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Statt mit Formeln zu rechnen, kann man auch in einen Glückskeks beißen.
Statt mit Formeln zu rechnen, kann man auch in einen Glückskeks beißen.(Foto: imago stock&people)

Keine Sonne, kein Geld, kein Spaß: Es kann nur besser werden

Von Heidi Driesner

Nein, den Weltuntergang haben Sie nicht schon wieder verpasst. Aber wenn Sie den vergangenen Montag unbeschadet überstanden haben, wird alles gut. Das Beste kommt nämlich noch, vor allem, wenn man selbst etwas dafür tut.

Der meistgehasste Wochentag ist vermutlich der Montag: Das schöne Wochenende mit viel Freizeit, Spaß und noch mehr Liebe ist vorbei, ab Montag heißt es wieder malochen. Das Gute daran: Jeder Montag hat ein Ende. Das Schlechte daran: Nach jedem vergangenen Montag steht ein neuer in den Startlöchern. Ein Tag dieser schlimmen Montage aber übertrifft alle anderen, doch den gibt es zum Glück nur einmal im Jahr. Das ist der 3. Montag im Januar: Das Konto am "Blue Monday" ist leer wegen der unsinnigen Weihnachtsgeschenke, die Hose kneift wegen der tagelangen Schlemmerorgien und der Sommer könnte nicht weiter entfernt sein – die Laune sinkt auf den Tiefstpunkt. Dieser Tag war in diesem Jahr der 18. Januar, schlimmer wird’s also nimmer; jedenfalls bis 2017, da müssen Sie dann ihr Stimmungstief auf den 16. Januar ausrichten, dank des diesjährigen Schaltjahres.

Essbare Gemeinheiten: Pechkekse sind ein bitterböses Pendant zum chinesischen Glücksgebäck.
Essbare Gemeinheiten: Pechkekse sind ein bitterböses Pendant zum chinesischen Glücksgebäck.(Foto: picture alliance / dpa)

Dass jeweils der 3. Januar-Montag der unglücklichste Tag im Jahr ist, der Tag, an dem der Winter-Blues unbarmherzig zuschlägt, ist nämlich "wissenschaftlich" errechnet worden. Keine Bange, Einstein war's nicht, dessen berühmte Formel  E = mc² den Zusammenhang zwischen Licht, Masse und Energie herstellt. Irgendwie um Licht, Masse und Energie, Zeit und Raum und den ganzen Relativitätskram geht es auch bei der "Arnallschen Unglücksformel". Berechnen kann man ja viel im Leben, da muss man weder Mathe-Genie noch Einstein sein, mal abgesehen von den Flächeninhalten bei Kreisen oder Quadraten. Berechnen lassen sich ziemlich flott die KfZ-Steuer oder die fruchtbaren Tage im Monat, der Body-Mass-Index oder das Minus auf dem Konto. Berechnung ist auch, wenn sich Mia-Marie für den Zahnarzt-Sohn Luca entscheidet anstatt für Felix, den Sohn einer alleinerziehenden Putzfrau, obwohl der ein Einser-Abitur hingelegt hat und auch noch besser aussieht als der picklige Luca.

Ein britischer Wissenschaftler hat sich irgendwann in seinem rastlosen Forscherdasein daran gemacht, den unglücklichsten Tag des Jahres zu errechnen. Kein Mathematiker oder Physiker wie Einstein, sondern ein Vertreter der Psychologie, der ja nicht ganz zu Unrecht nachgesagt wird, keine exakte Wissenschaft zu sein. Der Psychologe Cliff Arnall von der Universität Cardiff mixte üble Faktoren zu einem äußerst deprimierenden Cocktail: Wetter (W), Schulden (D), abzüglich des Januar-Gehalts (d), die Zeit seit Weihnachten (T), die Zeit, seit der die vielen guten Neujahrs-Vorsätze kläglich gescheitert sind (Q), das Motivationsloch, in dem man gerade steckt (M) und NA das Gefühl der Notwendigkeit, irgendetwas gegen das ganze Elend zu unternehmen. Herauskam die komplizierte Formel: [1/8W+(D-d)]x3/8TQ:MxNA. Ich habe, ehrlich gesagt, nicht nachgerechnet (höhere Mathematik war nie mein Fall). Auch lege ich für die richtige Wiedergabe der Formel nicht meine Hand ins Feuer; im Netz kursieren die unterschiedlichsten Varianten – das Unglück kommt schließlich auch ziemlich vielfältig daher.

