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Samstag, 31. März 2012

Auf dem Weg zum Flexitarier: Häschen hoppelt weiter

Ostern steht vor der Tür, und falls das Grill- und Biergartenwetter der vergangenen Tage uns im Stich lässt, muss man Österliches wie Eiersuchen und Festmahl doch wieder in die gute Stube verlegen. Der kluge Mann baut vor (die kluge Frau sowieso) und hat einen Plan B.

Mein Favorit für kalte Ostern ist eigentlich Lammkeule, aber als ich jetzt bei Bauer Pompe war und die Lämmer lustig auf der Weide herumspringen sah, plagte mich umgehend mein schlechtes Gewissen. Ich gehöre auch nicht zu den "hartgesottenen" Gemütern, die zu Ostern Hasen- oder Kaninchenbraten auf den Tisch bringen: Doch nicht Meister Lampe!!!

So blieb es auf dem Bauernhof beim Eierfassen und während der Rückfahrt nach Berlin beim krampfhaftem Nachdenken über das erste vegetarische Osterfest meines Lebens.

Jeder eingesparte Bissen rettet

Wer kann bei diesem Anblick an die Pfanne denken?
Wer kann bei diesem Anblick an die Pfanne denken?(Foto: Péronne vd Ham_pixelio.de)

Aus mir wird zwar kein Vegetarier, aber ich werde meinen Fleischkonsum einschränken. Bei meiner Mutter kam schließlich auch nicht jeden Tag Fleisch und Wurst auf den Tisch - und ich bin auch groß geworden! Nach Berechnungen des Vegetarierbundes verspeist jeder Deutsche im Laufe seines Lebens statistisch gesehen und unter Einbeziehung von Fleischverarbeitungsprodukten wie Wurst und Schinken 1094 Tiere: 4 Kühe oder Kälber, 4 Schafe, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Puten, 46 Schweine und 945 Hühner. Würde jeder wöchentlich nur einen einzigen fleischfreien Tag einlegen, blieben jährlich 157 Millionen Tiere von der Schlachtbank verschont. Sie müssten gar nicht erst für den menschlichen Verzehr gemästet werden - und das zumeist möglichst schnell, nicht artgerecht und unter Einsatz von Medikamenten. Zudem bringt die Erzeugung tierischer Lebensmittel negative Konsequenzen für die Umwelt mit sich: 18% der weltweiten Treibhausgase sind auf die Produktion von Fleisch, Fisch und Milch zurückzuführen – mehr als alle Transport- und Verkehrsabgase zusammen.

Auch für die eigene Gesundheit bringt ein fleischloser Tag Gutes, wenn der Fleischesser auf mehr Gemüse und Obst umsteigt, wovon bekanntermaßen in Deutschland viel zu wenig konsumiert wird. Zu viel Fleisch auf dem Speisezettel gilt als eine der Hauptursachen für den Anstieg von Herzkreislaufkrankheiten, hohem Cholesterin und Übergewicht.

Donnerstag ist Veggietag

Der weltweit erste fleischfreie Wochentag wurde 2009 in der belgischen Stadt Gent eingeführt. Dabei geht es nicht darum, den Fleischkonsum zu vermiesen, vielmehr sollen gesunde und spannende Alternativen aufgezeigt werden.

Mittlerweile bieten die öffentlichen Schulen donnerstags das Tagesmenü vegetarisch an, in den 1500 Restaurants der Stadt wächst das Angebot vegetarischer Speisen stetig. Vegetarische Kochkurse gibt es für Profis und für Hausfrauen und -männer. Für "Donderdag Veggiedag" (Donnerstag ist Veggietag) bekamen alle 5000 Angestellten Gents einen vegetarischen Stadtplan in die Hand gedrückt. Auch Kommunen in Schweden und der Schweiz, den USA und Großbritannien, Südafrika und Brasilien wandten sich an ihre Bürger, an einem Tag in der Woche kein Fleisch auf den Tisch zu bringen.

Im Dezember 2009 und Februar 2010 hat der Vegetarierbund Deutschlands (VEBU) die Bürgermeister der 100 größten Städte Deutschlands angeschrieben. Die Resonanz reichte von zurückhaltender Zustimmung über Nichtreagieren bis Ablehnung. Bremen führte als erste deutsche Stadt den fleischfreien Donnerstag ein. Seit Januar 2010 werden die Bremer am "Veggiday" dazu angeregt, sich zum Schutz des Klimas und zur Förderung ihrer eigenen Gesundheit vegetarisch zu ernähren.

Bei dieser Häschen-Mode sollte es Ostern nicht zu kalt sein.
Bei dieser Häschen-Mode sollte es Ostern nicht zu kalt sein.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Was so simpel klingt - einmal in der Wochen kein Fleisch - ist in der Umsetzung nicht einfach. Eingefleischte Fleischesser empörten sich, man lasse sich doch das Fleisch nicht verbieten! Dabei geht es nicht um Verbot, sondern nur um einen kleinen persönlichen Verzicht, der aber in der Masse Großes bewirken kann. Immerhin folgten dem Bremer Vorbild bis Februar dieses Jahres Magdeburg, Schweinfurt, Wiesbaden, Deggendorf, Rotenburg, die Nordseeinsel Juist, Bad Hersfeld, Freiburg, Hannover, Dinslaken, Düren, Köln, Münster, Karlsruhe, Straubing und Ingolstadt.

