Unterhaltung
Schön, aber gefährlich: Eine dicke Gewitterwolke über Brandenburg.
Schön, aber gefährlich: Eine dicke Gewitterwolke über Brandenburg.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 14. Juli 2012

Ungeziemende Gluten der Begierde: Lass es beben, Baby!

Von Heidi Driesner

Über den Sommer, der keiner ist, haben wir zur Genüge lamentiert, dabei ist das völlig unproduktiv, denn ändern können wir‘s ja doch nicht. Sommer, Sonne, Sex - mehr Sonne heißt mehr Lust, das weiß doch jeder. Was aber, wenn die Sonne fehlt? Bekommt dann unsere Lust kalte Füße? Weit gefehlt, denn eine Handvoll "Bräutigamskörner" sorgt für Hitze.

In diesem sogenannten Sommer kommt Rudi Carrells Sehnsuchtsseufzer "Wann wird's mal wieder richtig Sommer" zu neuen Ehren. Gerade habe ich drei dicke Gewitter, zwei davon mit Hagel und Sturm, über mich ergehen lassen müssen, der Rasen ist weiß, der Strauch vor meinem Fenster nur noch zwei Drittel so hoch, die Katze hat sich unterm Bett verkrochen. 10,3 Grad Celsius zeigt das Thermometer an der Hauswand. Missmutig gehe ich in die Küche und koche einen Tee (mit Rum!), draußen taut‘s. Sommer 2012.

Nicht nur Gummitiere haben's bei dem Wetter schwer, auch Gefühle.
Nicht nur Gummitiere haben's bei dem Wetter schwer, auch Gefühle.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es gibt genügend Studien, die uns erklären, wie die Zusammenhänge zwischen einer höheren Sonnenscheindauer und gesteigertem Lustempfinden funktionieren. Nicht nur Laune und Gedächtnis bekommen durch den Umsatz des Glückshormons Serotonin im Gehirn einen Auftrieb, sondern auch der Trieb an sich. Der  Mensch ist bei Sonnenschein insgesamt ausgeglichener und leistungsfähiger. 

Was aber ist mit Sex, wenn sonnenlos Dauerzustand ist? Bleibt die Liebe dann auf der Strecke? Eine Monatskarte fürs Sonnenstudio bringt eh‘ nur etwas dem Studiobetreiber und später möglicherweise dem Dermatologen. Und außerdem: Nicht jede(r) steht auf Leder.

Pfeffer macht glücklich

Unsere Ahnen gingen Jahrhunderte lang davon aus, dass scharf macht, was scharf ist. Und so griff man hoffnungsvoll zu Aphrodites Gaben - und damit meist tapfer tief in die Gewürztöpfe. Auf dem Weltmarkt werden etwa 20 Pfeffersorten gehandelt, die territorial unterschiedliche Bedeutung haben. In Europa kennen wir in der Regel schwarzen, weißen, grünen und mitunter auch den echten roten Pfeffer. Pfeffer ist das meistgebrauchte Gewürz der Welt; es macht schwere Speisen leichter verdaulich, wirkt Appetit steigernd und regt die Speichel- und Magensaftproduktion an. Das scharfe Gewürz fördert aber nicht nur die Verdauung, sondern auch die Ausschüttung der Endorphine.

Typisch für das Aussehen des Kubebenpfeffers ist sein "Schwänzchen".
Typisch für das Aussehen des Kubebenpfeffers ist sein "Schwänzchen".(Foto: w.r.wagner_pixelio.de)

In Afrika und Asien gehört heute noch der bei uns eher unbekannte Kubebenpfeffer zum Würzstandard. Früher galt er in Europa als Ersatz für den "echten" schwarzen Pfeffer oder diente zum Strecken des exotischen Gewürzes, geriet aber in Vergessenheit, nachdem schwarzer Pfeffer zum Allerweltsgewürz wurde. Zu Unrecht! "In India werden Kubeben sehr gebrauchet, die eheliche Werck damit zu erreitzen, wann man sie in Wein beitzet und davon trinket", wusste der Arzt und Botaniker Jacobus Theodorus Tabernaemontanus im 16. Jahrhundert zu berichten. Und die Inder schwören noch heute auf ihre Kubeben. Offenbar auch in deutschen Landen wurden Kubeben anno dunnemals wohl "sehr gebrauchet", wovon die mitunter gebräuchliche Bezeichnung "Bräutigamskörner" zeugt. Der Name "Schwanzpfeffer" lässt ähnliches vermuten, deutet aber lediglich darauf hin, dass die schwarzen Beeren einen kleinen Stiel haben.

Video

Kubeben (Piper cubeba) ähneln schwarzen Pfefferkörnern, sind aber ein bisschen größer und haben die schon erwähnte stielartige Fruchtbasis. Sie unterscheiden sich allerdings im Geschmack: Kubebenpfeffer verströmt einen eigentümlichen Geruch, der ein wenig an Kampfer oder Harz erinnert. Das Aroma ist pfeffrig-zitronig, leicht bitter. Beim Kochen wird der Geschmack milder und hat einen Anklang von Nelkenpfeffer (Piment). Aus arabischen Gewürzmischungen, zum Beispiel Ras el-Hanout, sind Kubeben nicht wegzudenken.  Lamm- und Wildspeisen, deftige Suppen, Getreidegerichte und Gemüseragouts bekommen durch Kubebenpfeffer einen kräftigen, frischen Geschmack. Der von den indonesischen Inseln stammende Pfeffer harmoniert mit Lorbeer und Rosmarin, Salbei, Zimt oder Kurkuma. Beim Dosieren muss man ein wenig probieren, weniger ist besser als zuviel, weil sonst nämlich die Bitternote das ganze Essen dominiert.

