Essen und Trinken

Einmal ist keinmalKein Herrentag ohne

04.05.2005, 02:00 Uhr
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Zünftig im Mai: Eine Bowle mit Waldmeister. (Foto: imago stock&people)

Landläufig ist wohl Bier das übliche Getränk zum "Herrentag", aber da bringt man sich ja um die Freude des Selbermachens. Außerdem wächst im Mai ein verlockendes Kräutlein.

Auch Dichter und Denker verstanden sich auf Maibowle. Theodor Fontane gab im "Schach von Wuthenow" ganz konkrete Hinweise zur Zubereitung, Wilhelm Busch war schon als 18-jähriger Kunststudent in Düsseldorf vom "Maiwein" angetan und seufzte später: "Doch das ist nun vorbei! Vorüber ist der schöne Mai!" Und Friedrich Engels gar genoss das Gesöff sogar außerhalb des Wonnemonats Mais und braute es gemeinsam mit Luise Kautsky an einem nebligen Novembertag des Jahres 1892 aus getrocknetem Waldmeister, Moselwein, Rotwein und Champagner.

Maibowle soll schon 854 von einem Benediktiner-Mönch kredenzt worden sein. Unverzichtbarer Bestandteil sind nach wie vor Waldmeister, Weißwein und Sekt. Es gibt unzählige Variationen dieses Grundrezepts - mit Apfelsaft, Cidre oder weißem Traubensaft statt Weißwein, mit Mineralwasser oder Bier statt Sekt, mit Erdbeeren, Pfirsichen, Aprikosen, Bananen, Birnen, mit Blättern von Schwarzer Johannisbeere, Pfefferminze, Estragon, Pimpinelle, Thymian oder Salbei. Das alles kann, muss aber nicht sein. Doch Waldmeister MUSS immer dabei sein.

Waldmeister auch als Maikraut, Waldmännchen, Leberkraut und Herzfreude bekannt, wächst von Ende April bis in den Juni in schattig-feuchten Laub- und Mischwäldern. Einmal im Garten angepflanzt, vermehrt er sich meist wie Unkraut, wenn er nicht zu trocken steht.

Waldmeister wird vor der Blüte gepflückt. Verantwortlich für den typischen Waldmeisterduft ist Cumarin. Der Geruch erinnert auch an frisch gemähtes Gras oder an Heu, denn Cumarin findet sich auch in einigen Kleearten. In geringeren Mengen wirkt Cumarin euphorisierend und lindert Kopfschmerzen. In der Volksmedizin wird die krampflösende, blutverdünnende, leicht schmerzstillende, entzündungshemmende sowie leber-, herz- und venenstärkende Wirkung von Waldmeister-Wein beschrieben.

Höher dosiert, verursacht er jedoch Schwindel und Kopfschmerzen. Da Cumarin in starker Dosierung toxisch wirkt, sollten die Enden der Stiele nicht in die Bowle kommen; der Anteil von Waldmeister sollte 3 g pro Liter nicht überschreiten. Cumarin steht auch im Verdacht, bei längerer Anwendung Leberschäden zu verursachen. Das führte 1981 zum Verbot, Cumarin als Aromastoff Lebensmitteln zuzusetzen.

Doch keine Bange, in der Maibowle ist Cumarin viel zu verdünnt, um toxisch zu wirken. Eher stellen sich die Kopfschmerzen vom Alkohol in der Bowle ein als vom Cumarin. Daher sehen auch Ärzte im vereinzelten Genuss von "Maibowlen" keine Gefahr: Denn einmal ist keinmal.

Zutaten

1 kleines Sträußchen Waldmeister

2 Flaschen trockener Weißwein

1 Flaschen Sekt

Zubereitung

Den gut gekühlten Weißwein in ein Bowle- oder ein anderes geeignetes Gefäß gießen. Den Waldmeister leicht anwelken lassen - so soll er sein Aroma am besten entfalten - die Stiele mit einem langen Faden zusammenbinden und das Sträußchen so in den Wein hängen, dass nur die Blätter, nicht die Stängel eintauchen. Maximal eine Stunde ziehen lassen. Dann das Kräutersträußchen entfernen. Unmittelbar vor dem Genuss mit dem gut gekühlten Sekt auffüllen.

Varianten zu diesem Grundrezept: Außer Waldmeister noch ca. 20 Blätter von Schwarzer Johannisbeere und je 3 Blätter von Pfefferminze, Estragon, Pimpinelle, Salbei und 1 Zweiglein Thymian verwenden. Manchen ist die Maibowle ohne Zucker zu "sauer" - bei Bedarf also etwas (je weniger, desto besser!) süßen, am besten mit flüssigem Bar-Zucker.

Einen von Spätfolgen ungetrübten Trinkgenuss wünscht Ihnen Heidi Driesner.