Staatsfeine ZwiebelSüppchenkochen mit Erich

Die "Spreewälder Zwiebelsuppe" ist eigentlich ein einfaches Gericht aus der Niederlausitz. Verfeinert fand sie aber auch schon Platz auf der Tafel bei Staatsempfängen Honeckers.
Südlich der lärmigen Bundeshauptstadt Berlin liegt eine wundersame und ruhige Wald- und Wasserlandschaft, die zu den schönsten und zugleich einzigartigsten Naturschutzgebieten Europas gehört - der Spreewald. Die Begriffe Spree und Wald verstehen sich als urwüchsiges Binnendelta mit einem hunderte Kilometer in sich verzweigten Wasserwegenetz auf engstem Raum. Seit 1991 ist der Spreewald ein UNESCO Biosphärenreservat.
Wo andernorts das Auto zum Einkaufen, für die Fahrt zur Arbeit oder zum Gütertransport genutzt wird, nimmt man im Spreewaldinneren traditionell den Kahn und stakt sich durch die Gegend. Am bekanntesten - vielleicht sogar bis zur hintersten Ecke des Bayerischen Waldes - dürfte die Spreewaldgurke sein. Allen Freunden des sauren Appetitmachers sei's gesagt: Egal, ob als saure Gurke, Gewürzgurke, Pfeffergurke, Knoblauchgurke oder Senfgurke - der Name ist heute gesetzlich geschützt. Wo "Spreewälder Art" drauf steht, heißt noch lange nicht, dass die Gurke auch eine Spreewälder ist.
Die Gerichte des Spreewalds sind eng mit der örtlichen Landwirtschaft verbunden: Gemüseanbau und -konservierung sowie der Fischfang haben eine lange Tradition. Als typische "Vertreter" seien hier nur der Karpfen und die Zwiebel genannt.
Die "Arme-Leute-Knolle", auch "Bolle" genannt, hat seinerzeit sogar Eingang bei Staatsempfängen gefunden, nicht nur als Gewürzbeigabe. So gab's auch schon mal "Spreewälder Zwiebelsuppe" bei Erich Honecker, dazumal "Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzender des Staatsrates der DDR"(kurz: DDR-Staats- und Parteichef). Serviert zum Beispiel am 22. März 1977 beim Bankett mit dem damaligen Ersten Sekretär des ZK der USAP, Janos Kadar (kurz: ungarischer Parteichef).
Die ursprüngliche Zwiebelsuppe war als traditionelles sorbisches Gericht eine einfache gebundene Suppe aus Zwiebeln, Mehlschwitze und Knochenbrühe. Längst wird sie verfeinert mit angebratener Wurst, gekochtem Rindfleisch oder Sahne und diversen Kräutern. Und dann schmeckt sie auch gut! Die "Spreewälder Zwiebelsuppe", die Kadar auslöffeln musste/durfte, war natürlich auch eine der besseren Art!
Zutaten
½ l Fleischbrühe
1 Pfund Zwiebeln
100 g ungeschlagene Sahne
1 EL Meerrettich
1 EL Mehl
Öl und Butter
Petersilie; Dill, Salz, gemahlener weißer Pfeffer
Zubereitung
Die geschälten Zwiebeln in feine Streifen schneiden, in Öl andünsten und mit Mehl bestäuben. Mit der Brühe auffüllen und eine Viertelstunde ganz leicht köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Ein wenig Butter unterschlagen (für den "buttrigen" Geschmack). Geriebenen Meerrettich mit der Sahne vermengen und unterziehen. Mit fein gehackter Petersilie und Dill verfeinern.
Ist gut gegen kalte Füße. Ich empfehle "Erichs Variante". Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.