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Ach, könnte doch jeder Tag so beginnen!
Ach, könnte doch jeder Tag so beginnen!(Foto: Dr. Stephan Barth_pixelio.de)
Samstag, 08. März 2014

Lebenselixier für Genießer: "Liebling, der Kaffee ist fertig!"

Von Heidi Driesner

Genussmittel und Arznei, und das alles in einer Tasse. Bequemer geht’s nicht. Jeder schlürft das schwarze Gebräu auf seine Weise; was einst spießig war, ist inzwischen wieder hip. Wie immer und überall im Leben gilt: Übertreiben sollte man nicht.

Wenn ein warmes, nussiges Aroma aus der Küche Richtung Schlafzimmer zieht, der Ruf "Liebling, der Kaffee ist fertig!"zum Aufstehen verleitet oder einem gar Kaffee nebst frischem Butterbrötchen ans Bett gebracht wird, dann, ja dann ist Sonntag! Dieser Kaffee ist ein ganz anderer als der übliche Morgenkaffee in der Woche, hastig vor dem Weg zur Arbeit hinuntergestürzt. Obwohl die gleichen Bohnen, dieselbe Maschine – der Sonntagskaffee hat was, er ist Ritual, Genuss pur: Ein schöner Tag kann beginnen.

Einfach gut: Kaffee zum Wachmachen, zum Durchhalten, zum Abschalten.
Einfach gut: Kaffee zum Wachmachen, zum Durchhalten, zum Abschalten.(Foto: imago/Russian Look/Fotoimedia)

Der schwarzbraune Kick am Morgen, auch zwischendurch in der Woche auf der Arbeit, am Nachmittag nach der Arbeit, sonntags mit Kindern und Kuchen, fast überall und immer ist Kult und so beliebt wie nie. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes trinkt jeder Deutsche im Schnitt einen halben Liter Kaffee am Tag. Das sind fast 30 Prozent mehr als EU-Bürger durchschnittlich genießen.

Jede der Zubereitungsarten hat ihre Fans und ihre Kritiker. Ob klassischer Filterkaffee wie ihn die Oma schon machte, nämlich per Hand gefiltert, oder von einer fauchenden und spuckenden Maschine hergestellt, ob türkisch oder französisch, Espresso, Latte oder Crema, Pad oder Kapsel – das ist für den Kaffeeliebhaber eine echte Glaubensfrage, ebenso wie die Röstung: Hell oder dunkel? Skandinavisch oder italienisch? Säurebetont oder kräftig? Der internationale Trend geht zur hellen, skandinavischen Röstung. Das ist allerdings nicht jedermanns Magen bekömmlich, denn die Bohnen werden kürzer geröstet und der daraus entstehende Kaffee ist besonders aromatisch, aber auch säurebetonter. Übrigens geben die meisten Espresso-, Pad- oder Kapselmaschinen ebenfalls ziemlich abstoßende Röchelgeräusche von sich. Daran sollte die Kaffeeliebe jedenfalls nicht scheitern. Neugierige Kaffeefans blicken selbstverständlich über den eigenen Tassenrand und probieren auch Unbekanntes - mal mit Schuss, mal mit Ei.

Einst oll, heute hip

Von Hand gefilterter Kaffee ist in.
Von Hand gefilterter Kaffee ist in.(Foto: imago stock&people)

Dem lange Zeit als spießig verschrieenen Filterkaffee widerfährt derzeit das, was vor ihm bereits Rauke, Pastinake und Bäckerbrötchen (die kein Vorleben als Teiglinge hatten), passiert ist: Er ist wieder in! Wie bei der Rauke, die schon in der Antike und im Mittelalter auf die Teller kam, aber erst als Rucola mit italienischem Touch ein Comeback erlebte, kommt Omas Handgebrühter als "brewed coffee" über den großen Teich geschippert und auch hierzulande zu neuen Ehren. Der moderne Filterkaffee hat nichts mehr mit der schwarzen Brühe zu tun, der in Küchen und Büros auf der Heizplatte der Kaffeemaschine warmgehalten wurde, bis er fettig aussah und wie Erdöl schmeckte. Brewed coffee wird zelebriert, die Filtergestelle sehen zum Teil futuristisch aus. Die Show dauert ein Weilchen, ist also nichts für den schnellen Morgenkaffee montags bis freitags.

