Unterhaltung
Dienstag, 10. Oktober 2017

Flüche, Dämonen, schöne Frauen: "Sleeping Beauty" oder "Demon Girl"?

Von Thomas Badtke

Eine schöne Frau erscheint Thomas im Schlaf, nur ein wahrer Kuss kann sie erlösen. Hazel dagegen entführt die Tochter eines Diamantenhändlers und findet sich nicht nur sprichwörtlich in der Hölle wieder. Zwei Filme, ein Thema, viel Blut.

Auf den ersten Blick haben Thomas (Ethan Peck; "In Time", "Duell der Magier") und Hazel (Sharni Winson; "You're next") nichts gemein. Thomas ist Künstler, lebt in den Tag hinein, abgeschottet von der Außenwelt. Ein stiller Zeitgenosse. Hazel dagegen ist taff, nimmt kein Blatt vor den Mund und hat klare Ziele vor Augen. Derzeit plant sie mit einer Gruppe Freunde den ganz großen Coup: die Entführung der Tochter eines reichen Diamantenhändlers. Aber wie so oft - der erste Blick kann täuschen: Es gibt eine Verbindung zwischen beiden.

Thomas und die geheimnisvolle, schlafende Schöne: Dass sie schläft, hat einen guten Grund.
Thomas und die geheimnisvolle, schlafende Schöne: Dass sie schläft, hat einen guten Grund.

Thomas und Hazel lässt ihre jeweilige Vergangenheit nicht los. Thomas träumt immer häufiger von einer wunderschönen Frau (India Eisley; "Underworld: Awakening"), die er nie real gesehen hat. Doch jedes Mal, wenn er sie küssen will, tauchen schreckliche Dämonen auf und er erwacht. Mehrere Psychiater hat er deswegen bereits konsultiert, aber erst das Erbe eines bis dahin unbekannten Onkels bringt Licht ins seelische Dunkel.

Erben will gelernt sein

Thomas hat ein Anwesen geerbt, etwas abgelegen, aber jahrhundertealt und deshalb will sich der junge Mann auch ein Bild davon machen. Irgendetwas scheint ihn dorthin zu ziehen. Vielleicht findet er dort Hinweise auf die schlafende Schöne aus seinen Träumen?

"The Curse of Sleeping Beauty" ist bei Tiberius erschienen.
"The Curse of Sleeping Beauty" ist bei Tiberius erschienen.

Aber erst einmal trifft er auf Linda (Natalie Hall; "True Blood", "Only the Brave"), eine ebenso geheimnisvolle Frau, die ihren Bruder sucht, der vor drei Jahren hier in der Gegend spurlos verschwunden sein soll. Die beiden machen gemeinsame Sache, als sie erkennen, dass ihre beiden Geschichten miteinander verwoben sind und etwas mit dem Anwesen zu tun haben. Ein Hinweis im Testament von Thomas' Onkel schreckt die beiden auf: Thomas soll, egal was passiert, nie die Räume unterhalb des Kellers aufsuchen. Räume unter dem Keller? Auf keinem Grundriss oder Bauplan sind sie eingezeichnet - und das hat Gründe!

Trau keiner Frau!

Gute Gründe gibt es auch dafür, dass Hazels Freunde die Tochter (Carlyn Burchell; "Bomb Girls") des Diamantenhändlers völlig unbewacht und allein zu Hause vorfinden. Der Coup geht viel zu einfach über die Bühne, es gibt keinerlei Komplikationen. Die Kleine wehrt sich zwar, stößt Todesdrohungen aus. Das wars aber auch. Hazel und ihre Freunde nehmen das Mädchen mit und bringen sie in ihr Versteck, wo sie ein Video für die Lösegeldforderung drehen.

Als sie dieses dann an den Diamantenhändler schicken, passiert nichts: Die Handynummer ist tot. Hat die Polizei bereits eingegriffen? Kann eigentlich nicht sein, das Video ist gerade erst wenige Minuten alt. Die Gruppe beschließt, zwei Mann nochmal in das Haus des Diamantenhändlers zu schicken, um nach Hinweisen zu suchen, wieso niemand auf die Erpressung reagiert.

