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Mühseliger als mit dem Blitzhacker: Das Stampfen des Pestos im Mörser bringt aber den besten Geschmack hervor.
Mühseliger als mit dem Blitzhacker: Das Stampfen des Pestos im Mörser bringt aber den besten Geschmack hervor.(Foto: imago/Westend61)

Libido oder Läuse: Des Liebsten Kopf im Blumentopf

Von Heidi Driesner

Basilikum "macht entweder Feinde oder Liebende, dazwischen gibt es nichts", schrieb einst ein Kräuterkundler über das Kraut, das heutzutage auf fast jeder Fensterbank gedeiht. Den einen bringt es Lustgewinn, die anderen vertreiben damit Mücken.

Zum nunmehr und Gott sei Dank überstandenen Valentinstag, dem Freudentag aller Floristen, haben Sie garantiert Ihrer Angebeteten die obligatorischen roten Rosen mit nach Hause gebracht (aber hoffentlich die hässliche Folie vorher entfernt). Wie einfallslos! Es geht doch auch anders – und sogar wesentlich billiger. Ein Töpfchen Basilikum (auch Bio) gibt’s im Supermarkt immer und kostet wenig, so haben Sie mehr im Budget für den Schampus. Und es reicht sogar noch für eine einzelne langstiele Rose, wenn’s ohne gar nicht geht. Außerdem ist so ein Basilikumtöpfchen eine Investition in die Zukunft: Die Rosen sind nach spätestens einer Woche verwelkt, verströmen dann einen friedhofsähnlichen Geruch und landen deshalb im Müll, die Basilikumpflänzchen gedeihen mit ein wenig Pflege viele Wochen oder gar Monate auf dem Fensterbrett, erinnern mit ihrem würzigen Duft an ein Frühstück in Süditalien und lassen sich vielfältig und geschmacksbringend im Essen verwenden. Das mal so als Anregung für den nächsten 14. Februar, passt aber auch zum Geburtstag.

Auch bei mir steht immer ein Basilikumtopf am Küchenfenster.
Auch bei mir steht immer ein Basilikumtopf am Küchenfenster.(Foto: Driesner)

Damit Ihnen Ihre Herzensdame das Basilikum samt Topf nicht an den Kopf wirft, sollten Sie sich vor der feierlichen Überreichung mit ein wenig Basiswissen ausstatten. Mit Ihren Kenntnissen können Sie dann auch noch richtig angeben beim Dinner for two, aber hauen Sie nicht zu sehr auf den Putz, das könnte nach hinten losgehen. Auch wenn dem Basilikum eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt (oder angedichtet?) wird, fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus und vermeiden Sie tunlichst Sprüche wie "Basilikum wirft Jungfrauen um". Das war wohl in der Antike und im Mittelalter gang und gäbe, aber eine derart angemachte zeitgenössische Jungfer findet das vermutlich nicht sehr umwerfend, sondern wird Sie rauswerfen. Aber Sie müssen ja nicht alles ausplaudern und an die Frau bringen, was Sie wissen; es ist immer gut, ein paar Geheimnisse für sich zu behalten.

Basilikum stand in der Mythologie und im Glauben der Völker stets für sehr starke Gefühle, man hielt es sowohl für ein gutes als auch für ein böses Kraut. Der Name der Pflanze geht auf das griechische basilikós - königlich - zurück, natürlich wegen des edlen Duftes. So heißt es. Noch heute wird in Griechenland Basilikum als Glücksbringer benutzt. Für die alten Griechen und Römer war das "Königskraut" mitunter ein Heilmittel, vor allem aber ein Zaubermittel; der aromatische Duft sollte Zuneigung erwecken und aphrodisierend wirken. Eine Art Freibrief fürs Paradies war Basilikum in Indien, woher die Pflanze eigentlich stammt: Die Hindus pflanzten es um ihre Tempel und legten es den Toten auf die Brust, um böse Geister zu bannen. Von Indien kam das Basilikum über Persien nach Ägypten und Griechenland. Erst im Mittelalter bekam das Basilikum auch einen Platz in der Küche, als es von den Gewürzhändlern aus der Alten Welt nach Mitteleuropa gebracht wurde.

