Unterhaltung
Leslie und Emily: ein sorgenvoller Blick zurück.
Leslie und Emily: ein sorgenvoller Blick zurück.
Dienstag, 26. September 2017

"Wrecker: Death Truck": Roadtrip in die Hölle

Von Thomas Badtke

Zwei heiße Mädels in einem knallroten Mustang. Mit an Bord: Bier, Whisky, Gin und Rum. Ihr Ziel: Party machen in Palm Springs. Ihr Problem: ein sie verfolgender psychopathischer Serienkiller in einem Truck - und der "Devil's Pass".

Es braucht nicht viel, um Männerherzen filmisch höher schlagen zu lassen. Erst recht, wenn es um Horrorfilme geht. Man packt einfach zwei heiße Mädels mit langen Haaren und dafür umso kürzeren Rücken in einen knallroten Mustang und lässt sie durch die USA düsen. Leere Highways, Sonne satt und dazu das wohlige Schnurren eines V8-Motors. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Das Auto hat irgendwo eine Panne und ein Serienkiller nimmt sich der beiden Insassen an. Oder ein anderer Autofahrer schnappt sie sich und will den Frauen ans Leder.

"Wrecker: Death Truck" ist bei Tiberius erschienen.
"Wrecker: Death Truck" ist bei Tiberius erschienen.

Bei "Wrecker: Death Truck" ist es, wie der Filmname schon sagt, ein Truck. Ein überdimensionierter Abschleppwagen, der plötzlich vor dem Mustang von Emily (Anna Hutchison; "Cabin in the Woods") auf dem Highway auftaucht, kurz nachdem Emily und ihre Freundin Leslie (Andrea Whitburn) auf den "Devil's Pass" gefahren sind. Dass ihre Handys kein Signal mehr bekommen, hätte sie warnen müssen.

Der Truck vor ihnen hat ein Auto aufgebockt und schlingert über den Highway. Emily, die fährt und in Gedanken noch immer bei ihrem untreuen Freund Randy ist, will überholen. Sie schafft es auch, aber es dauert. Der Zuschauer erhascht einen ersten Blick in die Fahrerkabine: ein verkehrt herum hängendes Kreuz baumelt am Rückspiegel.

Roadtrip ...

Yeah! Spätestens da weiß der geneigte Genrefan, was gleich abgeht - und er wird nicht enttäuscht: Der Truck überholt den Mustang. Der wiederum den Truck. Emily, die eigentlich nicht rasen will, muss ihre Freundin Leslie beruhigen, die schon leicht angeschickert auf dem Beifahrersitz Fluch über Fluch ausstößt.

Zum Glück müssen sie irgendwann tanken. Kostenpunkt - nur am Rande - knapp 38 Dollar. Tja, die Steuern und Abgaben auf Benzin sind in den USA nun mal anders als hierzulande. Zurück zum Katz-und-Maus-Spiel: Der Tankwart rät den beiden Frauen noch, das Öl zu wechseln, der Mustang brauche da so einiges, er könne es auffüllen. Emily winkt ab: Später, beim nächsten Halt. Sie will nur noch weg von dem Truck. Er ist ihr unheimlich.

... durch die Hölle

"Death Truck": Beginn einer neuern Horrorreihe?
"Death Truck": Beginn einer neuern Horrorreihe?

Zu Recht: Der Zuschauer hat mittlerweile auch ein Pentagramm im Führerhaus gesehen. Der Fahrer bleibt aber auch ihm verborgen. Irgendwie hat es der Truck erneut geschafft, den Mustang zu überholen. Er muss einiges unter der Haube haben. Nun regen sich Emily und Leslie über den Gestank des Lkw auf. Der Zuschauer ahnt: Es ist nicht der Laster, der müffelt - es ist ein totes Pärchen im Kofferraum des abgeschleppten Pkw. Falsche Zeit, falscher Ort.

Das denken sich auch bald Emily und Leslie. Sie würden ja die Polizei anrufen und denen sagen, dass ein Verrückter sie in einem Abschlepp-Truck verfolgt, aber dazu müssten ihre Handys funktionieren oder irgendein Haus am Straßenrand auftauchen. Beides passiert zunächst nicht. Erst später, aber da ist die Kacke für die beiden Partypupser bereits so am Dampfen, dass es für den Zuschauer keine Rolle mehr spielt. Er weiß: Es steht jetzt Spitz auf Knopf. Mustang oder Truck. Mädels oder Serienkiller.

Ein Auto zum Niederknien

Der Tod kommt immer näher ...
Der Tod kommt immer näher ...

Man sieht, es braucht wirklich nicht viel für einen guten Horrorfilm. Der Streifen des Regisseurs Michael Bafaro ("11:11", "The Barber") nimmt die klassischen Elemente (junge Frauen, Serienkiller) und packt noch ein schnittiges Auto sowie einen geheimnisvollen Unbekannten dazu und fertig ist "Wrecker: Death Truck". Wer sich hier an den Klassiker "Joyride" erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch. Allerdings haben Emily und Leslie den Truckfahrer nicht durch einen Streich oder ein ungebührliches Überholmanöver verärgert.

Vielmehr spielt der Film lange mit der Fantasie der Zuschauer: Kriegt der Truck den Mustang? Was wird dann aus den jungen Frauen? Wer sitzt hinter dem Steuer des Abschleppwagens? Ist es gar der Teufel selbst?

Letzteres würde Sinn ergeben: ein auf dem Kopf stehendes Kreuz, ein Pentagramm, die schwarz-rote Lackierung und die unsägliche Power des Trucks, der dem Mustang in nahezu jeder Situation scheinbar spielerisch folgen kann. Und da wäre noch die Tatsache, dass der Truck offenbar selbst schwerste Unfälle unbeschadet übersteht. Abgedreht, oder?

Wer bei "Wrecker: Death Truck" einen tieferen Sinn wie beispielsweise bei "Southbound" erwartet, liegt schief. Wer allerdings auf Horrorspaß á la "Joyride" mit ein bisschen Stephen-King-Würze setzt, wird Spaß an Bafaros Werk haben. Und selbst wenn nicht: Es gibt da ja noch die spärlich bekleideten Frauen und nicht zu vergessen dieses absolut geile Auto!

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Quelle: n-tv.de