Donnerstag, 07. Juli 2005
Große Fische, kleine Fische: Nicht nur für Radfahrer
Vor 30 Jahren war die Niederlausitz eine durch Braunkohlentagebaue zerklüftete Mondlandschaft. Heute sind die Förderbrücken seltener, dafür laden Wasser, Sonne, Wald und weite Strände am Senftenberger See mit seiner ausgezeichneten Wasserqualität und seinem Fischreichtum zum Verweilen.Immer mehr Menschen machen Urlaub mit dem Fahrrad. Guter Ausgleich zum Bürojob, und man kommt weiter herum als nur per pedes. Die meisten wünschen sich dafür aber relativ flache Strecken, was ich persönlich sehr gut verstehen kann - Empfehlen möchte ich Ihnen heute nicht nur ein leckeres Fisch-Rezept, sondern auch meine Geburtsstadt Senftenberg und ihr Umland - fast so flach wie ein Teller und fischreich durch den Senftenberger See. Ich kannte den See noch als Braunkohlentagebau! Jetzt bin ich begeistert von seinem klaren Wasser und dem sandigen Untergrund (kein Schlamm zwischen den Zehen!). Da kommen fast Meeres-Gefühle auf.
Etliche Radrouten sind mittlerweile gut ausgebaut. So führen zum Beispiel 450 Kilometer durch das Bergbaugebiet der Niederlausitz, vorbei an gigantischen Tagebau-Riesen und zum Senftenberger See, einem der größten künstlichen Binnenseen Europas, zu Europas modernster Test- und Rennstrecke - dem Eurospeedway Lausitz - bis hin zu den Pyramiden von Fürst Pückler im Branitzer Park von Cottbus. Eine andere Route führt seit 1998 immer an der Spree entlang, 420 Kilometer von den drei Spreequellen im Lausitzer Bergland, durch den Spreewald bis nach Berlin.
Der Fischbestand im Senftenberger See, er wird von einem Fischermeister bewirtschaftet, genießt in Anglerkreisen einen guten Ruf. Ganz besonders gilt das für Hechte, Zander und Karpfen. Außerdem vertreten sind Barsche, Aale, Welse, Brassen, Rotaugen, Rotfedern sowie Kleine Maränen, Regenbogenforellen und Schleie.
Die örtliche Gastronomie bietet vor allem Hecht, Zander und Forelle aus dem Senftenberger See an. Sehr zu empfehlen für hungrige Radler, Badenixen und auch Autofahrer ist Senftenbergs einziger Gourmet-Tempel, die "Genussmanufaktur" in einem schön restaurierten Fachwerkhaus am Markt. Eine junge und engagierte Mannschaft bietet Nouvelle Cuisine, Tapas und eine gute Weinauswahl - und zwar zu erschwinglichen Preisen. Das Filet vom Zander auf der Haut gebraten, an Bier-Senfsauce, Frühlingslauch und Blutwurstravioli neulich war vom Feinsten.
Nicht ganz so exotisch ist unser heutiges Zanderfilet mit Bärlauch-Kartoffelbrei und buntem Paprika-Gemüse - aber nicht minder lecker:
Zutaten
1 kg mehlig kochende Kartoffeln
1 Bund Bärlauch
ca.1 Tasse lauwarme Milch
Salz, Pfeffer, Muskat, etwas Butter
3 große Paprika: rot, grün, gelb
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
Olivenöl, Salz, Pfeffer
2 große Zanderfilets
Zitronensaft
Salz, Pfeffer; Mehl
Zubereitung
Bärlauch-Kartoffelbrei: Die geschälten Kartoffeln in Salzwasser kochen, abgießen und im geöffneten Topf auf der heißen Platte schön abdampfen lassen. Mit dem Stampfer zerstampfen und die warme Milch unterrühren. Den Bärlauch pürieren und mit der Butter vermengen. Diese Mischung in die Kartoffelmasse geben und alles mit Salz, Pfeffer und wenig Muskat abschmecken.
Paprikagemüse: Die Paprikafrüchte durchschneiden, entkernen und die Haut dünn abschälen (geht am besten mit einem Sparschäler). In kleine Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauchzehe fein hacken, im Olivenöl anschwenken und dann die Paprikawürfel zugeben. Bissfest garen und mit salz und Pfeffer abschmecken.
Zanderfilet: Die Zanderfilets mit Zitronensaft beträufeln und kurz stehen lassen. Sparsam salzen, pfeffern und auf der Hautseite leicht mehlieren und nur auf dieser Seite in nicht zu heißem Öl kross braten, bis das Fischfleisch gerade nicht mehr glasig ist.
Tipp: Bärlauch ist mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch verwandt und wird daher auch als Wilder Knoblauch bezeichnet. Der deutsche und auch der lateinische Name "Allium ursinum" leiten sich von der Vorliebe der Bären ab, sich nach dem Winterschlaf als erstes auf das frisch sprießende Kraut zu stürzen. Wer keinen Bärlauch auf dem Markt bekommt, kann sich einer Mischung aus Schnittlauch und ein wenig Knoblauch helfen.
Gutes Gelingen wünscht Heidi Driesner