Es lohnt sich selten, auf das Glück nur zu warten.
Es lohnt sich selten, auf das Glück nur zu warten.(Foto: imago stock&people)

Auf die einzelnen Formel-Glieder ist ebenfalls kein Verlass. In Berlin zum Beispiel  war am 18. Januar der Faktor W kein fieser, denn da herrschte eitel Sonnenschein, zumindest am Himmel. Was zeigt, dass alles relativ ist, nicht nur Einsteins Relativitätstheorie, sondern auch sämtliches Unglück, und sei es glatt von Mr. Arnall er- und berechnet worden. Kein Wunder also, dass der gute Mann selbst kaum an die Gültigkeit seiner Formel glaubt. In diesem Jahr hat er es nämlich vorgezogen, den Super-Depri-Tag auf den Kanaren zu verbringen. Angesichts Sonne und Lebenslust dürfte dort jeder Montag das Gegenteil eines Blue Monday sein und Arnall räumt ein, dass es auf den Kanarischen Inseln "angesichts der hellen, sonnigen Tage und der Energie, die die Vulkane und die belebende Natur verbreiten, unmöglich ist, sich deprimiert zu fühlen". Womit er höchst persönlich das Vermögen, Unglück berechnen zu können, ad absurdum führt.

Dem Vernehmen nach war ein britischer Reiseveranstalter Auftraggeber für die Rechnerei. Der Marketing-Gag sollte wohl den Lesern schlechte Laune suggerieren, die sie schnurstracks ins Reisebüro führt und zur Sommerurlaubsbuchung animiert. Das kennt man ja, zumindest frau: Kaufen (vornehmlich Schuhe) macht glücklich. Was einst als Publicity Kampagne begann, ist heute gängiger Begriff: Blue Monday. In Großbritannien verteilt an diesem Tag so mancher Supermarkt gratis Früchte, um die Kunden bei Laune zu halten. Selbst die Kirche schaltet sich ein: Die katholischen Bischöfe in England und Wales veröffentlichten im Internet eine Andacht, mit der depressive Menschen Gott um Seelenfrieden bitten können.

Glück kann man auch essen

Weltknuddeltag war übrigens am 21. Januar.
Weltknuddeltag war übrigens am 21. Januar.(Foto: imago/blickwinkel)

Nun ist der elendigste Tag des Jahres schon vorbei und wir haben keinen Grund, uns die Laune auch noch für den Rest des Jahres verderben zu lassen. Denn das Beste kommt ja noch: der glücklichste Tag des Jahres! Welch Wunder – auch den hat der schlaue Professor aus Cardiff "errechnet". Die Glieder der "Arnallschen Glücksformel" sind in diesem Fall die Möglichkeit, viel Zeit im Freien zu verbringen(O), die Natur an sich (N), soziale Interaktion (S), Kindheitserinnerungen an den Sommer (Cpm), Temperaturen (T) und die Vorfreude auf den Urlaub (He). Und so hat sich nach Berechnungen mit der Formel [(O+N)xS+Cpm]:T+He herausgestellt, dass der dritte Freitag im Juni jeweils der Tag mit der größten Glücklichkeitsrate ist. (Wie immer: Angaben ohne Gewähr!) Soziale Interaktion heißt natürlich nicht, dass der Prozess im Fußballstadion ablaufen muss, es genügt ein Partner zum Reden, Küssen, Agieren; Hauptsache, Sie sind nicht allein. Auftraggeber für das Erstellen einer Glücksformel soll übrigens ein Speiseeis-Hersteller gewesen sein ...

