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Essen und Trinken

Freitag, 18. August 2006

Guter Wein dank Mozart: Musiker spielt vor Trauben

Spaziergänger in den Würzburger Weinbergen machen in diesem Sommer zuweilen eine Begegnung der ungewöhnlichen Art. Auf dem renommierten Weingut am Stein des Staatlichen Hofkellers sehen sie dann einen glatzköpfigen Musiker, der mit seiner Geige die steilen Hänge hinauf- und hinunterläuft und dabei hingebungsvoll Mozart, Elgar und Beethoven spielt.

Der Musiker ist der international beachtete Violinist Florian Meierott, und seine Auftritte zwischen den Trauben und Reben haben angeblich nur ein Ziel: Einen ganz besonderen Weißwein reifen zu lassen, einen Silvaner "mit musikalischer Note".

"Viele Leute reden mit ihren Pflanzen, damit sie besser wachsen. Ich spiele ihnen etwas vor", sagt Meierott. Er sei sich ziemlich sicher, dass vor allem "liebevolle Stücke" eine positive Wirkung auf den Wein haben können. Ein langsames Violinenkonzert in A-Dur von Mozart etwa oder Bachs Air, aber bloß keine aggressive Musik.

Mehr als 100 Stunden hat er in den vergangenen Monaten fiedelnd zwischen Weinstöcken verbracht und bei seinen zweistündigen Konzerten viele Kilometer zurückgelegt. Im regnerischen Frühling, als noch alles um ihn herum karg war, im heißen Juli, als die Sonne den Lack seiner Geige schmelzen ließ, und jetzt im August, da schon dicke Trauben an den Pflanzen hängen wie Viertelnoten auf dem Papier.

Bessere Trauben als üblich? "Das kann eigentlich gar nicht sein", kommentiert der Mikrobiologe und Weinforscher Jürgen Fröhlich von der Universität Mainz. Die Idee sei ganz schön esoterisch und wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, sagt er, gesteht aber ein, dass ja auch nicht alles schon erforscht sei. "Den Elektrosmog von Handys hat man ja auch irgendwann nachgewiesen."

Dem Staatlichen Hofkeller, ältestes Weingut Deutschlands, geht es sowieso weniger um die beweisbaren Veränderungen des Weins, sondern mehr um die spirituellen: "Das Ganze ist eher eine mystische Angelegenheit. Wenn die klassische Musik Menschen gut tut, dann bestimmt auch den Pflanzen", sagt Direktor Michael Jansen.

Im kommenden Frühjahr, nach der Reifephase, sollen rund 10.000 Flaschen der Sonderedition mit Meierotts Konterfei "als besonders guter Tropfen" auf den Markt kommen. Natürlich begleitet von einem Konzert im historischen Weinkeller unterhalb der Würzburger Residenz. Ob sich Beethoven und Mozart dann tatsächlich auf der Zunge schmecken lassen, solle eine Weinprobe zeigen, sagt Jansen.

Als bierernste Aktion will im fränkischen Weinland natürlich niemand Meierotts Einsatz verstanden wissen. "Das Ganze soll natürlich eine gewisse Werbewirksamkeit haben. Es ist mehr der Gag, der dahinter steht", sagt der Veranstaltungsleiter des Hofkellers, Bernd vanElten. Auch im fränkischen Weinbauverband betrachtet man die Idee mit einem Augenzwinkern: "Der Herr Meierott ist charmant und nett, das fühlen die Pflanzen bestimmt auch", sagt eine Sprecherin.

Auch der Künstler selbst stellt vor allem den Spaß an der Sache in den Vordergrund: "Wenn ich durch die Weinreben laufe, dann entspanne ich mich sehr, auch wenn es ganz schön in die Beine geht", sagt Meierott, der sogar auf seiner Konzertreise durch Japan vor wenigen Wochen schon Bestellungen "seines" Weins entgegennehmen konnte. Nur eines empfindet der fränkische Musiker bei den Konzerten auf dem Weingut als schade. "Das ist doch ein ganz schön einsamer Job."

(von Marco Mierke, dpa)

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