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Preußische WollustwurzelEnte mit Rübchen

14.06.2004, 16:47 Uhr

Alles, was aus der Rübensippe kommt, galt schon im alten Rom als potenzfördernd. Im märkischen Boden bei Berlin wächst ein besonders kleines und zartes Exemplar - das Teltower Rübchen.

Alles, was aus der Rübensippe kommt - egal, ob Zuckerrübe, Runkelrübe oder Rote Rübe (Rote Bete) gilt seit Plinius als eine die Liebeslust fördernde Nahrung. Oft mag vielleicht die Form der Rübe den Glauben und die Hoffnung an ihre Wirkung verursacht haben. Der römische Dichter Catull jedenfalls erzählte von einer Frau, die ihren Mann verließ, weil seine "Wollustwurzel" an ihm herabhing wie verwelkte Blätter an der Rübe. Nicht gerade ein freundlicher Vergleich!

Sei's drum, Rüben sind jedenfalls gesund. Im märkischen Sandboden bei Berlin, südlich des von der Spree durchflossenen Urstromtals gedeiht schon seit Jahrhunderten eine kleine helle Rübe. Wann und wo die ersten kleinen Speiserüben von diesem Boden gezogen wurden und ob sie eine Züchtung der Zisterzienser sind, bleibt im Dunkeln.

Erste Nachrichten über einen recht verbreiteten Anbau gibt es aus der Zeit des Großen Kurfürsten. Schon damals wurde eine besonders wohlschmeckende sehr kleine Rübe mit dem Namen der Stadt Teltow verbunden. Dieser Winzling war von Feinschmeckern sehr begehrt und wurde deshalb bis ins ferne Lissabon verschickt.

Zur Zeit Napoleons wurden die sieben bis zehn Zentimeter langen Rübchen in französischen Adelskreisen, wo man sie als "navets de teltow" bezeichnete, wegen ihres pikanten, leicht süßen Geschmacks sehr gelobt. In der Küche von Berlin und Brandenburg sind sie auch heute noch ein fester Bestandteil, zum Beispiel bei "Ente mit Teltower Rübchen":

Zutaten

1 küchenfertige Ente

300 g Teltower Rübchen

1 Möhre

2 Zwiebeln

1 Glas Portwein

1 Gewürznelke, 3 Pimentkörner

1 Sträußchen aus frischen Kräutern (Majoran, Thymian, Beifuß, Petersilie)

etwas Mehl, Öl

Zubereitung

Ente vierteln, salzen, pfeffern, mit Mehl bestäuben und in einem Bräter anbraten. Nelke, Piment und Kräuter dazugeben, etwas Wasser angießen und bei Mittelhitze 1 Stunde schmoren.

Bevor die Entenstücke gar sind, die Kräuter entfernen und die gesäuberten kleinen Rüben im Ganzen dazugeben. Möhre und Zwiebeln in Scheiben dazugeben. Weiter schmoren lassen, bis der Fond eingedickt ist und die Rübchen leicht braun geworden sind. Fleischstücke herausnehmen und warm stellen. Portwein und nochmals etwas Wasser (oder auch Entenfond aus dem Glas) angießen und zu Ende schmoren. Wer mag, kann noch 2 gehackte Sardellenfilets mitschmoren. Die Flüssigkeit zum Teil verdampfen lassen, damit die Soße recht kurz wird. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Entenviertel mit der Haut nach oben auf die Rübchen setzen und in der recht heißen Röhre nochmals erhitzen. Dazu schmecken Salzkartoffeln oder Kartoffelklöße.