers in "Ein Colt für alle Fälle"? Nicht ganz. Marias Kunden sind Besessene, Menschen, die von Dämonen befallen sind. Maria hilft den Besessenen. Schlicht und einfach, weil sie es kann. Ihr großes Plus heißt Abigail.

Abigail ist Marias eigener Dämon. Er verspeist die Heimsuchungen der Besessenen zum Frühstück. Mit jedem Mahl wird Marias Dämon mächtiger, unkontrollierbarer. Und so wundert es nicht, dass Maria ihn loswerden will, solange sie denken kann.

Wenn der Vater mit der Tochter

Die Exorzismen sind absolut sehenswert.
Die Exorzismen sind absolut sehenswert.

Maria ist also vorgestellt. Aber wie konnte Abigail von ihr Besitz ergreifen? Und wie wird Maria ihren ganz persönlichen Dämon weder los? Darum dreht sich Eli Roths "South of Hell". Die Serie arbeitet mit Rückblicken, wirft dem Zuschauer immer mal wieder ein Körnchen hin, der bleibt dadurch bei der Stange, will hinter die Zusammenhänge steigen.

Marias Vater Enos (Bill Irwin; "Interstellar") hat ihr den Dämon angehängt. Er war Führer einer Erweckungs-Sekte, deren Ende blutig und grausam war. Tod ist Enos deswegen aber noch lange nicht. Ein paar Seelen haben überlebt: Maria und David oder auch Grace Bledson (Paulina Singer; "Uncaged"). Ihr Vater ist ein Priester und Alkoholiker. Grace' Mutter ist auch die von Maria.

Tiefgang statt Slasher

"Ich werd dich schon nicht fressen ..."
"Ich werd dich schon nicht fressen ..."

So viel Spoiler muss sein, denn es sind die kleinen Dinge, die bei "South of Hell" zum großen Ganzen führen. Die Serie, bei der Eli Roth einer der ausführenden Produzenten ist, ist kein Splatter- oder Slasher-Festival. Man merkt, dass sie für das US-Fernsehen konzipiert wurde. Roth, groß geworden durch Blut und Gewaltexzesse wie "Cabin Fever" oder "Hostel", verleiht der Serie dennoch Horrorglanz. Roth hat dies als Produzent bereits bei anderen Serien wie "Hemlock Grove" oder "1 Minute Horror" getan und auch bei diversen Filmen der letzten Zeit ("Clown", "The Stranger").

Und auch bei "South of Hell" funktioniert der Name Roth als Zugpferd. Mit Mena Suvari hat die Hauptfigur der Maria (und Abigail) zudem einen wohlklingenden Hollywoodklang, auch oder gerade wenn von der Mena Suvari aus den "American Pie"-Klamotten nichts mehr vorhanden ist.

Die Idee einer Dämonen jagenden Kopfgeldjägerin ist simpel, die sie umgebende Rahmenhandlung sorgt aber für die nötige Tiefe und Komplexität: Religion, Sekten, Kirchen-TV, Nazis, dazu Patchwork-Familien, Alkoholismus, Teufelsanbetung, Engel und die Suche nach Anerkennung und Liebe. Da ist genug Potenzial für Dämonisches vorhanden. Also: Den inneren Schweinehund überwinden - und der Serie eine Chance geben.

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Quelle: n-tv.de