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"Fighting Games" sind keine Spiele, sondern tödliche Kämpfe.
"Fighting Games" sind keine Spiele, sondern tödliche Kämpfe.
Dienstag, 18. Juli 2017

"Fighting Games": Typisch irisch: Mit sieben Trades zur Million

Von Thomas Badtke

Vernon ist arbeitslos, pleite und wohnt bei Mutti. Eine Geschäftsidee muss her, für einen Neuanfang. Eine Onlineplattform, auf der sich zwei Menschen zum tödlichen Fight verabreden können. Der Sieger bekommt alles, sieben Kämpfe, eine Million!

Steh auf, wenn du am Boden liegst: Nach diesen Devisen muss sich Vernon (John Bradley) neuerdings anfreunden. Er hat seinen Job verloren, die Vermögensverwaltung, für die er gearbeitet hat, ist auf einen Schlag 14 Milliarden los und damit pleite. Also zieht der Mittdreißiger wieder bei Mutti ein, in sein altes Zimmer, und denkt nach. Eine Idee, eine zündende Geschäftsidee ist das, wonach er sucht. Es dauert Monate, aber dann hat er sie.

Der erste Fight fällt noch schwer ...
Der erste Fight fällt noch schwer ...

Harry (Killian Scott) hat auch bei der Pleite-Bank gearbeitet. Schickes Loft-Apartment, noch schickeres Auto, aber alles auf Pump - und nun muss er sehen, wie er über die Runden kommt. Ungewohnt für ihn. Es dauert etwas, bis er einen neuen Job findet. Kleines Geld, kaum Aufstiegschancen, aber es soll ja eh nur für den Übergang sein.

A deadly game

Eines Tages taucht Vernon bei Harry auf. Harry ist überrascht, denn so richtige Freunde waren sie eigentlich nie. Aber Vernon hat Bier dabei, also hört Harry sich die Geschäftsidee des Muttersöhnchens an: Vernon hat ein Onlinespiel entwickelt oder besser eine Plattform, irgendwo im Deep Net versteckt, sagt er. Todsicheres Ding, sagt er. Todsicher? Tödlich trifft es vielmehr, denkt Harry.

Die Idee: Über Vernons Plattform verabreden sich zwei Menschen. Sie bringen gleichviel Geld mit, sie kämpfen - fair natürlich -, und der Gewinner bekommt die ganze Penunze. Der Verlierer ist da schon längst tot. Harry weiß nicht, wer Vernon ins Gehirn geschissen hat, aber eines ist sicher: Da macht Harry nicht mit. Er wirft Vernon aus seinem Apartment.

Aber dennoch: Wie bei "Inception" - ist die Idee erst einmal ins Gehirn vorgedrungen, wirst du sie nicht mehr los. Vor allem der Satz "Mit sieben Trades zur Million" hallt angenehm nach. Als Harry in seinem Job dann unverhofft an knapp 5000 Pfund kommt, loggt er sich auf Vernons Plattform ein - als "Trader", so hat Vernon die Spieler bezeichnet.

Killing friendly

Fighting Games" ist bei Tiberius erschienen.
Fighting Games" ist bei Tiberius erschienen.

Harrys Gegner muss den gleichen Einsatz liefern, es ist Vernon. Die beiden treffen sich in einem Pub, checken sich auf Waffen, tauschen die Handys und fahren per Bus mit mehrmaligem Linienwechsel zu einer für beide unbekannten Stelle in einen Wald. Da bekommt Harry dann Gewissensbisse. Klar, der dickliche Vernon, das perfekte Abbild eines Computernerds, hat keine Chance gegen den drahtigen, durchtrainierten Harry, aber einen Menschen zu töten, das schafft Harry dann doch nicht.

Als plötzlich ein Messer ins Spiel kommt, ist es Vernon, der sich damit verletzt. Harry nimmt die gesamte Kohle - und den blutenden und fluchenden Vernon und fährt in sein Apartment. Vernon zetert noch immer: So sähen die Spielregeln nicht aus. Er wolle sein Geld wieder.

Blut geleckt

Harry verarztet ihn nach bestem Wissen aus Youtube-Videos (Leim in die Stichwunde) und wartet auf Vernons Genesung. Jetzt hat Harry knapp 10.000 Pfund. Für diese in nur wenigen Minuten erkämpfte Summe hätte er sonst mehrere Monate arbeiten müssen. Da macht es Klick - und Harry tradet weiter.

Vernon kommt wieder auf die Beine, aber sein Geld von Harry nicht zurück. Der wiederum steigt Kampf für Kampf und Mord für Mord weiter nach oben, seinem Ziel der Million und einem Neuanfang irgendwo anders entgegen.

Eine geile Idee, nur Vernon scheint der Einzige zu sein, dem sie nichts einbringt. Das muss sich ändern.
Eine geile Idee, nur Vernon scheint der Einzige zu sein, dem sie nichts einbringt. Das muss sich ändern.

Vernon ist tief gekränkt. Er hat die Plattform erfunden, es war seine Geschäftsidee. Nur Kohle sieht er dafür nicht. Andere kassieren ab. Andere wie Harry. Vernon will Rache und ein Stück vom "Trader"-Kuchen. Er sucht sich ein paar Kriminelle und macht mit denen einen Deal: Sie sollen für ihn traden, er besorgt die passenden Gegner, die Kohle wird geteilt. Harry soll es als Erstes erwischen. Er ist mittlerweile 200.000 Pfund wert.

Wäre "Fighting Games" ein Hollywood-Blockbuster, würde Jason Statham Harry spielen und Jesse Eisenberg Vernon. Es würde viel Blut fließen und am Ende des bierernsten Streifens gäbe es ein Happy End. Allerdings ist "Fighting Games" ein irischer Film. Zum Glück.

Allein die Person des Vernon ist es wert, den Film zu schauen. Aber auch Harry mit seinem zum Teil knochentrockenen Humor ist sympathisch. Und auch nur so funktionieren das von Vernon entwickelte Spiel und damit auch der Film. Beide nehmen sich nicht ernst. Aber dennoch: Genau wie im Film geschildert, könnte das Spiel bereits heute laufen.

Vernon hat eigentlich alles bedacht. Er setzt aber auf die Fairness der "Trader", typisch britisch halt. Aber wer von der Globalisierung und diversen Regierungen in London gebeutelt ist, greift auch gern mal zu unlauteren Mitteln. Dass am Ende nur einer der beiden ungleichen Filmhelden überlebt, verwundert da nicht.

Was am Ende von "Fighting Games" des Regisseurs Peter Murphy bleibt, ist ein wohliges Gefühl in der Magengegend, ein zufriedenes Grunzen und ein lädiertes Zwerchfell. "Fighting Games", so typisch irisch wie Guinness, "A Film with me in it" und Stehaufmännchen-Mentalität.

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Quelle: n-tv.de