Hazel will Rache für den Tod ihrer Eltern; das "Demon Girl" ihre Freiheit und damit die Apokalypse.
Hazel will Rache für den Tod ihrer Eltern; das "Demon Girl" ihre Freiheit und damit die Apokalypse.

Als die beiden Männer im Haus eintreffen, ist dieses offensichtlich verlassen. Aber irgendetwas riecht komisch. Und so stöbern sie herum, finden ein paar Videokassetten und dann einen Raum mit mehreren schrecklich zugerichteten Leichen. In einigen stecken Gartengeräte, die mit übermenschlicher Kraft in die Körper getrieben worden sein müssen. Zudem hören die beiden Geräusche, sehen sich bewegende Schatten. Sie bekommen es mit der Angst zu tun und hauen ab.

Aber sie ahnen bereits, dass "Etwas" hinter ihnen her ist. "Etwas", das sie selbst aus dem Haus mitgenommen haben. "Etwas", das mächtiger ist als die katholische Kirche und das die Apokalypse heraufbeschwören will und dafür insgesamt vier geschundene Seelen braucht und geschundene Seelen sind sie alle, vor allem Hazel. Denn sie kannte das Haus, sie wohnte einst darin, ihre Eltern starben dort in einem Feuer. Und sie waren nicht die Ersten.

Die schlafende Schöne und das Slasherbiest

"Demon Girl" (Tiberius) erscheint am 2. November auf DVD und BD.
"Demon Girl" (Tiberius) erscheint am 2. November auf DVD und BD.

Genau an dieser Stelle treffen sich die Schicksale von Thomas und Hazel. Er ist Hauptprotagonist im Gruselschocker "The Curse of the Sleeping Beauty", sie spielt eine der tragenden Rollen im Dämonen-Slasher "Demon Girl". Beide Filme gehen zwar komplett verschiedene Wege, das Thema, das sie behandeln, ist aber das gleiche: Heimsuchung durch Dämonen.

Dabei gehen beide Filme nicht den klassischen Weg. "The Curse oft he Sleeping Beauty" des Regisseurs Perry Reginald Teo ("Necromentia") könnte auch lange als Liebesdrama durchgehen. Dass am Ende die Heraufbeschwörung des ultimativen Bösen behandelt wird, das, wie wir alle wissen, viele Gesichter haben kann, ist aber die definitive bessere Alternative.

Das Setting stimmt und es werden Erinnerungen an gleich mehrere Genre-Highlights geweckt: "Cube", "Evil Dead", "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" und und und. Der Film ist durchweg spannend und unterhält gekonnt. Das Anwesen, das sich als uralter Familienbesitz herausstellt, will man als Zuschauer um keinen Preis der Welt betreten.

Klaustrophobie meets Found Footage

Das Gleiche gilt erst recht für das Versteck, in dem Hazel und ihre Bande "Demon Girl" festhalten. Hier greift Regisseur Alastair Orr ("Indigenous") zudem auf die Wackelkamera-Optik zurück. Er lässt seine Hauptprotagonisten durch düstere, verwinkelte, zugestellte Räume wandeln, in denen jeder Schatten das Abgrundtiefböse sein könnte und nur das gelegentliche Aufblitzen einer Taschenlampe etwas Licht ins Dunkel bringt. Klaustrophobie meets Found Footage.

Zwei wesentliche Unterschiede gibt es dennoch zwischen den beiden Filmen: So kommt "Demon Girl" etwa mit all dem Blut, Gore-Effekten und Slasherszenen viel gewaltvoller daher als "The Curse oft he Beauty". Der wiederum lässt den Zuschauer am Ende mit einer offenen Frage zurück. Beiden Filmen wäre aber zu wünschen, dass sie in Fortsetzung gehen; oder wie wäre es mit: "Sleeping Beauty" vs. "Demon Girl" ...

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Quelle: n-tv.de