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You're on the real Highway to Hell, wenn du "Southbound" schaust.
You're on the real Highway to Hell, wenn du "Southbound" schaust.(Foto: Tiberius)
Dienstag, 11. Oktober 2016

"Southbound": knackig, blutig, cool: You're on the real Highway to Hell

Von Thomas Badtke

Auf einem staubigen Stück Highway mitten in der Wüste werden die albtraumhaften Geschichten mehrerer Reisender verwoben. Alle kämpfen plötzlich gegen den ihre Dämonen der Vergangenheit: "Schlimme Nacht, was?" Terror pur.

"Bedauern und Gewissensbiss, Sühne und Wiedergutmachen - das ist das Leben, stimmt's?", fragt die männliche Stimme aus dem Autoradio: "Also, der nächste Titel ist für euch, all ihr verlorenen Seelen, die ihr auf der langen Straße zur Erlösung dahinjagt; all euch Sünder, die ihr ständig aus der Vergangenheit direkt auf dieses schwarze Loch da vor euch zusteuert. Wir bewegen uns alle auf derselben end- und namenlosen Schnellstraße ohne Ausfahrt, auf der Suche nach einem Ausweg aus dieser Nacht in einen neuen Morgen. Nun, sie werden versuchen, euch aufzuhalten, aber ihr müsst sagen: Scheiß drauf! Und weiterfahren, denn es ist eure Schnellstraße und heute ist vielleicht die Nacht, in der ihr diesen verfluchten Dämonen ein für allemal entkommen könnt ..."

Die Rockband Siren fährt mit ihrem in die Jahre gekommenen Bully-Tourbus gerade auf dieser Schnellstraße durch die Wüste, als ein Reifen platzt. Ersatzrad? Nicht vorhanden. In der Hitze harren Ava (Hannah Marks; "The Runaways"), Kim (Nathalie Love; "Palo Alto") und Sadie (Fabienne Therese; "John dies at the End") auf Hilfe - bei warmem Bier und schlechter Laune, denn ursprünglich waren sie zu viert, aber Alex ist fort, für immer. Als endlich ein Auto vorbeikommt und Hilfe anbietet. Ein älteres Ehepaar, vertrauenswürdig, sitzt darin. Freunde des Paares hätten einen Camper und das passende Ersatzrad, heißt es. Sie kämen zum Abendessen.

Stell dich deinen Dämonen

Reifenpanne? Der wahre Horrortrip beginnt danach erst ...
Reifenpanne? Der wahre Horrortrip beginnt danach erst ...(Foto: Tiberius)

Die drei jungen Frauen entschließen sich, einzusteigen. Das Essen schmeckt komisch, die Nachbarn des Paars sind komisch, das Gebet am Tisch ist komisch - aber nur Sadie scheint ihr Misstrauen zu beunruhigen. Und ihr Gefühl trügt sie nicht: In der Nacht erbrechen Ava und Kim irgendetwas Schwarzes, Blutiges. Dem Ehepaar und den Gästen verwundert das nicht. Sie scherzen, geben den beiden "Medizin" und schon bald schlafen Ava und Kim ruhig ein.

In der Nacht wird Sadie wach. Sie hört Stimmen, geht in den Garten: "Die Verdammten altern nicht. Du hast deine Wandlung eingeleitet." Das Paar und seine Freunde beschwören um ein Feuer herumstehend "etwas" herauf - und Ava und Kim sind Teil des Ganzen. Sie sehen Sadie und die sieht Alex, oder deren Geist: "Jetzt können wir alle zusammen sein", sagt Alex. Sadie flieht und rennt auf die "Southbound", die Schnellstraße, die es laut GPS gar nicht zu geben scheint.