An der Initiative beteiligen sich Kantinen, Mensen, Restaurants und Geschäfte. In Schulen, Kindergärten und Senioreneinrichtungen, an Universitäten, in Behörden und Unternehmen ist donnerstags das Tagesmenü fisch- und fleischlos. Broschüren und Aktionen informieren über Sinn und Zweck dieses Beitrags für Umwelt- und Klimaschutz und die Gesundheit. Im beschaulichen niederbayerischen Deggendorf beteiligt sich sogar die Metzgerinnung am Veggietag!

Menschen, die bewusst ihren Fleischkonsum reduzieren, nennt man "Flexitarier". Und steht Fleisch auf dem Speisezettel, greift der Flexitarier zu Bio-Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft und artgerechter Tierhaltung. Das hilft nicht nur der Umwelt, sondern schmeckt auch noch besser!

Für Haut und Hirn

Eines der von Vegetariern bevorzugten Lebensmittel sind Nüsse. Nüsse sind kleine Kraftpakete und bei Diät-Künstlern als "Dickmacher" verschrien. Sie enthalten tatsächlich viele Proteine und Fett. Es handelt sich dabei aber um "gutes Fett" - viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die die Blutgefäße gesund halten und das Herz schützen. Zudem weisen Nüsse Mineralien (Magnesium, Kalium, Kalzium und Phosphor) sowie Vitamine (E und  Vitamin B-Komplex) auf. Sie sind tatsächlich gut als "Studentenfutter" zu gebrauchen, erhöhen sie doch die Konzentration und Lernfähigkeit, stärken Gedächtnis und Nervenfunktion.

Was wir allgemein als Nüsse bezeichnen, sind eigentlich gar keine. Botanisch gehören Cashewkerne, Paranüsse, Mandeln, Pistazien und Macadamia-Nüsse zu den Steinfrüchten und sind verwandt mit Kirschen und Pfirsichen. Und die Erdnuss gehört wie Bohnen und Linsen zu den Hülsenfrüchten.

Die eigentliche Frucht, "Elefantenlaus" genannt, sitzt an einem gewaltigen Fruchtstiel und enthält die Cashewkerne.
Die eigentliche Frucht, "Elefantenlaus" genannt, sitzt an einem gewaltigen Fruchtstiel und enthält die Cashewkerne.(Foto: Abhishek Jacob/India, cc-by-sa)

Auch der Schönheit sind Nüsse zuträglich. Vor allem das Anti-Aging-Vitamin E bremst den vorzeitigen Alterungsprozess der Haut . Cashewnüsse haben besonders viel davon. Das Fett der Cashewnüsse besteht zu 82 Prozent aus ungesättigten Fettsäuren, wie dies auch bei Mandeln und Olivenöl der Fall ist. Alles in allem verdient die Cashewnuss, die bei uns in der Beliebtheit den "echten" Nüssen wie Wal- und Haselnüssen hinterherhinkt, viel mehr Beachtung - zumal sie sich nicht nur als gesunde Knabberei, sondern wegen ihres subtilen Geschmacks auch als Ersatz von Fleisch in zahlreichen Gemüse-, Reis- und Teigwarengerichten eignet.

Nicht nur als "Brainfood", sondern durchaus auch als Mittelpunkt einer österlichen Festtafel geeignet ist eine

Cashew-Pastete

Zubereitung:

Zutaten Pastete (6 Personen)

225 g Cashewnüsse
ca. 1/2 Weizenkastenbrot
100 g Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
30 g Butter
2 Eier
150 ml Milch
1 Bio-Zitrone
frischer Majoran
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Die Schale der Zitrone abreiben. Majoranblättchen abzupfen und fein hacken; benötigt wird 1/2 TL davon. Die Cashewkerne in der Küchenmaschine fein zerkleinern und das Kastenbrot reiben, so dass 100 g frische Semmelbrösel entstehen.

Das Nussmehl und die Semmelbrösel mischen. Die fein gehackten Zwiebeln in der Butter goldbraun braten, dann den feingehackten Knoblauch zugeben, aber nur kurz mitbraten, so dass er nicht braun wird; er schmeckt dann bitter. Die Zwiebelmischung zu den Bröseln in die Schüssel geben.

Eier, Milch, Zitronenabrieb, Majoran sowie Salz und Pfeffer verquirlen. Zu der Nuss-Zwiebel-Mischung geben und alles gut verrühren.

Zutaten Füllung

100 g Zwiebeln
225 g rote Paprikaschoten
25 g Butter
100 g Edamer
1 Ei
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Für die Füllung 1 Ei verquirlen und den Käse grob raspeln. Die Zwiebeln fein hacken und die entkernten Paprika in Streifen schneiden; beides in der Butter fast weich garen. Die Masse soll aber keine Farbe annehmen. Kräftig mit Pfeffer und Salz abschmecken. Vom Feuer nehmen und mit dem Käse und dem verquirlten Ei binden.

Eine große Kuchen-Kastenform mit Backpapier auskleiden und die Hälfte der Nussmasse auf den Boden geben, etwas an den Wänden ringsum hochziehen und andrücken. Die Füllung daraufgeben und mit der restlichen Nussmischung bedecken. Im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen etwa 40 Minuten backen, bis die Pastete fest ist.

Komplettiert mit Sauce Béarnaise und Mandel-Brokkoli ergibt das ein wohlschmeckendes Festmahl. Und falls das Wetter wider Erwarten ins Freie lockt: Die Pastete schmeckt auch kalt vorzüglich. Viel Erfolg auf dem Weg zu neuer Bescheidenheit wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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