Gutes Kraut – böses Kraut

Ein einfaches, aber köstliches Mahl: Pasta mit Pesto.
Ein einfaches, aber köstliches Mahl: Pasta mit Pesto.(Foto: imago/Westend61)

Die antiken Griechen, die der Pflanze immerhin ihren Namen gaben, standen dem Basilikum recht zwiespältig gegenüber, denn es galt auch als Unglückskraut. Manche Ärzte glaubten, dass aus den Basilikumblättern Würmer und Skorpione wachsen, wenn man sie gehackt unter einen Stein legt, oder dass all jene, die Basilikum essen, von Läusen befallen werden. Darüber berichtet jedenfalls Plinius der Ältere (23-79). Der weitgereiste römische Naturforscher selbst war allerdings des Lobes voll über das Basilikum: Die Blätter seien gut für den Magen, helfen bei Ödemen und steigern die Libido. Heute wissen wir, dass Basilikum verdauungsfördernd, krampflösend und entwässernd wirkt. Und die luststeigernde Wirkung? Hängt möglicherweise mit der Verdauung zusammen, denn von einer guten Verdauung profitieren alle Organe. Dass Basilikum auch Mücken, Warzen und die eigene Traurigkeit vertreibe, muss man nicht glauben. Und einen wirksamen Schutz vor Hexen wie im elisabethanischen England brauchen wir doch nicht – oder? Nicholas Culpeper (1616 – 1654), Londoner Apotheker, Arzt und Astrologe, brachte das Für und Wider auf eine kurze Formel: Basilikum "macht entweder Feinde oder Liebende, dazwischen gibt es nichts".

Zuweilen wird behauptet, der Name komme nicht von basilikós, sondern von basiliscus, von dem Drachen, der mit einem einzigen Blick töten kann. Darüber spöttelte der italienische Arzt und Botaniker Matthioli (1501-1577): "... frage ich mich, wie es möglich ist, dass diejenigen, welche die Bestie gesehen und all diese Geschichten erzählt haben, nicht ebenfalls getötet worden sind". Auch wenn Matthioli weder die Geschichte mit dem Drachen noch die mit den Skorpionen glaubte, so hielt er dennoch wenig vom Basilikum, weil es "magenschädlich" sei. Falls Sie mit Ihrem nunmehr vertieften Wissen eine Frau begeistern wollen, sollten Sie die Sache mit den Würmern und den Läusen lieber für sich behalten, wenn die Dame Ihres Herzens eine Insalata Caprese mit Tomaten, Mozzarella und gezupften Basilikumblättern auftischt. Es sei denn, Sie seien auf der Flucht.

Auch die folgende Basilikum-Geschichte - obwohl aus dem "Dekameron" - ist bei einem Date oder bei Tische nicht unbedingt als Einstimmung geeignet, denn sie hat ein wenig Beigeschmack. Giovanni Boccaccio erzählt in einer seiner Novellen vom Schicksal der Lisabetta von Messina, die sich unsterblich in Lorenzo verliebte. "So geschah es denn, dass bei gleichmäßigem beiderseitigem Wohlgefallen sie binnen kurzem sicher zu werden anfingen und miteinander taten, wonach sie beide am meisten verlangten." Dieses Tun war allerdings unehelich, und so erschlugen Lisabettas drei Brüder den Lorenzo und verscharrten ihn. Der Ermordete erschien der trauernden Lisabetta im Traum und zeigte ihr die Stelle im Wald. Sie "hätte, wenn es möglich gewesen wäre, gern den ganzen Körper mit sich genommen, um ihn würdig zu begraben. Da sie aber einsah, dass dergleichen unmöglich war, trennte sie, so gut sie konnte, den Kopf mit einem Messer vom Rumpfe...". Lisabetta legte zu Hause den Kopf in einen schönen Blumentopf, schüttete Erde darüber, pflanze Basilikum hinein und begoss es "nicht anders als mit Rosen- und Orangenwasser oder ihren Tränen". Durch die Pflege, die vielen Tränen und vermutlich auch durch die Kopfdüngung (man verzeihe mir die schaurige Auslegung dieses gärtnerischen Begriffs) gedieh das Basilikum prächtig. Die gemeinen Brüder ahnten den Zusammenhang, nahmen den Topf weg, vergruben heimlich den Kopf und verschwanden ob ihrer ruchlosen Taten aus der Stadt. "Das Mädchen aber hörte nicht auf, zu weinen und nach dem Blumentopf zu verlangen, und starb in solcher Weise unter Tränen." Das an diesem schrecklichen Schicksal völlig unschuldige Basilikum ist möglicherweise von Boccaccio mit Absicht gewählt worden, denn im Mittelalter war ein Sträußchen Basilikumstängel gleichbedeutend mit einer Einladung zum Liebesspiel.