"Southbound" ist bei Tiberius erschienen.
"Southbound" ist bei Tiberius erschienen.(Foto: Tiberius)

Und direkt vor Lucas (Mather Zickel; "Rachels Hochzeit") Auto. Der Geschäftsmann telefoniert gerade mit seiner Frau, ist abgelenkt. Nun liegen die Reste von Sadie blutend auf der Straße. Sie lebt noch. Lucas übergibt sich - und ruft den Notarzt an: "Wo befinden Sie sich?", säuselt eine Frauenstimme. "Ich weiß es nicht. Ich bin irgendwo im Nirgendwo. Ich finde die Straße auf meinem GPS nicht." Lucas bleibt am Telefon, beschreibt Sadies Zustand und die Stimme spricht ihn direkt an: "Lucas ...". "Woher kennen Sie meinen Namen?", fragt der verdutzt. "Na, wir haben doch Ihre Nummer ...", lautet die nach Logik klingende Antwort. Lucas soll Sadie in die nächstgelegene Stadt fahren, in ein Krankenhaus. Er fährt los. Schnell. "Ich tue alles, was ich kann."

Ist da jemand?

In der Stadt scheint niemand zu sein. Lucas findet das Krankenhaus, rennt mit Sadie auf seinen Armen hinein. Ruft, schreit: "Ist da jemand? Ich brauche Hilfe! Verdammte Scheiße!" Er trägt sie kurzerhand in den OP. "Wie geht es der Verletzten?", fragt die Stimme am Telefon. "Nicht gut!", brüllt Lucas ungehalten, "ihr Bein ist durchgebrochen." "Konzentrieren Sie sich. Sie müssen die Blutung stoppen!" Lucas versucht es. "Sie müssen sie intubieren." Die Stimme leitet ihn an. "Machen Sie weiter."

OP-Tipps vom Call Center? Warum nicht ...
OP-Tipps vom Call Center? Warum nicht ...(Foto: Tiberius)

Eine andere Stimme ertönt, eine männliche: "Sie wird sterben. … Sie müssen die Lunge komprimieren! … Sie müssen sie aufschneiden. … 12 bis 18 Zentimeter direkt unter dem Brustkorb. Langsam. Langsam. Suchen Sie die Lunge. Drücken Sie sie zusammen." Lukas drückt - und Sadie ist tot. Die beiden Stimmen am Telefon lachen - oder bildet sich Lucas das nur ein? "Fuck! Hilfe! Ich hab das nicht verdient!" Die Stimmen pflichten ihm bei. "Muss ich mir Sorgen machen?", fragt Lucas leise. "Nein, Sie waren nie hier. Gute Nacht!" Erlösung?

That's the real Highway to Hell!

Erlösung. Genau darum geht es im Episodenfilm "Southbound" der Macher der "V/H(S"-Reihe. Fünf kurze Geschichten, von verschiedenen Regisseuren, aneinandergereiht wie an einer Perlenschnur und perfekt miteinander verwoben, warten hier auf den Zuschauer. Diesmal ganz ohne Found-Footage-Elemente, dafür aber mit verschiedenen Horrorsubgenres. Da wäre beispielsweise Home-Invasion-Thrill, Gore, Okkult-Mystery und alles in einem Road-Movie-Ambiente.

Mal verstörend, mal blutig, als ob es keinen Morgen gibt. Mal mitfühlend zurückhaltend, mal erschreckend direkt. "Southbound" überzeugt auf ganzer Linie. Kurze Storys, humorige Dialoge und knackige Bilder, die für sich selbst sprechen. 85 Minuten Horrorspaß pur - und am Ende eine Erkenntnis, die der Radiosprecher auf der Schnellstraße in die Hölle nicht besser hätte formulieren können:

"Tja, wir wissen alle, dass die Vergangenheit ein richtiges Stück Scheiße sein kann. Und wenn sie euch einholt, solltet ihr bereit sein. Behaltet die Straße im Auge, lasst den Motor so stark aufheulen, dass ihr die Schreie der Dämonen in euren Ohren nicht hört. Verschließt eure Türen und lasst die Reifen qualmen. Sagt eurer Familie, dass ihr sie liebt und verabschiedet euch ein für allemal von der Vergangenheit. Denn jede Straße muss irgendwo zu Ende sein. Hab ich recht?"

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Quelle: n-tv.de