Unterhaltung
Na, wo ist das Monster?
Na, wo ist das Monster?(Foto: Tiberius)

Adam Green will die Wahrheit finden: Gibt es Monster wirklich?

Von Thomas Badtke

Adam Green ist Schöpfer von Victor Crowley, der Axt-schwingenden Missbildung der "Hatchet"-Reihe. Green kennt sich mit Monstern also aus. Doch als ihm jemand Beweise für deren Existenz verspricht, glaubt er ihm nicht. Ein schrecklicher Fehler.

Gibt es Monster oder nicht? Als Kind glaubt man fest daran, dass unter dem eigenen Bett oder im Schrank gegenüber im Dunkeln etwas lauert. Man will die Augen nicht schließen, hat Angst, dass das Monster dann kommt, einen beißt, oder noch schlimmere Sachen mit einem macht. Tja, aus der Perspektive eines Kindes gibt es Monster ganz sicher.

Als Erwachsener sieht das schon ganz anders aus. Da kann man alle Stephen-King-Bücher gelesen haben. Den Clown Pennywise fürchtet man dennoch nicht. Da kann man Horrorfilme der alten Schule wie "Nightmare on Elm Street" oder neuere wie "Jeepers Creepers" oder "Hatchet" gesehen haben. Auf den Gedanken, dass es Freddy Krueger, Mothman oder Victor Crowley wirklich gibt, verschwendet ein normal denkender Erwachsener keinen müden Gedanken.

Wenn es Monster gibt, ...

Ist William Dekker nur ein durchgeknallter Freak?
Ist William Dekker nur ein durchgeknallter Freak?(Foto: Tiberius)

William Dekker (Ray Wise; "RoboCop", "Jeepers Creepers 2") schon. Der ehemalige Bostoner Polizist glaubt fest daran, dass es Monster wirklich gibt. Sie leben in einer Parallelwelt unter der unseren - im Untergrund also. Diese Welt ist riesig und hat mehrere versteckte Eingänge. Einen davon hat Dekker gefunden. Aber was bringt es schon, wenn man der einzige ist, der weiß, dass Monster existieren?

Er kontaktiert Adam Green. Der Drehbuchautor und Regisseur kennt sich mit Monstern aus. Freilich Monstern aus Silikon, Paste und Schminke. Er ist der Erfinder des Axt-schwingenden Victor Crowley der "Hatchet"-Reihe.

Green ist also im Horrorfilm-Genre nicht irgendwer - und er ist geschmeichelt, dass Dekker zu ihm gekommen ist. Green findet Gefallen an dem schrulligen Alten. Und wer weiß, vielleicht liefert er ihm ja den Beweis, dass Monster wirklich existieren. Wie geil wäre das denn? Irre! Die Idee einer Dokumentation ist geboren.

... braucht es einen Beweis, ...

Gemeinsam mit seinem Partner und Kameramann Will Barratt sucht Green Dekker auf. Und der legt gleich los. Er zeigt Green Zeichnungen und andere Bilder von Monstern, die er höchstpersönlich gesehen haben will. Er hat ihnen sogar Namen gegeben, wie Brella - eine Frau, deren kopf wie ein geöffneter Regenschirm aussieht.

Dekker hat seine eigenen Beweise dafür, dass es Monster wirklich gibt.
Dekker hat seine eigenen Beweise dafür, dass es Monster wirklich gibt.(Foto: Tiberius)

Dekker ist der Meinung, dass es sich bei unseren Monstern um Menschen handelt. Menschen mit Deformationen. Aussätzige. Um ein normales Leben zu leben, sind sie aus unserer Welt verschwunden, haben sich stattdessen unter der Erde eine Parallelwelt aufgebaut. Mit allem drum und dran: Straßen, Häusern, Hochzeiten. Dekker nennt diese Monster-Welt "The Marror".