Das kann man von stachligen Rosen nun wahrlich nicht behaupten! Aber fallen Sie nicht gleich mit der Tür ins Haus resp. mit dem Basilikumtopf über die Schwelle, ein Schälchen Pesto tut’s vermutlich auch. Natürlich selbstgemacht! Pesto und Pasta sind wohl das klassische Duo der italienischen Küche, beides schmeckt frisch am besten. Wer Pesto erfunden hat, weiß niemand. Der Ursprung soll in Rom liegen, aber das berühmteste Pesto kommt aus Genua an der ligurischen Küste im Nordwesten der Toskana. Doch es gibt nicht das einzig wahre Pesto, denn auch in Ligurien hat jedes Haus "sein" Pesto-Rezept. Darüber hinaus findet das Grundverfahren, Nüsse mit Knoblauch, Kräutern und Hartkäse zu zerstampfen und mit Olivenöl zu verrühren, überall in Italien Anwendung.

Pesto alla Genovese

Zubereitung:

Zutaten (4 Pers):

1 Töpfchen Basilikum bzw. 2 dicke Bunde
3 Knoblauchzehen
50 g Parmesan
50 g Pecorino
50 g Pinienkerne
100 – 125 ml Olivenöl extra vergine
½ TL grobes Meersalz

Die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett goldgelb rösten und abkühlen lassen. Die Knoblauchzehen abziehen und grob hacken. Das Basilikum behutsam abbrausen und sehr gut abtrocknen. Die Blätter abzupfen. Beide Käsesorten würfeln.

Den Knoblauch mit dem Salz in einem großen Mörser zerstampfen. Die Pinienkerne dazugeben und weiter stampfen. Portionsweise die Basilikumblätter hinzufügen und weiter mörsern. Dann beide Käsesorten zugeben und weiter stampfen, bis die Zutaten gründlich vermengt sind.

Die Paste in eine Schüssel geben und nun das Öl langsam unterrühren, bis eine geschmeidige Sauce entstanden ist.

Die Pasta (zum Beispiel Linguine) al dente kochen, abgießen im Pesto wenden und sofort servieren. Das Pesto auch zu Gnocchi oder Ofenkartoffeln, gegrilltem Fleisch und Gemüse oder ganz einfach auf geröstetem Weißbrot. 

Tipp: Die Herstellung des Pestos geht mit dem Blitzhacker oder einer Küchenmaschine zwar wesentlich schneller, das Ergebnis ist aber meistens nicht überzeugend. Wenn Sie einen Mixer usw. benutzen, gehen Sie in der oben beschriebenen Reihenfolge vor. Unbedingt die Intervallschaltung benutzen und die Konsistenz ständig überprüfen. Wenn alles auf einmal und zu schnell gemixt wird, entsteht zwar eine schöne grüne - aber zu dünne - Flüssigkeit.

Es ist schwer zu sagen, wie viel Öl gebraucht wird, aber das Ergebnis sollte eine Sauce sein, dicklich wie eine Paste, dennoch ein wenig flüssig und "kernig" mit sehr kleinen Stückchen.

Pesto hält sich im Kühlschrank einige Zeit; dafür in ein Schraubglas füllen und etwas Olivenöl auf die Oberfläche gießen. Das wird nach einiger Zeit fest und kann vor der Verwendung des Pestos abgekratzt werden.

Viel Erfolg mit dem Basilikumtopf wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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