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Das reicht für viele Anwendungen...
Das reicht für viele Anwendungen...(Foto: wrw_pixelio.de)
Samstag, 14. Januar 2012

"Mittel zur Verwandlung in einen Hengst": Übung macht den Meister

Pfeifen Sie auf abstehende Ohren oder ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen. Die Kunst der Verführung bedarf weniger langer Beine oder eines Waschbrettbauches, sondern vielmehr einer gewissen Würze, wobei Fantasie mehr gefragt ist als Abitur.

Was haben die Liebe und eine gute Suppe gemeinsam? Genau - die Zutaten machen daraus einen Höhepunkt. Nur ein bisschen Salz genügt in keinem Falle: In der Würze liegt die Kunst der Verführung; Araber und Asiaten sind uns da jahrhunderteweit voraus.

In den Liebeslehren des Nahen und Fernen Ostens finden sich zuhauf Zubereitungen aus allerlei Gewürzen nicht nur für die innere Anwendung.
In den Liebeslehren des Nahen und Fernen Ostens finden sich zuhauf Zubereitungen aus allerlei Gewürzen nicht nur für die innere Anwendung.(Foto: digitalice_pixelio.de)

Der gekonnte Einsatz von Kräutern, Samen und Wurzeln zur Bereicherung der Sinne ist ohne Zweifel eine Fertigkeit, die Übung und eine gewisse Kreativität erfordert. Doch diese Fingerfertigkeit ist keinesfalls so kompliziert, dass sie nicht jeder erlernen könnte. Nach ein paar verzeihlichen Missgriffen gilt an den Töpfen wie im Bett: Übung macht den Meister! Eine Handvoll Zutaten genügt…

Den Philosophen der griechischen Antike haben wir die Erkenntnis zu verdanken, dass im Körper Harmonie herrschen muss, und sie wussten durchaus, wie sie herzustellen ist. Die Ärzte des Altertums trennten - im Gegensatz zu uns - Medizin und Ernährung nicht. Das, was wir heute im Küchenschrank haben, stand früher in der Apotheke: Gewürze. "Dein Arzneimittel sei dein Lebensmittel und dein Lebensmittel dein Arzneimittel", formulierte es der berühmteste Arzt der Antike, Hippokrates.

Das, was Galle, Leber und Magen gut tat, konnte nicht schlecht auch für andere Organe sein, und so galten Würzmittel auch förderlich in Liebesdingen und wurden von Männlein wie Weiblein mit großem Enthusiasmus und viel Glaube an die Wirkung angewendet. Die Liste der Aphrodisiaka war lang und wurde immer länger, und es gibt wohl kaum ein Gewürz, das nicht irgendwann irgendwo auf der Welt an die Speisen kam in der Hoffnung, die eigene Potenz und Vitalität zu fördern: Essen und Trinken waren halt schon immer perfekte Partner der Liebe. 

Das, was wir Ingwerwurzel nennen, ist eigentlich ein Rhizom, ein unter der Erde wachsender Spross.
Das, was wir Ingwerwurzel nennen, ist eigentlich ein Rhizom, ein unter der Erde wachsender Spross.(Foto: Frank C. Müller, cc-by-sa)

Ingwer, Senf und Pfeffer, Chili und Gewürzpaprika, Piment, Kardamom und Anis, Knoblauch, Schnittlauch und Petersilie, Liebstöckel, Thymian, Estragon, Minze, Kerbel, Macis und Muskatnuss - sie alle haben bis heute einen "guten Ruf" in Liebesangelegenheiten. Skeptiker halten das für Blödsinn. Natürlich haben sie Recht, wenn sie sagen, dass zwei Liebende auch ohne diesen Nonsens in Wallung geraten. Und doch: Vielleicht haben die gut gewürzten Speisen die Liebe zusätzlich beflügelt? Wer kann das schon so genau wissen? Geschadet hat’s noch keinem… Denn von den Liebeszaubereien abgesehen, haben Gewürze und Kräuter heilende Wirkung - und das ist wissenschaftlich nachgewiesen und findet heute noch Anwendung. 

Zum Beispiel Ingwer

Der griechische Arzt Dioscorides, dessen "De materia medica" aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.  für anderthalb Jahrtausende das wichtigste Gewürz- und Kräuterbuch des ganzen Abendlandes wurde, lobte den Ingwer, der "in Arabien sehr häufig wächst": Das eigentümliche Gewächs  "erwärmt, befördert die Verdauung, ist dem Magen gesund".

Die antiken Griechen irrten allerdings, was die Herkunft des geschätzten Gewürzes betraf - Ingwer stammt nicht aus arabischen Ländern, sondern aus Indien. Geschäftstüchtigen arabischen Händlern, die den Ingwer aus Indien ans Mittelmeer brachten, gelang es, die wahre Herkunft der Wurzel jahrhundertelang geheim zu halten.

