Sonntag, 05. Juni 2005
Schmeckte auch dem Kaiser: 200 Jahre Wiener Würstchen
Schon Franz Schubert liebte es, Kaiser Franz I. von Österreich erklärte es angeblich zu seiner "Leibspeise", und zwischen zwei Weißbrotscheiben gequetscht erlangte es als "Hot Dog" Weltruhm: Das Wiener Würstel, das in Österreich bis heute "Frankfurter" heißt, feiert bei ungebrochener Beliebtheit seinen 200. Geburtstag.
Nach der Überlieferung war es Mitte Mai 1805, als der aus Gasseldorf in Franken stammende Fleischhauer (Metzger) Johann Georg Lahner die - laut Augenzeugen - ersten Würstel in die Auslage seines kleinen Geschäfts im 7. Wiener Gemeindebezirk hängte. Lahner (1772 bis 1845), der seine Lehre im Frankfurter "Worschtquartier" absolviert hatte, nannte seine Kreation schlicht "Frankfurter". Doch seinen Triumphzug rund um die Welt trat das Würstchen im zarten Naturdarm dann als "Wiener" an.
Die dünnen, geräucherten oder gedünsteten Würstchen wurden rasch populär. Kaiser Franz I. soll sie zu seinem täglichen "Gabelfrühstück" genossen haben. Allerdings aß er sie - wie es sich gehört -schlicht mit den kaiserlichen Fingern. Auch der Musiker Johann Strauß mochte die "Delikatesse" bald nicht mehr missen.
Lahners Frankfurter/Wiener bestanden aus von Sehnen befreitem Schweine- und Rindfleisch. Dieses wurde zunächst per Hand zerkleinert und mit Holzstöcken weich geklopft. Anschließend wurde das Fleisch in seiner Fleischhauerei mit großen Wiegemessern von bis zu sechs kräftigen Männern unter Zugabe von Wasser zu Wurstbrät verarbeitet und dann in Schafsaitlinge (Därme) gespritzt; zu Paaren von 140 bis 180 Gramm. Dieses Grundrezept blieb bis heute nahezu unverändert. Lediglich der Fettgehalt wurde inzwischen von bis zu 40 auf rund 20 Prozent reduziert.
Dass die Frankfurter/Wiener Würstchen es nie in die internationalen Gourmetküchen schafften, hat ihrer weltweiten Popularität nicht geschadet. Allein in Österreich, so berichtete die Tageszeitung "Die Presse", werden alljährlich bis zu 630 Millionen Stück verspeist. Fast jedes Lokal hat "Frankfurter mit Semmel und Saft" auf der Speisekarte, zum Preis von bis zu 5 Euro.
Obwohl die Würstel inzwischen weltweit als "Wiener" bekannt wurden, hat sich in Österreich die ursprüngliche Bezeichnung als "Frankfurter" bis heute erhalten. Das aber führt immer wieder zu Missverständnissen, vor allem unter deutschen Touristen. So erlebte etwa ein wohlbeleibter bayerischer Urlauber eine Überraschung, nachdem er bei der Kellnerin "vier Wiener" bestellt hatte. Er dachte sich nichts dabei, als diese ungläubig nachfragte, ob er diese Portion auch wirklich schaffen werde. Am Ende brachte sie dem Gast vier tellergroße "Wiener" Schnitzel.
(von Christian Fürst, dpa)
