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Mit Pfeil und Bogen auf ganz spezieller Großwildjagd: Oskari muss auf diese Weise zum Mann werden - so will es der Brauch.
Mit Pfeil und Bogen auf ganz spezieller Großwildjagd: Oskari muss auf diese Weise zum Mann werden - so will es der Brauch.(Foto: Ascot Elite)

"Big Game": Over the Top: Wenn die Air Force One abgeschossen wird

Von Thomas Badtke

Es ist passiert: Eine Boden-Luft-Rakete jagt auf die Air Force One zu. Alle Abwehrmaßnahmen sind vergebens. Ein Terrorist will den Kopf des US-Präsidenten. Der Abschuss gelingt. Ein 13-Jähriger ist Zeuge - und die einzige Hoffnung des Präsidenten.

Was haben ein 13 Jahre alter finnischer Junge und der US-Präsident gemeinsam? Auf den ersten Blick: rein gar nichts. Auf den zweiten Blick, in der in den bayerischen Wäldern gedrehten Actionkomödie "Big Game", eine ganze Menge. Also anschnallen und ab geht die wilde Hatz!

"Big Game" ist bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray erschienen.
"Big Game" ist bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Der junge Oskari (Onni Tommila) hat ein großes Problem: An seinem 13. Geburtstag muss er nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet allein eine Nacht in den finnischen Wäldern verbringen - und etwas Großes jagen, einen Hirsch, Wolf oder Bären. So will es der Brauch in seinem Dorf. Nur ist Oskari nicht der geborene Jäger wie sein Vater Tapio (Jorma Tommila). Mit Pfeil und Bogen umgehen, kann er auch nicht sonderlich gut. Auf gut Deutsch: Oskari hat die Hosen gestrichen voll.

Ähnlich geht es auch dem US-Präsidenten William Moore (Samuel L. Jackson; "Django unchained", "Pulp Fiction"). Er ist amtsmüde. Null Bock, will den Rest seiner Präsidentschaft irgendwie rumkriegen. Nun muss er nach Finnland. Staatsbesuch. In der Air Force One sitzend, knabbert er genüsslich an einem Keks. Dann bricht um ihn herum die Hölle los: Das Flugzeug ist ins Fadenkreuz von Boden-Luft-Raketen geraten. Alle Abwehrmaßnahmen scheitern.

Samuel L. Jackson als amtsmüder US-Präsident: gewohnt routiniert.
Samuel L. Jackson als amtsmüder US-Präsident: gewohnt routiniert.(Foto: Ascot Elite)

Moore wird von seinen Secret-Service-Leuten in eine Rettungskapsel gesteckt und aus der Air Force One geschleudert. Dann schlägt die Rakete ein. Das war knapp.

Der Adler ist am Boden

In den finnischen Wäldern ist Oskari gerade mit sich und seinem großen Ziel befasst, als über ihm etwas krachend durch die Baumwipfel rauscht und unsanft in die Erde nicht weit entfernt von ihm kracht. Wahnsinn! Außerirdische, denkt Oskari und nähert sich dem unbekannten Objekt. Auf die Frage "Kommen Sie in Frieden?" erhält er erst nach einigen Sekunden eine zaghafte Antwort: "Ja."

Und da wären die beiden auf den ersten Blick so ungleichen Hauptpersonen von "Big Game" vereint: Der ängstliche Junge, der ein Mann werden will und der "Führer der freien Welt", dem sein Job nicht mehr wirklich Spaß macht. Beide sind von da an auf einander angewiesen. Moore mehr auf Oskari, wie ihm der Junge wenig später Auge in Auge klarmacht. Er kennt Moore nicht, für ihn zählt nur der Jagderfolg.

Terroristen auf ganz spezieller Großwildjagd: Der Kopf des US-Präsidenten ist das Ziel.
Terroristen auf ganz spezieller Großwildjagd: Der Kopf des US-Präsidenten ist das Ziel.(Foto: Ascot Elite)

Erst als die Bösen - Terroristen aus dem arabischen Raum - ihnen auf den Fersen sind und die ersten Kugeln durch die Bäume zischen, ahnen beide, dass die Lage ernst ist: Es geht um Leben und Tod. Oskari wird zudem klar, dass er einen ganz großes Tier in seiner Obhut hat: Wenn er den US-Präsidenten heil in seinem Dorf abliefert, wird er ohne jeden Zweifel als Held gefeiert werden - und natürlich der Sohn sein, den sein stolzer Vater sich immer gewünscht hat. Doch bis dahin wird noch eine Menge Schweiß und wohl auch Blut fließen.