In unseren Breiten tauchte Ingwer erstmalig im 9. Jahrhundert auf und genoss alsbald die Zuneigung derer, die sich das teure Gewürz leisten konnten. Als die Pest wütete, hoffte man, sich mit Ingwer den Tod vom Leibe zu halten. 1483 soll in Hildesheim eine Herrengesellschaft auf einer kleinen Feier fünf Pfund Ingwer verzehrt haben. Über die wahren Gründe der "Ingwerorgie" schweigt der Chronist…

Für Apotheker und Köche

In Indien gibt es auch heute wohl kaum ein Gericht ohne Ingwer, zumal er dort unangefochten als kräftiges Aphrodisiakum gilt. Im alten Ajurveda hießen Aphrodisiaka übrigens "Mittel zur Verwandlung in einen Hengst"!

Zwei Sorten Ingwer auf einem Markt in Haikou (China).
Zwei Sorten Ingwer auf einem Markt in Haikou (China).(Foto: Wikipedia)

Zumindest die gesundheitsfördernde Einstufung des Ingwer durch Dioscorides ist unbestritten: Das im Ingwer enthaltene Gingerol steigert die Aktivität der Verdauungsenzyme, bekämpft Ödeme, wirkt antibakteriell bei Entzündungen, regt die Galle an und beeinflusst die Blutfettwerte positiv. Ingwer schützt außerdem vor Erbrechen und wird deshalb gerne gegen Reise- und Seekrankheit eingenommen. Obwohl es über 50 verschiedene Ingwerarten gibt, hat nur das Rhizom der Art Zingiber officinale Eingang in die Arzneibücher gefunden.

Heutzutage ist das prickelnd scharfe Gewürz für Kenner unentbehrlich geworden. Ingwerplätzchen, -brot und -bier versetzen den Gaumen (zumindest den) in Aufruhr. Ingwer verleiht Fleisch und Fisch, Obstsalaten und Schokolade das gewisse Etwas - und natürlich auch den in Indien sehr beliebten "Samosas":

Zutaten (4 Personen):

Teig:
300 g Weizenmehl
4 EL Erdnussöl
1 Prise Salz

Füllung:
750 g Kartoffeln (fest kochende)
250 g grüne Erbsen (Tiefkühlware)
1 große Zwiebel
1 kleines Stück Ingwer
1 Chilischote
2 TL Kreuzkümmel
1 TL Chilipulver/Cayennepfeffer
1 Bd Koriander
3 EL Ghee (oder Butterschmalz)
Salz, Frittierfett oder neutrales Öl, Mehl zum Arbeiten

Zubereitung:

Das Mehl mit Salz, dem Öl und etwa 90 ml Wasser zu einem glatten Teig verkneten. Mit einem feuchten Tuch abdecken und eine Viertelstunde ruhen lassen.

In der Zwischenzeit die Erbsen in wenig Salzwasser bissfest garen, abschrecken und gut abtropfen lassen. Zwiebel und Ingwer schälen und recht klein schnipseln. Chilischote entkernen und klein hacken. Die Korainderblätter ebenfalls fein hacken. Die Kartoffeln schälen und in kleine Würfel (etwa einen halben Zentimeter groß) schneiden.

Ghee in einer Pfanne erhitzen und darin den Kreuzkümmel anrösten. Ingwer und Zwiebeln dazugeben und glasig dünsten. Dann die Kartoffelstückchen zufügen, salzen und mit dem Chilipulver bestreuen. Alles unter Rühren etwa 5 Minuten kräftig braten. Deckel drauf und bei geringer Hitze fertig garen. Die Kartoffelstückchen sollten bissfest sein. Vom Feuer nehmen, Erbsen, Koriander und Chilischote zugeben und alles vorsichtig vermengen. Die Masse in 12 Teile teilen.

Den Teig mit bemehlten Händen in 6 gleich große Stücke teilen und zu Kugeln formen. Die Kugeln auf bemehlter Arbeitsfläche zu dünnen Kreisen ausrollen (etwa 20 cm Durchmesser). Die Kreise halbieren und die Schnittkanten mit Wasser befeuchten. Jeden Halbkreis zu einer Tüte formen und die feuchte Nahtseite andrücken. Jeweils einen Teil der Füllung hineingeben und den oberen Rand zusammendrücken.

Wenn alle Samosas gefüllt sind, einen Topf oder eine tiefe Pfanne 3 bis 5 cm hoch mit dem Öl zum Ausbacken füllen und erhitzen. Darin die Teigtüten portionsweise goldgelb frittieren. Die knusprigen Samosas auf Küchenpapier abtropfen lassen und warm servieren.

Tipp: In Indien sind Samosas eine beliebte Vorspeise oder ein Snack zwischendurch. Drei Stück pro Person, wie in diesem Rezept angegeben, sind ausreichend für ein vegetarisches Abendessen, zumal wenn verschiedene Chutneys (wie in Indien üblich), Joghurt mit geraspelter Gurke und Salat dazu gereicht werden.

Statt Erbsen können auch Spinat, Lauch oder Karotten verwendet werden.

Samosas werden in Indien auch gern mit Fisch, Fleisch, Reis oder übriggebliebenem Curry gefüllt.

Ghee ist die indische Bezeichnung für Butterfett: Lassen Sie Butter auf kleiner Hitze köcheln und trennen Sie so Wasser, Eiweiß und Milchzucker vom Fett. Ghee ist hoch erhitzbar und hält sich mehrere Monate. Wollen Sie sich nicht die Mühe machen, verwenden Sie handelsübliches Butterschmalz.

Viel Erfolg und festen Glauben wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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