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Erzengel Michael kämpft auf der Seite der Menschen gegen seinesgleichen. Das war nicht immer so.
Erzengel Michael kämpft auf der Seite der Menschen gegen seinesgleichen. Das war nicht immer so.(Foto: Ilze Kitshoff/Syfy)

"Dominion": Zu viele Engel auf Erden: ... und das siebte Siegel ward gebrochen

Von Thomas Badtke

Gott hat sich von der Menschheit abgewandt. Das Jüngste Gericht bricht über sie herein. Sechs Milliarden Menschen sterben. Die Überlebenden rüsten sich zur letzten Schlacht - gegen Erzengel Gabriel und seine Himmelhunde.

Die Erde. Gegenwart. Gott hat genug von seiner liebsten Schöpfung. Er wendet sich von den Menschen ab und schickt seine Engel als Armee der Zerstörung auf die Erde. Der Untergang der Menschheit ist eingeläutet.

Die Erde. 25 Jahre später. Gott ist noch immer verschwunden und auf der Erde tobt ein blutiger Krieg. Sechs Milliarden Menschen sind bereits tot. Die Überlebenden haben sich verschanzt. In den Ruinen zerstörter Städte fristen sie ihr trostloses Dasein. Vega ist einer dieser Orte.

Von Menschen, Monstern und religiösen Mythen

Claire und Edward Riesen: Er will seine Tochter mit Wheles Sohn verheiraten. Sie liebt aber Alex.
Claire und Edward Riesen: Er will seine Tochter mit Wheles Sohn verheiraten. Sie liebt aber Alex.(Foto: Pandastorm)

In Vega regieren Senatoren wie im alten Rom. Zwei Familien stehen sich dabei gegenüber: Riesen und Whele. Während General Edward Riesen (Alan Dale; "Verblendung") über die Armee und damit die Verteidigung der Stadt in den Ruinen von Las Vegas wacht, strebt David Whele (Anthony Head; "Buffy - im Bann der Dämonen") nach allumfassender Macht über Vega. Immer wieder spinnt er Intrigen, stellt politische Fallen und regiert die Stadt mit aller Härte. Dass der Rest der Menschen von Vega in Armut lebt, interessiert ihn nicht. Riesens Tochter Claire (Roxanne McKee; "Game of Thrones", "Vendetta") dagegen schon. Sie will ein besseres Leben für alle Bewohner von Vega. Ihr geheimer Freund Alex Lannen (Christopher Egan; "Resident Evil: Extinction", "Eragon") steht ihr zur Seite. Doch Alex ist zu Höherem bestimmt.

Der Auserwählte muss dutzende Prüfungen bestehen.
Der Auserwählte muss dutzende Prüfungen bestehen.(Foto: Ilze Kitshoff/Syfy)

Als Kind verlässt ihn sein Vater. Von heute auf morgen ist der Junge auf sich allein gestellt, sein Überleben ein täglicher Kampf. Doch irgendwie schafft er es und kommt in die Leibgarde der Riesens. Dort hat er zumindest Essen und Obdach. Was Alex nicht weiß: Seit seiner Geburt wacht jemand über ihn - und es ist kein Mensch.

Im Kampf gegen die Engel hat sich Erzengel Michael (Tom Wisdom; "300", "Coronation Street") auf die Seite der Menschen geschlagen. Er ist der Hüter von Vega - mit einem äußerst dunklen Geheimnis. Die Armee der Engel führt sein Bruder Gabriel (Carl Beukes) an. Er ist sich sicher: Nur wenn jeder Mensch vom Antlitz der Erde getilgt ist, wird sein Vater, wird Gott zurückkehren.

Auch Gabriel ist an Alex interessiert.
Auch Gabriel ist an Alex interessiert.(Foto: Ilze Kitshoff/Syfy)

Gabriel kennt Alex auch bereits seit dessen Geburt. Denn er versuchte ihn schon damals umzubringen. Gabriel wollte verhindern, dass Alex seiner wahren Bestimmung gerecht werden kann - die Menschheit zu erlösen. Alex ist der Auserwählte. Er kann den Krieg zugunsten der Menschen entscheiden. Alex weiß von alledem zunächst nichts.

Die Apokalypse ist erst der Anfang

Willkommen in der Endzeit. Willkommen in der US-Serie "Dominion". Willkommen inmitten eines aussichtlos erscheinenden letzten Kampfes der Menschen gegen ihre völlige Auslöschung. Der Plot ist klar und beginnt eben 25 Jahre nach dem Ende des Kinofilms "Legion". Der war zwar kein Kassenschlager, liegt der Serie aber zugrunde.