Kubebenpfeffer bekommen Sie nicht im Supermarkt an der Ecke, dennoch ist es kein Problem, seltene Sorten wie Kubeben oder Langpfeffer zu erhalten - wozu gibt es das Internet?

Die einen sagen so, die anderen so

Die indische Volksheilkunde setzt Kubeben nicht nur zur Förderung der "ehelichen Werck" ein, sondern auch gegen Kopfschmerzen, Blasenentzündung, Bronchitis und noch einige andere Leiden. Wer den Nadelbaum-ähnlichen bitter-scharfen Geschmack nicht scheut, kann auch die ganzen Körner kauen, das soll Stress und Angst abbauen und zur sportlichen und geistigen Leistungssteigerung beitragen. Aber Vorsicht: Höhere Dosen können Erbrechen und Magenschmerzen verursachen.

Der Schrein mit den Gebeinen der Hl. Hildegard von Bingen in der Pfarrkirche von Eibingen.
Der Schrein mit den Gebeinen der Hl. Hildegard von Bingen in der Pfarrkirche von Eibingen.(Foto: Wikipedia)

Auch Hildegard von Bingen kannte und nutzte Kubebenpfeffer, allerdings nicht wegen seiner erotisierenden Wirkung wie in Indien. Sie war offenbar eher vom Gegenteil überzeugt und sprach ihm eine ausgleichende und erhellende Wirkung zu: "Die Kubebe ist warm, und jene Wärme hat die richtige Mischung in sich, und sie ist auch trocken. Und wenn jemand Kubebe isst, wird jene ungeziemende Begierde, die in ihm ist, gemäßigt. Aber sie macht auch seinen Geist fröhlich und macht seinen Verstand und sein Wissen rein, weil die nützliche und gemäßigte Wärme der Kubebe die ungeziemenden Gluten der Begierde, in denen stinkende und schlammige Flüssigkeiten verborgen sind, auslöscht, und den Geist des Menschen und seinen Verstand macht sie erhellend klar."

Ob Sie nun dem Jacobus oder der Hildegard glauben - Versuch macht schlau. Irgendeine Wirkung wird die Kubebe schon haben - so oder so. Und damit die Laune noch besser wird, kombinieren wir den Kubebenpfeffer auch noch mit "fröhlichen" Hülsenfrüchten:

Kichererbsenragout

Zutaten (4 Pers):

300 g trockene Kichererbsen
300 g Tomaten
3 Möhren
3 Stangen Sellerie
1 große Zwiebel
1 grüner Gemüsepaprika
1 Knoblauchzehe
2 EL Olivenöl
Gemüsebrühe, Kurkuma, Meersalz, Kubebenpfeffer, gehackte Blattpetersilie

Zubereitung:

Die Kichererbsen in kaltem Wasser waschen und über Nacht einweichen. Am Tag der Zubereitung das Einweichwasser abgießen und die Kichererbsen vor dem Kochen noch einmal gründlich abspülen. In kaltem Wasser ohne Salz ansetzen, zum Kochen bringen und dann auf kleiner Flamme köcheln lassen. Das kann je nach Alter der Kichererbsen bis zu 2 Stunden dauern. Weichen Sie die Kichererbsen 24 Stunden lang ein, verkürzt sich die Kochzeit auf etwa eine Dreiviertelstunde. Noch schneller geht es im Schnellkochtopf.

Tipps:

- Nicht-Vegetarier braten vor den Zwiebeln zusätzlich 200 g Cabanossi in Scheiben an.
- 3 EL Rosinen und 1 Stange Zimt statt Knoblauch zum Würzen nehmen.
- Weniger Gemüsebrühe zum Zugießen nehmen, dafür 1 Glas Orangensaft.
- Für mehr Schärfe 2 bis 3 TL Harissa zugeben.

Kichererbsen abgießen und abtropfen lassen. Die Tomaten blanchieren, häuten und würfeln. Die Paprikaschote entkernen und würfeln. Den Knoblauch fein würfeln. Möhren und Stangensellerie in feine Scheiben schneiden.

Die Zwiebel würfeln und in dem heißen Öl anrösten, Möhren- und Selleriescheiben sowie die Paprikawürfel dazugeben und einige Minuten mitrösten. Nun die Tomaten- und die Knoblauchwürfel dazugeben, aufkochen, umrühren, und mit etwas Gemüsebrühe ablöschen. Die abgetropften Kichererbsen dazugeben. Das Ragout mit Meersalz, Kurkuma und frisch gemahlenem Kubebenpfeffer kräftig abschmecken und etwa 15 Minuten köcheln lassen. Dabei nach Bedarf noch etwas Gemüsebrühe zugeben. Zum Schluss die gehackte Petersilie unterrühren und servieren.

Viel Spaß und gute Laune auch ohne Sonne wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen