Unterhaltung
So hat sich Jessica ihre erste Schicht als Polizistin nicht vorgestellt ...
So hat sich Jessica ihre erste Schicht als Polizistin nicht vorgestellt ...
Dienstag, 07. März 2017

Der Wahnsinn bricht sich Bahn: "Last Shift" lässt dich nicht schlafen!

Von Thomas Badtke

In ihrer ersten Schicht soll Jessica eine geräumte Polizeistation überwachen. Notrufe? Nicht zu erwarten, da alle Anrufe bereits an die neue Wache gehen. Doch dann klingelt das Telefon: Ein Mädchen ruft um Hilfe. Ein Mädchen, das schon tot ist.

Als Jessica (Juliana Harkavy; "The Walking Dead", "Below the Surface") am späten Abend in ihrem Auto sitzt und mit ihrer Mutter telefoniert, ist die Welt noch in Ordnung. Sie fängt gleich ihre allererste Schicht als Polizistin an, tritt in die Fußstapfen ihres Vaters. Jessica ist nervös, aber auch arbeitseifrig. Als sie die Polizeiwache betritt, ist diese menschenleer. Sie schaut sich um. Ruft. Endlich ein Lebenszeichen: Es ist Sergeant Cohen (Hank Stone), er übergibt ihr die Schlüssel der Wache und verabschiedet sich. Jessica steht eine ruhige Nacht bevor, die letzte Nacht dieser Polizeistation vor ihrer Schließung. Laut Cohen sind keine Notrufe zu erwarten, alles sei bereits auf die neue Wache umgestellt.

Jessica schließt hinter Cohen die Tür und macht es sich im Eingangsbereich hinter einem Schreibtisch gemütlich. Dass sie Polizistin geworden ist, schmeckt ihrer Mutter nicht, denn sie hat ihren Mann, Jessicas Vater, bei einem Einsatz verloren. Jessicas Gedanken schweifen ab - als plötzlich das Telefon klingelt. Verdutzt nimmt die junge Polizistin den Hörer ab und lauscht.

Eine Stimme aus dem Off

So sehen Geister von Massenmördern nun mal aus.
So sehen Geister von Massenmördern nun mal aus.

Es ist ein Hilferuf. Die Stimme einer jungen Frau oder eines Mädchens gar. Ehe Jessica Fragen stellen kann, endet das Gespräch. Jessica ruft die neue Wache an. Eigentlich hätte sie keinen Anruf erhalten dürfen, sagt man ihr dort. Da sie auch keine weiteren Informationen aus dem Mädchen herauskitzeln konnte, dauert das Gespräch nicht lange.

Dann klingelt das Telefon erneut. Wieder ist die ängstliche Stimme des Mädchens zu hören. Diesmal fragt Jessica gezielt nach Hinweisen: Wo befindet sie sich? Wer ist hinter ihr her? Aber mehr als eine vage Beschreibung erhält sie nicht. Eine Farm vielleicht. Und das Mädchen ist wohl nicht die Einzige, die dort gefangen gehalten wird. Beim dritten Anruf erfährt Jessica noch den Namen des Mädchens und gibt alles an die neue Wache weiter.

Von dort erfährt sie, dass das Mädchen bereits seit einem Jahr tot ist. Sie war ein Opfer des Massenmörders und Kultführers John Michael Paymon. Er und ein paar aus seiner Gruppe konnte vor einem Jahr dingfest gemacht werden. Dabei kam Jessicas Vater ums Leben. Paymon und zwei Frauen wurden danach in die Wache gebracht. Dort brachten sie sich dann selbst um.

Nur ein Streich der Kollegen?

Jessica ist nun völlig durch den Wind. Sie sieht einen Polizisten in der Wache, der sogar mit ihr spricht und sich als Freund ihres Vaters vorstellt. Als er die Wache wieder verlässt, sieht sie seine Verletzungen hinten am Kopf und weiß, dass sie soeben mit einem Toten gesprochen hat.

"Last Shift" ist bei WVG erschienen.
"Last Shift" ist bei WVG erschienen.

Was passiert hier? Wollen sich die Überlebenden aus Paymons Gruppe rächen? Ist Paymons Geist gar zurück? Sollte sie die Wache schleunigst verlassen? Es wäre wohl die beste Entscheidung, aber Jessica entscheidet sich dagegen - wegen ihres Vaters und auch, weil sie nicht gleich in ihrer ersten Schicht als Weichei dastehen will. Vielleicht stellt sich bei Tagesanbruch ja auch alles als Streich ihrer Kollegen heraus?

Die pure Angst

Mal ehrlich, sollte das alles bisher ein Streich gewesen sein, wäre es einer der perfiden, ja der morbiden Sorte. Es ist keiner, so viel sei an dieser Stelle verraten. Das muss reichen, denn sonst verrät man über den Horrorfilm "Last Shift" schon zu viel. Und der Film des Regisseurs Anthony DiBiasi ("Dread") ist wirklich sehenswert.

Anfangs erinnert "Last Shift" noch an "Assault on Precinct 13". Doch sind es diesmal keine klassischen Kriminellen, die einem nahezu verlassenen Polizeirevier ihre letzte gewaltige Aufwartung machen. Als Zuschauer hat man schnell ein beängstigendes Gefühl, daran sind die Neonbeleuchtung und die vielen dunklen Ecken, Räume und Gänge der Polizeiwache nicht ganz unschuldig.

Beim ersten Anruf des Mädchens fragt man sich dann: Und nun? Was macht Jessica jetzt? Und insgeheim rechnet man immer noch mit einem Angriff irgendwelcher Chaoten aus dem Hinterhalt auf die Wache. Aber nichts Derartiges passiert: Eine Prostituierte raucht vor der Eingangstür eine Zigarette. Ein Obdachloser hinterlässt im Eingangsbereich eine letzte nasse Hinterlassenschaft. Jessica steckt ihn in eine Zelle.

Ab da bricht sich der Wahnsinn seine Bahn. Es fließt nicht viel Blut, es ist vielmehr die Vorstellungskraft, die einem Schauer über den Rücken jagt. Mittlerweile hat sich Jessica alle Sympathien der Zuschauer redlich verdient. Das Schauspiel von Juliana Harkavy überzeugt, wie der gesamte Film. "Last Shift" ist der Beweis, dass man für einen guten Horrorfilm nicht viel Geld braucht und man am meisten Angst vor seinem eigenen Kopfkino haben sollte.

"Last Shift" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de