Green lauscht den Erzählungen Dekkers gespannt. Aber so richtig ernst nimmt er sie nicht - bis Dekker die beiden Filmemacher mit zu seinem geheimen Eingang nimmt. Er liegt auf einem alten Friedhof, abgelegen in einem Park. Jetzt ist Green Feuer und Flamme, sein Kumpel Barratt bleibt skeptisch. Dann wird es Nacht, laut Dekker kommen nun immer wieder Monster aus "The Marrow" in unsere Welt, oder kehren von unserer in ihre zurück.

Green und Barratt schauen gespannt in die Dunkelheit. Das Licht ihrer Kamera ist aus, so will es Dekker. Der hat Angst, dass die Monster sie bemerken und den Eingang zu "The Marrow" für immer verschließen. Das wäre ein Super-GAU für Dekker - er hat Jahre gebraucht, ihn zu finden, wie er sagt.

... der für alle sichtbar ist

Dekker sieht auch ohne Licht einzelne Monster. Immer wieder deutet er in die rabenschwarze Nacht. Green und Barratt sehen nichts. Enttäuschung macht sich breit. Sind sie einem Scharlatan auf den Leim gegangen? Werden sie nun zur Lachnummer in der Horrorfilmwelt Hollywoods?

"How to catch a Monster" ist bei Tiberius erschienen.
"How to catch a Monster" ist bei Tiberius erschienen.(Foto: Tiberius)

Green und Barratt machen sich heimlich zum Eingang auf, einem Loch, so finster, dass man selbst am Tag nichts darin entdecken kann. Ohne Dekker hoffen die beiden, mit Licht filmen zu können und so den Beweis dafür, dass Monster existieren, festzuhalten. Sie filmen auch "etwas", aber Dekker taucht plötzlich auf und ist außer sich.

Dennoch: "Etwas" war da. Green ist sich sicher. Er überredet Dekker, um den Eingang zu "The Marrow" in den Bäumen mehrere Kameras fest installieren zu dürfen und in einigem Abstand etwas versteckt eine Straßenlaterne zu stellen. Sie soll zumindest etwas Licht für die Kameras spenden.

Gleichzeitig stellt Green Nachforschungen zu Dekker an. Und während die Kameras wieder "etwas" filmen, ergibt ein Besuch bei der Bostoner Polizei, dass dort niemand Dekker kennt oder je auch nur gesehen hat. Was ist hier los?

Was wäre wenn?

Na, was meinen sie: Gibt es Monster oder nicht? Greens Dokumentation "How to catch a Monster" existiert auf alle Fälle, auf Blu-ray und DVD. Und selbst Skeptiker werden ihren Spaß daran haben. Der Film kommt nicht bierernst daher - Green nimmt vielmehr sich selbst und das Horrorgenre auf die Schippe. Seine Doku driftet trotz des Themas aber auch nicht ins Lächerliche ab. Man kann sagen: Sie hat einen gewissen Anspruch.

Das geneigte "normale" Publikum wird sich indes fragen: Was soll das hier eigentlich? Weiß doch jeder, dass es Monster nicht gibt! Der Horrorfan wiederum (wie Green einer ist) wird nach dem Sehen von "How to catch a Monster" durchaus ins Grübeln kommen. Was wäre wenn? Die Möglichkeiten sind enorm. Ein Film direkt in "The Marrow" gedreht … Ein weiterer Film über Dekker, der mehr über ihn und seine Obsession erzählt … Ein Krieg der Monster ... Alles ist möglich.

Bis dahin punktet Greens Doku vor allem mit offenen Fragen und sich daraus ergebenden Möglichkeiten; und mit einem Horror-Staraufgebot. So kommen in "How to catch a Monster" etwa Don Coscarelli, Regisseur von "Bubba Ho-Tep" und "John dies at the end" oder auch Tom Holland zu Wort. Holland ist etwa für "Chucky - Die Mörderpuppe" verantwortlich. Beide kennen sich mit Monstern also aus. Aber glauben sie auch daran? Green tut es, die letzte Einstellung seines Films ist deshalb irgendwie verstörend und fantasieanregend zugleich. Ich für meinen Teil werde nun wieder ab und zu unter mein Bett schauen. Sicher ist sicher, Erwachsener hin oder her.

"How to catch a Monster" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de