Noma opfert ihre Flügel, um Alex zu retten. Doch das verändert sie.
Noma opfert ihre Flügel, um Alex zu retten. Doch das verändert sie.(Foto: Pandastorm)

Und "Dominion" selbst macht absolut Spaß. Wobei Spaß das falsche Wort ist. Humor geht der Serie mit ganz wenigen Ausnahmen komplett ab. Stattdessen gibt es kurzweilige Action mit Schwertern á la "Gladiator", oder mit automatischen Waffen wie in "Terminator". Politische Intrigen und Machtkämpfe wie in "Game of Thrones" oder "House of Cards" gehören ebenso zum Plot. Selbst Anleihen von "The Walking Dead" und der "Herr der Ringe"-Reihe fallen dem geneigten Zuschauer sofort ins Auge. Und nicht zu vergessen die gute alte "Mad Max"-Saga - Klotzen statt Kleckern lautete anscheinend die Devise des "Dominion"-Schöpfers Vaun Wilmott ("Sons of Anarchy").

Die Schauspielerriege ist dabei absolut top. Das gilt von den Besetzungen der Hauptrollen bis zu den Nebendarstellern. Die Actionsequenzen sind aufwändig inszeniert. Die Kostüme postapokalyptisch real. Die Stadt Vega mit ihren zahlreichen Überbleibseln aus der Vorkriegsära - wie dem Luxor oder dem Ceasar's Palace - bietet die perfekte Kulisse. Das alles zusammengenommen macht aus "Dominion" eine absolut runde und sehenswerte Sache. Nur scheint die breite Masse das nicht so zu sehen.

Sag niemals nie ...

"Dominion", 1. Staffel, ist bei Pandastorm erschienen.
"Dominion", 1. Staffel, ist bei Pandastorm erschienen.(Foto: Pandastorm)

Nach bisher zwei Staffeln soll bereits Schluss sein. Die Einschaltquoten in den USA waren zu gering, vor allem bei der zweiten Staffel, als sie zum Teil um 50 Prozent eingebrochen sind. Unverständlich und schwer nachvollziehbar ist das, denn die zweite Staffel mit ihren 13 Folgen und rund 550 Minuten Spieldauer legt zur ersten noch eine Schippe drauf. Während in Staffel 1 das politische Ränkespiel und die Etablierung der Charaktere im Vordergrund steht sowie diverse Auseinandersetzungen innerhalb Vegas, beginnt Wilmott mit Staffel 2, den Blick des Zuschauers auf das Große und Ganze zu richten. Eine weitere Stadt taucht auf, neue religiöse Geheimnisse und Rückblicke decken die Stärken und Schwächen jeder der Hauptprotagonisten auf. Das Böse hat auch nette Züge und nicht jeder Held wurde als solcher geboren.

Den Zuschauer zieht das immer tiefer in den Bann. Dabei hält Wilmott an seinen Hauptdarstellern fest. Nur vereinzelt werden neue Akteure ins Spiel gebracht. Die haben es dann aber - wie beispielsweise Julian (Simon Merrells; "Wolfman"), das Oberhaupt Neu Delphis; Zoe (Christina Chong; "Legacy"), die Anführerin eines Aufstandes der Armen Vegas; oder auch Gates Foley (Nic Bishop; "Body of Proof"), dem Ingenieur Vegas und neuen Geliebten Claires - in sich.

Der Engel der Morgenröte

"Dominion", 2. Staffel, ist bei Pandastorm erschienen.
"Dominion", 2. Staffel, ist bei Pandastorm erschienen.(Foto: Pandastorm)

Auch die Twists können sich sehen lassen: Die Figur Sergeant Noma Walker (Kim Engelbrecht; "Sarahsara") ist das beste Beispiel dafür. Sie hat - Vorsicht, Spoiler-Alarm! - als Gabriels Kämpferin das Messer bereits an Alex' Kehle, als der noch ein Baby ist. Danach wechselt sie auf Michaels Seite und beschützt Alex, nur um dann letzten Endes an Lucifers Seite zu kämpfen.

Lucifer? Genau hier liegt die Krux: Der Cliffhanger am Ender von Staffel 2 ist göttlich geil - aber ohne eine dritte Staffel völlig sinnlos. Dass in den USA bereits Unterschriften für eine Fortführung von "Dominion" gesammelt werden, stimmt da natürlich zuversichtlich. Auch die Tatsache, dass bereits bei anderen Serien die ursprünglich produzierenden Sender gewechselt haben (wie bei "The Killing" beispielsweise), hilft. Und nicht zu vergessen der Fakt, dass der Stoff noch so viel zu bieten hat.

Die 25 Kriegsjahre, nachdem Gabriel das siebte Siegel gebrochen hat, bleiben bisher völlig im Dunkeln. Ebenso wird eine nur von Frauen bevölkerte Stadt Helena erwähnt, aber nie gezeigt. So können die Zuschauer nur hoffen, dass sich bei "Dominion" doch noch alles zum Guten, sprich zu einer dritten Staffel, wendet. Julians Worte in der Produzenten Ohren: "In einem unendlichen Universum ist 'Niemals' ein äußerst nutzloses Konzept."

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Quelle: n-tv.de