Unterhaltung

Der Dritte im Bunde: Lockruf der Seele

Vergessen Sie nicht: Der Topf vom Thymian gehört nicht ins Bett!
Vergessen Sie nicht: Der Topf vom Thymian gehört nicht ins Bett!(Foto: © Cisco Ripac / PIXELIO)

Kennen Sie die Seele Ihrer Küche? Nein, es ist nicht der Kühlschrank. Die Seele einer jeden Küche sind Kräuter und Gewürze. Sie machen selbst Reste und ursprünglich fade Gerichte zu kulinarischen Genüssen. Ein bisschen mogeln kann man mit ihnen auch - sie helfen, Fehler zu kaschieren. Nicht von ungefähr heißt’s in Indien: "Wenn’s schlecht riecht, tu Curry dran.” Chili hilft ebenfalls ungemein …

Für den Umgang mit Kräutern und Gewürzen benötigt man weder Berufung noch Begabung, ein wenig Wissen und ein Quentchen Experimentierfreude reichen aus. Der Rest ist Erfahrung.

Viele Küchenkräuter sind winterhart, so auch der Thymian.
Viele Küchenkräuter sind winterhart, so auch der Thymian.(Foto: © uschi dreiucker / PIXELIO)

Auch für "ehrliche” Köche sind Kräuter und Gewürze unentbehrlich. Heutzutage gibt es Töpfchen mit frischen Küchenkräutern eigentlich das ganze Jahr über, wir müssen nicht mehr auf die Ernte von Feld und Garten warten. Wer die Möglichkeit hat, zieht sich die Pflanzen selbst im Wintergarten, auf dem Balkon oder auf dem Fensterbrett in Töpfen.

Mitunter kann man mit so einem Kraut auch zwei (oder mehr) Fliegen mit einer Klappe schlagen, das heißt, es gibt da so verschiedene Auswirkungen auf Leib und Seele - zum Beispiel bei Thymian.

Auch die rosa Blütchen des Thymians sehen recht hübsch aus. Seine stärkste Würzkraft hat er allerdings vor der Blüte.
Auch die rosa Blütchen des Thymians sehen recht hübsch aus. Seine stärkste Würzkraft hat er allerdings vor der Blüte.(Foto: © wrw / PIXELIO)

Thymian galt schon im Altertum als Heilpflanze. Auch heute noch greifen Hustengeplagte zu Thymiantee und -pastillen. 2006 wurde Thymian sogar zur Arzneipflanze des Jahres erklärt. Äußerlich angewendet gilt Thymian unter anderem als durchblutungsfördernd. Vielleicht war es ja gerade diese Wirkung, die Dionysos I. und seinen illustren Gästen zu gewissen Höhepunkten verhalf. Der Tyrann von Syrakus ließ nämlich die Räume seines Palastes mit frisch gepflücktem Thymian bestreuen, da dessen Duft als potenzsteigernd galt. Erging sich nun die Gästeschar auf dem Thymian-Teppich, entströmte dem Kraut unter den Fußsohlen ein betörender Duft - der mit seinen angeblich aphrodisischen Kräften durch die Nase und dann ohne Umwege in die Lenden strömen sollte. Möglicherweise lag der "Strömungserfolg” weniger beim Thymian, sondern mehr in der Fertigkeit junger Damen, die der fürsorgliche Gastgeber nie vergaß in größerer Zahl einzuladen.

Der thymianbesessene Dionysos kam übrigens auch zu literarischen Ehren: "Zu Dionys dem Tyrann schlich Möros, den Dolch im Gewande, …” Wer kennt sie nicht - "Die Bürgschaft”, 1798 von Friedrich Schiller geschrieben. Schiller lässt in seiner Ballade letztendlich den beschämten Fiesling den Wert wahrer Freundschaft und Treue erkennen: "… Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte.”

Beim Thymian jedenfalls hatte der tyrannische Syrakuser gar nicht unrecht: Es ist längst erwiesen, dass die ätherischen Öle tatsächlich durch die Haut in unseren Körper eindringen. Nehmen Sie sich am Wochenende als "Dritten im Bunde” ein Töpfchen mit frischem Thymian, verwenden ein paar Zweige für leckere "Thymian-Zitronen-Hähnchenschenkel” und legen den Rest aufs Laken (Natürlich ohne Topf!):

Zutaten (für 2 Personen):

2 Hähnchenschenkel
1 Topf frischer Thymian
1 Bio-Zitrone
1 Glas Weißwein
Olivenöl
etwas Creme fraiche
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Bei den gesäuberten Hähnchenschenkeln vorsichtig die Haut vom Fleisch lösen. Am unteren Ende die Haut an drei Stellen einschneiden. Von oben her bei dem Schenkel 3 frische Zweige Thymian zwischen Haut und Fleisch schieben und zwar so, dass die holzigen Enden der Zweige unten etwas durch die Schlitze gezogen werden können.

Die unbehandelte Zitrone warm abwaschen, abtrocknen und in dünne Scheiben schneiden. Jeweils 1 Scheibe noch zu dem Thymian unter die Schenkelhaut schieben. Die so behandelten Hähnchenschenkel ringsum salzen und pfeffern.

Den Herd auf 200 Grad vorheizen. In einer ofenfesten Pfanne Olivenöl erhitzen und die Schenkel von allen Seiten kräftig anbraten. Mit dem Weißwein ablöschen. Die restlichen Zitronenscheiben ringsum die Schenkel legen und alles bei 200 Grad etwa 45 Minuten in der Röhre braten.

Die fertigen Schenkel aus der Pfanne nehmen und den Bratenfond mit etwas Creme fraiche binden. Die kurze Soße mit den Schenkeln und Thymiankartoffeln servieren. (Kleine in der Schale gekochte Kartoffeln von allen Seiten in Olivenöl kräftig anbraten, mit gehackten Thymianblättchen bestreuen und unter mehrmaligem Wenden noch 5 min braten. Die fertigen Kartoffeln mit grobem Meersalz bestreuen.)

Viel Spaß beim (Blättchen)-Zupfen wünscht Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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