Skurril und liebenswert

Hanebüchen. Das ist der erste Gedanke, der einem bei der Story von "Big Game" einfällt. Nicht nur, dass die Air Force One mir nichts dir nichts vom Himmel geholt wird. Nein, der US-Präsident fällt in einer Rettungskapsel zu Boden und muss sich von einem Teenie mit Pfeil und Bogen vor Terroristen mit automatischen Waffen retten und beschützen lassen. Ja, wo leben wir denn?

Nicht in den USA. So viel ist mal klar. Das ist weder "Olympus has fallen" noch "White House Down" oder gar "Air Force One". Das ist Skandinavien. Das ist Finnland. Hier gelingt es arabisch aussehenden Männern - Ober-Bösewicht ist Hazar (Mehmet Kurtulus) - mit schweren Jagdutensilien problemlos einen Helikopter zu chartern und eine ganz spezielle Großwildjagd zu starten. Mal abgesehen davon, dass auch in Finnland die Zeiten längst vorbei sind, in denen Teenies mit Pfeil und Bogen sich ihre Männlichkeit erschießen müssen. Finnland ist schließlich nicht Sparta und "Big Game" nicht "300".

Der letzte Tropfen geht immer ...

Allerdings ist der Regisseur des Films auch nicht Zack Snyder, sondern Jalmari Helander ("Rare Exports"). Für den Finnen ist "Big Game" sein Hollywooddebüt. Es ist gelungen! Zweifelsohne. Der Zuschauer muss nur seine Erwartungen neu kalibrieren: Obwohl Actionikone Samuel L. Jackson mitspielt, ist "Big Game" kein Baller-Epos. Der Film liegt irgendwo zwischen Jugendfilm mit Actionsequenzen und Politsatire.

"Glaub an dich, dann wird alles gut": US-Präsident Moore spricht Oskari Mut zu.
"Glaub an dich, dann wird alles gut": US-Präsident Moore spricht Oskari Mut zu.(Foto: Ascot Elite)

Wo sonst sitzt der amtierende US-Präsident - immer noch im Anzug - neben einem Teenie mit Pfeil und Bogen an einem Lagerfeuer und erzählt ihm von seinem peinlichsten Moment? Bei dem ging es nicht um eine Praktikantin oder eine Verwechslung irgendwelcher Länder. Nein, er kam vom Klo und hatte einen Pinkelfleck auf seiner Hose. Und das direkt vor einer seiner live übertragenen Reden ans Volk. Was, wenn die Kameras den Fleck bemerken?

Es lebe der Spaß!

Diese Geschichte ist nur eine von vielen Skurrilitäten in "Big Game". Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch Helanders Werk. Der ernste Hintergrund des Vier-Augen-Gesprächs: Der US-Präsident will Oskari Mut zusprechen, denn dem Jungen fehlt es an Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten. Niemand glaubt an ihn. Nun tut es der US-Präsident.

Neben den ansprechenden Darstellerleistungen - Jackson wie immer routiniert, Tommila macht Lust auf mehr - gibt es jede Menge atemberaubender Naturaufnahmen zu sehen. Was da nach Finnland aussieht, ist allerdings der bayerische Wald. Passt auch irgendwie zu "Big Game", genauso wie die exakt an den richtigen Stellen zum Einsatz kommenden Slow-Motion-Sequenzen á la "Matrix".

"Big Game" macht Spaß. Er ist ein Film für die ganze Familie, manchmal etwas überzeichnet, gewissermaßen "over the top", aber immer unterhaltsam.  Und er zeigt, dass man keine Angst vor großen Namen haben muss - auch ein US-Präsident ist nur ein Mann, bei dem mal was in der Hose landen kann.

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Quelle: n-tv.de