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Bei den Stackmans kriselt's.
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"A Kind of Murder": Sieht so der perfekte Mord aus?

Von Thomas Badtke

Walter liebt Krimis, seine Frau hasst er dagegen. Als er in der Zeitung auf einen Bericht über einen brutalen Mord stößt, ist seine Fantasie geweckt. Kurz darauf wird Walters Frau tot aufgefunden. Die Polizei glaubt nicht an Selbstmord. War es Walter?

"In guten wie in schlechten Zeiten - bis dass der Tod euch scheidet ..." Geht es nach Walter Stackhouse (Patrick Wilson; "Conjuring"-Reihe), Architekt und durchaus nicht ganz unvermögend, hat seine Ehe mit Clara (Jessica Biel; "Texas Chainsaw Massacre") nie wirklich gute Zeiten erlebt. Nicht dass er seine "Kitty" nicht lieben würde. Aber seit ihrer Hochzeit vor rund einem Jahr ist die Luft raus in ihrer Beziehung. Sex? Den holt sich Walter auswärts.

Walter pflegt seit Längerem bereits eine Affäre mit der Sängerin Ellie (Haley Bennett; "The Equalizer"). Clara, Immobilienmaklerin, zieht sich immer mehr zurück, ist depressiv und versucht, nicht nur einmal, sich das Leben zu nehmen. Nicht, dass Walter diese Überlegung nicht auch schon hatte, das Leben seiner Frau vorzeitig zu beenden. Aber es sind zwei Paar Schuhe, über einen Mord nachzudenken und einen zu begehen.

Fasziniert von einer Idee, ...

Walters Gedankenspiele werden wahr. Aber hat er damit etwas zu tun?
Walters Gedankenspiele werden wahr. Aber hat er damit etwas zu tun?

Seit Wochen ist Walter von einem Mordfall fasziniert, über den er in der Zeitung gelesen hat. Eine Frau wurde in der Nähe einer Raststätte tot aufgefunden. Niedergestochen, brutal ermordet. Im Verdacht hat Detective Corby (Vincent Kartheiser; "Mörderische Verführung") den Ehemann der Toten, Marty Kimmel (Eddie Marsan; "V wie Vendetta"). Doch der Buchhändler streitet alles ab. Er sei zur Tatzeit in einem Kino gewesen, habe sich einen Film angeschaut. Ein Zuschauer bestätigt seine Angaben. Doch Corby lässt nicht locker. Irgendein Gefühl sagt ihm, dass Kimmel Dreck am Stecken hat und Blut an seinen Händen.

Walter sammelt jeden Zeitungsschnipsel, den er zu dem Mord findet, denn der Architekt hat ein ganz besonderes Hobby: Er ist Krimiautor. Und als er und Clara wieder einmal streiten, reicht es ihm: Er will die Scheidung. Sie entgegnet, dass sie sich dann umbringen werde und er daran schuld sei. Alle würden so denken und sein Leben wäre nur noch ein einziger Albtraum.

... die Wirklichkeit wird?

Ansehnlicher und anspruchsvoller Krimi: "A Kind of Murder".
Ansehnlicher und anspruchsvoller Krimi: "A Kind of Murder".

Kurz darauf ist Clara tot. Sie wollte mit dem Bus zu ihrer todkranken Mutter fahren, kam aber nie an. Stattdessen fand die Polizei ihre Leiche unter einer Brücke, nahe einer Raststätte. Dem ersten Anschein nach ist sie gesprungen. Detective Corby, der auch in diesem Fall ermittelt, hat allerdings Walter im Verdacht. Zwei tote Frauen nahe ein und derselben Raststätte? Das ist ein bisschen viel Zufall für seinen Geschmack.

Als Corby dann auch herausfindet, dass sich Walter und Marty Kimmel schon einmal begegnet sind und Walter Krimis schreibt, in denen ein Ehemann seine Frau umbringt, zweifelt er erst recht an der Unschuld Walters. Dieser wiederum versichert immer wieder aufs Neue, dass er seine Frau nicht umgebracht habe.

Ist Walter der Mörder seiner Frau? Hat Marty seine Frau umgebracht? Ist einer von ihnen ein Psychopath, der andere ein Nachahmer? Das sind die Fragen, die Detective Corby in seinem Kopf längst allesamt mit "Ja" beantwortet hat. Der Zuschauer muss bis zum Ende von "A Kind of Murder" warten.

Krimi noir pur

"A Kind of Murder" ist bei Universum erschienen.
"A Kind of Murder" ist bei Universum erschienen.

Regisseur Andy Goddard ("The Level") ist ein eindrucksvoller Krimi gelungen. Er spielt im New York der 1960er-Jahre: düstere Stimmung, kaum Farbakzente, viel Schwarz, Weiß und Grau. Dazu Jazzmusik und Schreibmaschinen-Hämmern, rauchende Männer mit Hut, die knackig kurze Dialoge vorbringen und nichts mehr zu hassen scheinen als schlecht gebügelte Hemden und die Hektik der Großstadt. Aus ihren Poren dringt pure Coolness.

"A Kind of Murder" erinnert irgendwie an die guten alten Hitchcock-Thriller. Ob das so gewollt ist, sei einmal dahingestellt. Der Zuschauer zieht unweigerlich diesen Schluss. Und wie bei den Hitchcock-Filmen ist er erst sehr spät Herr der Story - und das sorgt für den entsprechenden Aha-Effekt.

Dass die Darstellerriege vom Fach ist, schon in dem einen oder anderen Psychothriller mitgewirkt hat, kommt der Spannung von "A Kind of Murder" durchaus zugute. Patrick Wilson und Eddi Marsan kommen dabei die tragenden Rollen zu. Die Besessenheit von Detective Corby bringt Vincent Kartheiser perfekt rüber.

Am Ende muss man sich als Zuschauer fragen: Was könnte hier wirklich passiert sein? Gab es einen Mord? Wenn ja, vielleicht auch mehrere? Hat man Sympathien für einen kaltblütigen Mörder entwickelt? Oder ist man gar Zeuge eines perfekten Verbrechens geworden? "In guten wie in schlechten Zeiten - bis dass der Tod euch scheidet ..."

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Quelle: n-tv.de