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Ein Haus in der ländlichen Idylle New Englands birgt ein Geheimnis, das besser im Verborgenen bleiben sollte.
Ein Haus in der ländlichen Idylle New Englands birgt ein Geheimnis, das besser im Verborgenen bleiben sollte.(Foto: Tiberius)

Spuk-Splatter der alten Schule: "We are still here" - um zu bleiben

Von Thomas Badtke

Anne und Paul wirft ein Schicksalsschlag aus der Bahn. Ein Umzug in ländliche Idylle soll ein Neuanfang sein. Doch ihr neues Heim birgt ein düsteres Geheimnis. Ein Geheimnis, das jahrhundertealt ist - und abgrundtief böse.

In der Ruhe liegt die Kraft. Das gilt nicht nur für Wein oder Whisky, sondern auch für gutgemachte Horrorfilme. In den 1970ern und teilweise auch noch in den frühen 1980ern ist dieses Credo gang und gäbe. Danach werden die Zeiten hektischer, die Schnitte nehmen zu.

"We are still here" ist bei Tiberius erschienen.
"We are still here" ist bei Tiberius erschienen.(Foto: Tiberius)

Aber die Horrorstreifen werden deswegen nicht unbedingt besser. Billigste Computereffekte und die in rauen Mengen - lautet nun die alles bestimmende Regel. Das gilt auch im Haunted-House-Horror, dem Teilgenre, welches in erster Linie von Atmosphäre lebt. Regiedebütant Ted Geoghegan besinnt sich nun auf die alten Stärken und geht mit "We are still here" back tot he roots.

Ländliche Idylle mit einem Makel

Irgendwann in den 1970ern sieht sich das Ehepaar Paul (Andrew Sensenig; "W.") und Anne Sacchetti (Barbara Crampton; "Re-Animator") dazu gezwungen, sein Leben neu zu beginnen. Der Grund ist der völlig überraschende Unfalltod ihres Sohnes. Ein Neuanfang abseits des Stadtlebens, irgendwo auf dem Land - das soll wieder Ruhe und Ordnung in das Leben der beiden bringen. Ein altes Haus in einem Kaff in New England wird gekauft - zu sehr günstigen Konditionen.

Geräusche, Gerüche, Grusel: Steckt ein Dämon dahinter?
Geräusche, Gerüche, Grusel: Steckt ein Dämon dahinter?(Foto: Tiberius)

Dass das Haus Macken hat, ist da selbstverständlich. Nur statt in die Jahre gekommener Außenfassade oder kaputter Fensterscheiben scheint der Keller ständig überhitzt zu sein - während draußen Schnee liegt und Minustemperaturen herrschen. Zudem liegt ein ständiger Rauchgeruch in der Luft, der aus dem Keller zu kommen scheint, aber dessen Quelle nicht sichtbar ist. Noch verstörender aber ist die Tatsache, dass Anne denkt, dass ihr toter Sohn im Haus präsent ist. Unerklärliche nächtliche Geräusche schrecken das Ehepaar zusätzlich auf.

Und auch der erste Besuch der entfernt lebenden Nachbarn hebt die Stimmung von Paul und Anne nicht: Irgendetwas scheint mit dem Haus nicht zu stimmen. Die Nachbarn sprechen von einem grauenvollen Unfall in der Vergangenheit.

Kommt die Viererbande hinter das düstere Geheimnis des Hauses?
Kommt die Viererbande hinter das düstere Geheimnis des Hauses?(Foto: Tiberius)

Annes Freundin May (Lisa Marie; "Sleepy Hollow") soll sich das nur nach außen hin gemütlich aussehende Landhaus mal genauer anschauen. Mit ihrem Mann Jacob (Larry Fessenden; "Vampire Nation") reist sie an. Ihr Sohn samt Freundin kommt nach. Doch während das junge Paar nur ein erholsames Wochenende genießen will, planen May und Jacob eine Seance. Sie soll ans Licht bringen, welches dunkle Geheimnis das Haus verbirgt.

Dämonen und viel Blut

Aber Horrorfans wissen: Manche Geheimnisse sollten besser im Verborgenen bleiben. Und so dauert es nicht lange, bis die Wände des altehrwürdigen Hauses Blutflecken zieren. Nun wendet sich "We are still here" von einem atmosphärisch dichten Spukhorror-Streifen im 1970er-Stil in ein Splatter-Festival, welches 1980er-Ikonen wie Sam Raimis "The Evil Dead" zur Ehre gereicht.

Dieser Twist ist es auch, der Geoghegans Film, produziert von den Machern von "Innkeepers", "Hatchet" oder dem bald fürs Heimkino erscheinenden neuseeländischen Überraschungshit "Dwathgasm", aus der breiten Masse der Haunted-House-Filme herausstechen lässt. Als Zuschauer hat man sich gerade an die erzählerische Behäbigkeit und die für die 1970er-Horrorfilme so typische Langsamkeit gewöhnt, als nicht nur sprichwörtlich die Hölle losbricht: Körperteile werden abgerissen und das Kunstblut fließt in rauen Mengen. Die Zahl der Toten steigt schnell, hält sich aber in einem engen Rahmen.

Was aber steckt hinter diesem Gemetzel? Mit der Beantwortung dieser Frage lässt sich Geoghegan Zeit. Er streut zwar ab und an kleine Hinweise ein, wirklich erhellend ist aber erst der Abspann. Den sollte man als Zuschauer auf keinen Fall verpassen, sonst tappt man weiter im Dunkeln. Nur so viel: Okkultismus spielt eine Rolle. Und hier schließt sich auch der Kreis in die Welt der Horrorfilme der 1970er-Jahre. "We are still here" ist für den geneigten "Früher war doch alles besser"-Horrorfan ein absolutes Muss.

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Quelle: n-tv.de