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"Bedeviled": Teuflisch gut.
"Bedeviled": Teuflisch gut.
Dienstag, 04. April 2017

Vergesst Siri, Alexa und Cortana: "Mr. Bedevil" ist die wirkliche Killer-App

Von Thomas Badtke

Es gibt eine neue App. Sie unterhält dich, weiß alles über dich und spielt mit dir - und deinem Leben. Aber das erfahren Nikki und ihre Freunde zu spät. "Mr. Bedevil" schockt die Teenager bereits, wo er nur kann. Ein tödliches Filmvergnügen.

Eine Welt ohne Smartphones? Der Zug ist abgefahren. Die Chance darauf hat die Menschheit vor Jahrzehnten bereits verspielt, als Apple doch nicht bankrott gegangen ist. Die Quittung sind jährlich Dutzende neue Smartphones diverser Hersteller. Und natürlich noch mehr Apps für sie. Manche sind Rohrkrepierer, andere wiederum Bestseller, sogenannte Killer-Apps wie zuletzt "Pokemon Go". "Mr. Bedevil" hat das Zeug dazu, der nächste "ganz heiße Scheiß" zu werden.

Der Teufel steckt im Smartphone.
Der Teufel steckt im Smartphone.

Doch ehe Nikki (Alexis G. Zall; "Quija") die App so richtig nutzen kann, ist sie tot. Gestorben an einem durch einen Schock ausgelösten Herzinfarkt. Ihr Freund Cody (Mitchel Edwards) kann es nicht glauben: Nikki war eine kerngesunde Teenagerin, die mit beiden Beinen im Leben stand. Auch ihre Clique um die beiden Pärchen Alice (Saxon Sharbino; "Poltergeist") und Gavin (Carson Boatman; "Code Red") sowie Dan (Brandon Soo Hoo; "Tropic Thunder") und Haley (Victory Van Tuyl) begreift den Schicksalsschlag nicht. In ihre gemeinsame Trauerbearbeitung platzt die Einladung, sich die App "Mr. Bedevil" herunterzuladen. Die Einladung kommt von Nikkis Smartphone, gewissermaßen also aus dem Jenseits. Bis auf Cody, der ein Sicherheitsfreak ist, was das Internet betrifft, laden sich Nikkis Freunde alle die App herunter und denken sich nicht groß etwas dabei.

Wer hat Angst vorm weißen Mann?

Das ändert sich aber schnell, denn die App macht sich in ihrer aller Leben breit. "Mr. Bedevil" ist wie Siri oder Cortana: Sie spricht mit den Smartphonebesitzern, beantwortet wichtige Fragen des Lebens, unterhält sie, spielt mit ihnen, ist ein willkommener Zeitvertreib. Dass sie auf alle im Netz und Sozialen Netzwerken verfügbaren Daten der jugendlichen Smombies zugreifen kann, ist logisch und wird von den Teenies in Kauf genommen. Was soll denn schon groß passieren?

Eine App, die deine Ängste kennt - und dich damit zu Tode schocken will: "Bedeviled" hat was.
Eine App, die deine Ängste kennt - und dich damit zu Tode schocken will: "Bedeviled" hat was.

Eine ganze Menge, wie sich bald zeigt: Der Afroamerikaner Cody wird plötzlich von einer Horde Weißer verfolgt. Haley bekommt Besuch von einem scheußlichen Teddybären aus ihrer Kindheit und Dan wird von einer alten Frau gestalkt, die er seit seiner Kindheit kennt. Es ist eine Tante von ihm, die als er noch ein Kind war, Selbstmord begangen hat und sich in einem Brunnen ertränkte. Schrecklich fette und große Clowns dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Apps töten keine Menschen, oder?

Hat das alles mit "Mr. Bedevil" zu tun? Der Versuch, die App zu löschen, misslingt bei allen. Cody klemmt sich dahinter und findet heraus, dass sie einen Sicherheitsschlüssel hat, der sich selbst immer wieder neu erfindet. Ein Knacken ist dadurch nahezu unmöglich. Und so dauert es nicht lange, bis "Mr. Bedevil" sein nächstes Opfer in der Clique fordert.

Am Ende bleiben nur zwei übrig, die alles Menschenmögliche versuchen, der App das Handwerk zu legen. Doch dafür müssen sie herausfinden, woher Nikki sie einst bekommen hat. Die Spur führt zu ihrem ehemaligen Physiklehrer. Aber der ist bereits tot.

"Bedeviled", der virale Horror

"Bedeviled" ist bei Ascot Elite erschienen.
"Bedeviled" ist bei Ascot Elite erschienen.

Man nehme junge, gutaussehende Menschen aus der "Generation Smartphone", packe eine App dazu, die es in ähnlicher Form bereits gibt, füge etwas Dämonen- und Geisterhorror dazu und würze das Ganze dann noch mit jeder Menge Verweisen auf Genre-Highlights wie die "Scream"-Reihe, die "Conjuring"-Filme oder auch die "Ring"-Saga - und heraus kommt "Bedeviled". Den Film inszenierten die Wang-Brüder Abel und Burlee, bekannt bisher etwa für "Hollywood Chaos". Man sollte sich die Wang-Brüder merken, denn "Bedeviled" gefällt.

Er ist kurzweilig und voller schwarzem Humor. Gleichzeitig können sich auch die Schockelemente sehen lassen, die bei Weitem nicht zu kurz kommen. Blickt man heute auf "Scream" oder auch die japanische "Ring"-Reihe zurück und weiß, dass sie den Horrorfilm in ihrer jeweiligen Zeit verändert haben, wird man das auch in ein paar Jahren von "Bedeviled" sagen können.

Hier werden Zuschauer fürs Horrorgenre begeistert, die sonst nur Mainstream-Unterhaltung gewöhnt sind. Und genau das ist dann auch das Erfolgsgeheimnis von "Bedeviled". Wer einen Slasher erwartet oder einen Geisterstreifen mit Tonnen von Kunstblut, wird enttäuscht. Wer aber an einen Popcorn-Horrorstreifen mit jungen Schauspielern, Humor und Slapstick-Einlagen denkt, der dazu noch von ambitionierten Regisseuren gekonnt umgesetzt wurde, ist bei "Bedeviled" genau richtig. Nach dem Film erwischt man sich auf alle Fälle dabei, dass man sich Apps vor dem Herunterladen zwei Mal anschaut. Schließlich hat jeder von uns vor irgendetwas Angst. Und man will ganz sicher nicht, dass diese Ängste einen heimsuchen. Oder, "Mr. Bedevil"?

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Quelle: n-tv.de