Brewed coffee wird natürlich in brew bars getrunken, nicht im popligen Café. Es gibt auch in Berlin schon einige dieser Hipster-Bars. Wie die Röstung Geschmackssache: Wer gemütlich Kaffee trinken will und wer sich nicht am Biederen, Plüschigen eines Kaffeehauses stört, sondern die "Wiener Atmosphäre" höchst amüsant findet, ist in einer brew bar fehl am Platze. Mir jedenfalls geht es so, aber das liegt vielleicht am Alter. Auch ist mir Skandinavien als Reiseregion lieb und teuer, in der Tasse mag ich’s lieber italienisch. Aber wie gesagt: Geschmackssache.

Regelmäßig und maßvoll

Lange Zeit hatte Kaffee ein gesundheitsschädliches Image, das ist längst vorbei. Im Gegenteil: In Maßen genossen soll Kaffee sogar gewisse Schutzeffekte für den Körper haben. Herauszufinden, welche Substanzen gesundheitsfördernd wirken, ist nicht ganz einfach. In jedem Schluck Kaffee schwimmt ein Gemisch aus mehr als 1000 Stoffen. Dieser Mix hängt von der Sorte ab, vom Anbaugebiet und von der Erntezeit.

Der bekannteste Inhaltsstoff des Kaffees ist das Koffein. Dieses Purin-Alkaloid ist 1820 von dem deutschen Apotheker und Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge erstmals isoliert worden und seit einigen Jahren Gegenstand intensiver Forschungen, um den vielfältigen Wirkungen auf die Spur zu kommen. Koffein ist auch in Tee, Cola, Mate, Guarana, Schokolade und Energy Drinks enthalten und die weltweit am häufigsten konsumierte pharmakologisch aktive Substanz. Ohne "Koffein-Schock" am Morgen fällt es vielen Menschen schwer, in den Tag zu starten. Wohl kaum jemand denkt dann daran, dass Koffein eigentlich ein Nervengift ist und in sehr hohen Dosen tödlich wirken kann. Die letale Menge für einen Menschen liegt bei 10 Gramm Koffein, das entspricht etwa 100 Tassen Kaffee. Eine solche Menge konsumiert zum Glück niemand, aber jeder, der schon mal fünf Tassen Kaffee oder mehr in kurzer Zeit getrunken hat, erinnert sich an Händezittern und Nervosität. Bei langfristiger Aufnahme hoher Dosen Koffein können Angstgefühle, Schlafstörungen, Bluthochdruck sowie Magen-Darm-Beschwerden auftreten. "Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei", wusste schon Paracelsus.

In mäßiger Konzentration genossen, entfaltet das Koffein seine wohltuende Wirkung: Es wirkt anregend auf die Psyche, steigert Stimmung, Antrieb und Konzentration, beseitigt Müdigkeit.

Das Koffein ähnelt chemisch dem Adenosin und besetzt dieselben Rezeptoren im Gehirn. Adenosin ist ein körpereigener, schlaffördernder Stoff. Das Koffein drängelt sich vor, so dass das Adenosin nicht andocken kann – die Müdigkeit ist wie weggeblasen. Allerdings braucht der Kaffee etwa eine halbe Stunde, um seine Wirkung als Wachmacher zu entfalten. Weil aber die durchblutungsfördernde Wirkung im Gehirn schon einsetzt, kann Kaffee in den ersten 30 Minuten nach dem Genuss sogar müde machen.