Was nun Wissenschaftler der Manchester Metropolitan University bewogen hat, sich mit dem Psychologen von der Cardiff Metropolitan University anzulegen (Konkurrenz oder Ice-Creme-Allergie?) sei mal dahingestellt, die Psychologen aus Manchester haben jedenfalls den letzten Januartag als den glücklichsten Tag des Jahres errechnet. Ihre Begründung: Das erste Gehalt des Jahres löst die Kontoverklemmung und beruhigt die Bank und über allem schweben frohe Gedanken an den kommenden Sommerurlaub. So viel zur "Wissenschaftlichkeit" von Unglück, Glück und diversen Berechnungen.

Natur und frische Luft machen glücklich, aber nicht dick.
Natur und frische Luft machen glücklich, aber nicht dick.(Foto: imago/Westend61)

Für welchen Tag Sie sich nun entscheiden - für den 31. Januar oder den 17. Juni - ist allein Ihre Angelegenheit: Hauptsache, Sie sind glücklich! Damit die Wartezeit nicht zu langweilig wird, essen Sie sich einfach glücklich, das geht immer. Gesund soll das Essen schon sein, aber nicht so gesund, dass es nicht mehr schmeckt. Denn der Genusseffekt ist vermutlich das, was am unmittelbarsten auf die Psyche wirkt. Schokolade ist zwar lecker und als Stresshelfer gut für die Nerven, aber schlecht für die Hüften, was ja wiederum zu schlechter Laune führt. Es gibt jedoch eine Menge andere und weitaus ungefährlichere Glücklichmacher – unter anderem:

- Hähnchenbrustfilet, das viel vom Wachmacher Tyrosin hat,
- Cashewkerne, die den Eiweißbaustein Tryptophan liefern, damit das Gehirn das Glückshormon Serotonin bilden kann,
- Chili, der uns "high" macht, weil seine Schärfe namens Capsaicin das Gehirn glücklich machende Endorphine ausschütten lässt,
- Ingwer, der durch sein Gingerol ähnlich wie Chili wirkt,
- Rapsöl, das mit seinen Omega-3-Fettsäuren dafür sorgt, dass genügend Tryptophan ins Gehirn geschleust wird.

Glückshuhn

Zutaten (2 Pers):

2 Hähnchenbrustfilets ohne Haut
1 Eiweiß
1 gehackte Chili-Schote
½ TL gehackter Ingwer
½ TL gehackter Knoblauch
2 EL gehackte Cashewkerne (naturbelassen)
2 TL flüssiger Honig
1 TL Zitronensaft
2 EL Rapsöl
Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Alle Zutaten - außer Fleisch, Cashewkernen und Eiweiß – für eine Marinade gut vermengen. Das gesäuberte Fleisch und die Marinade in einen Gefrierbeutel geben, leicht durchkneten und im Kühlschrank ein paar Stunden marinieren lassen.

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Das Eiklar mit einer Gabel verquirlen. Die gehackten Cashewkerne auf einem flachen Teller ausbreiten. Eine Auflaufform mit Alufolie auskleiden.

Das Fleisch aus der Marinade nehmen, etwas abtropfen lassen und mit der Oberseite durch das Eiweiß ziehen. Den Marinadenrest in die Alufolie geben. Das Fleisch mit der Eiklar-Seite in die Nüsse drücken, mit dieser Seite nach oben auf die Alufolie legen und die Nüsse etwas andrücken; die Folie nicht verschließen. Die Form in den Ofen schieben und alles 15 bis 20 Minuten backen.

Am besten schmecken die Filets, wenn sie auf Blattspinat oder Mangoldgemüse serviert werden.

Bleiben Sie glücklich! Das wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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