Köstlicher Schutz aus der Tasse

Bilderserie

Jahrelang diskutierten Mediziner darüber, ob Kaffee das Osteoporose-Risiko erhöht. Auch hier ist der Kaffee rehabilitiert: Eine schwedische Studie zeigt, dass sich selbst vier Tassen täglich nicht wesentlich auf die Knochenfestigkeit auswirken. Andere Untersuchungen legen die Vermutung nahe, dass Kaffee vor Diabetes schützen kann. Wer täglich mehr als vier Tassen Kaffee schwarz trinkt, kann sein Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln im Vergleich zum Ein-Tassen-Trinker um fast ein Viertel senken. Das jedenfalls ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. "Wir wissen nicht genau, wie das funktioniert", so Studienleiter Prof. Andreas Pfeiffer. "Aber Kaffee enthält eine Menge an Pflanzenwirkstoffen wie die Chlorogensäure, die einen ausgeprägten Effekt auf den Stoffwechsel haben."

Chinesische Forscher stellten fest, dass das allgemeine Krebsrisiko abnimmt, je mehr Kaffee man trinkt. Demnach lag das Krebsrisiko bei moderaten Kaffeetrinkern um 11 Prozent niedriger als bei Kaffeeabstinenzler, bei regelmäßigem Konsum waren es 13 Prozent und bei starkem Kaffeegenuss sogar 18 Prozent. Nach Angaben von US-Wissenschaftlern kann regelmäßiger Kaffeegenuss das Risiko für gefährlichen Hautkrebs senken. Männer, die mindestens drei Tassen Kaffee am Tag tranken, hatten der Studie zufolge ein um neun Prozent geringeres Risiko als Männer, die weniger als eine Tasse pro Tag zu sich nahmen. Bei Frauen mit der gleichen Kaffeemenge waren es sogar bis zu20 Prozent. Die Wissenschaftler hatten zwei klinische Studien ausgewertet, bei denen Zehntausende Probanden über 14 beziehungsweise 16 Jahre beobachtet worden waren.

Wenn all das keine guten Gründe sind, Kaffee zu trinken! Moderat, versteht sich, also weder zu wenig, noch zu viel. Mit Kaffeepulver kann man natürlich noch mehr anstellen, als es nur mit heißem Wasser zu übergießen. Genießen Sie mal nicht nur einen Kaffee zum Kuchen, sondern den Kaffee im Kuchen:

Kaffeekuchen

Zutaten:

Teig:
100 g gemahlene Haselnüsse
100 g Mehl
70 g Puderzucker
50 g Butter
1 Eigelb
4 EL starker Kaffee
½ TL Zimt
½ TL Anis
½ TL Salz

Belag:
1/8 l starker Kaffee
120 g Zucker
150 g fein gemahlene Haselnüsse
1 EL Stärkemehl
2 Eier

Zubereitung:

Für den Teig die gemahlenen Nüsse mit dem Puderzucker mischen und das Mehl zugeben. Die sehr kalte Butter in Flöckchen schneiden und mit den Fingern in die Nussmasse reiben. Die Gewürze zugeben und gut untermischen. Nun Eigelb und Kaffee zugeben und solange vermischen, bis sich der Teig ausrollen lässt. Eine gefettete Tortenbodenform damit auslegen.

Für den Belag Kaffee und Zucker in einem Topf erhitzen. Das Stärkemehl mit einem Schneebesen einrühren. Die Eier in einer Schüssel verquirlen und das Kaffeegemisch über die verquirlten Eier gießen. Gut umrühren und alles zu den gemahlenen Nüssen geben. Diese Masse auf dem Teig verteilen. Bei Mittelhitze etwa eine halbe Stunde backen.

Den Kuchen abkühlen lassen und portionieren. Die Sahne nur halbfest schlagen (sie soll noch vom Löffel laufen können) und bei Tisch pro Stück 2 EL davon über den Kuchen geben.

Ein munteres Wochenende wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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