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Es dauert nicht mehr lang...
Es dauert nicht mehr lang...(Foto: imago stock&people)

Health Claims und ihre Versprechen: Wie viel Gesundheit steckt drin?

Von Heidi Driesner

Der 7. März ist alljährlich der "Tag der gesunden Ernährung". Warum eigentlich? Vielleicht weil winterliche Tage der "ungesunden Ernährung" hinter uns liegen und vor uns der Sommer mit Bikini-Party möglichst ohne Schwimmgürtel.

Spätestens seit dem Zeitpunkt, als die Schoko-Hasen die Schoko-Männer in den Supermarkt-Regalen ablösten, wissen Sie: Weihnachten ist vorbei und Ostern steht vor der Tür! Und dann locken schon bald Urlaub und Ferien – die Zeit bis dahin vergeht schneller als man denkt. Grund genug, einen ehrlichen Blick in den Spiegel zu wagen, auf die Waage zu steigen und/oder probehalber in den scharfen Bikini vom Karibik-Urlaub des Vorjahres zu schlüpfen. All diese Selbstversuche können zu einer gewissen Sprachlosigkeit führen, denn es ist unbestrittene Tatsache, dass der Mensch (auch der weibliche) im Winterhalbjahr bis zu zwei Kilo an Gewicht zulegen kann.

Typisch für den Winter, lecker, aber gehaltvoll: Grünkohlessen.
Typisch für den Winter, lecker, aber gehaltvoll: Grünkohlessen.(Foto: imago stock&people)

Das ist sozusagen in uns: Diese steinzeitliche Überlebensstrategie des Körpers, für die kalte und nahrungsarme Jahreszeit einen Speckvorrat als Energiespeicher und Wärmeschutz anzulegen, können wir leider nicht einfach ausschalten. Doch wir modernen Menschen brauchen die zusätzlichen Kilos nicht, die "urplötzlich" als Speckrolle über dem Rand der Badehose auftauchen (deshalb wohl auch "Schwimmgürtel" genannt). Denn wir laufen nicht mehr wie weiland der Ötzi bibbernd in Fellfetzen umher oder hocken in der Höhle am Feuer und versuchen, uns gegenseitig warmzuhalten. Letzteres ist natürlich auch heute noch sehr nett. Im Unterschied zu unseren Urahnen haben wir aber dicke Wintersachen zum Anziehen, Warmwasser und eine schöne Fernheizung, Buller- und Kachelöfen, Kamine und doppelt verglaste Fenster. Von "Nahrungsarmut" im Winter ganz zu schweigen, denn eigentlich gibt es fast nichts, das es nicht im Supermarkt gibt, auch im Winter. Unser Körper hat also in der kalten Jahreszeit kaum mehr Arbeit zu verrichten als in den Sommermonaten, um die Körpertemperatur von rund 37 Grad Celsius konstant zu halten, zumal wir uns nicht ewig im Freien aufhalten. Leider ist es eben so, dass das steinzeitliche Hunger-Gen das nicht weiß, und so gelüstet es die meisten Menschen im Winter mehr nach gehaltvollem Essen, fett- und zuckerreich. Fast jeder Vierte schätzt laut einer Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse KKH seine winterliche Ernährung ungesünder ein als die im Sommer, darunter mehr Frauen als Männer.

Mitunter hält sich noch die Auffassung, dass man im Winter wegen der Kälte mehr und nahrhafter essen müsse; das ist aber überholt, weil falsch. Bei wem der innere Schweinehund über Wissen und Vernunft siegt, hat halt im Frühjahr mit den Pfunden zu kämpfen. Und so pünktlich, wie die Schoko-Hasen in den Regalen stehen, so zuverlässig werden im holden Lenz Diäten in Angriff genommen, es wird gefastet und gedetoxt, bis die Schwarte über dem Bikini-Hosenrand kracht. Oder auch nicht; zumindest schlechte Laune ist garantiert. Der Ausweg: Man kauft die Badeklamotten einfach eine Nummer größer. Schwüre auf eine fürderhin "gesunde" Ernährung werden geleistet, doch die meisten von ihnen kommen einem Meineid gleich. Dass Fastenkuren nur nach Arzt-Rücksprache und am besten unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden sollen, hat sich schon herumgesprochen; ansonsten könnte ausgedehntes Fasten "steinreich" machen. Arm hingegen (was nicht für die Verkäufer gilt) machen "Detox-Pflaster" für die Füße, die die "Schlacken" aus dem Körper ziehen sollen.

Was ist gesund – und was nur Trend?

Joghurt kauft man am besten naturbelassen.
Joghurt kauft man am besten naturbelassen.(Foto: imago/Westend61)

Ebenfalls pünktlich nach dem Winterschlaf werden wir ermahnt, gefälligst auf unsere Gesundheit zu achten, also auch "gesund" zu essen. Seit 2007 will stets am 7. März der "Tag der gesunden Ernährung" unsere Sinne für eine vernünftige Ernährung schärfen; warum ausgerechnet am 7. März entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht weil vorher mit dem "Tag der Tortilla Chips" am 24. Februar und dem "Tag der Käse Flips" am 5. März die Tage der ungesunden Ernährung liegen? Initiiert jedenfalls hat den Tag der Verband für Ernährung und Diätik (VFED) bereits 1996; die Wahl des genauen Datums soll auf Wunsch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erfolgt sein, die den Aktionstag fest im Kalender verankern wollte.

Es reicht natürlich nicht, nur am 7. März auf Sixpack und Chips vorm TV-Gerät zu verzichten; das Thema gesunde Ernährung soll schlicht und einfach einen festen Platz in der Öffentlichkeit haben. Was aber nicht so einfach ist, denn was eigentlich "gesunde Ernährung" in unserem hektischen Leben bedeutet, darüber streiten sich die Gelehrten. Die einen erheben eine solche Ernährungsweise zur Religion und verdammen alles andere, die anderen sehen darin Geldschneiderei und das Einimpfen eines schlechten Gewissens. Einfach gesagt: Es gibt nicht DIE gesunde oder ungesunde Ernährung. Jeder Mensch und jedes Verdauungssystem sind anders. Wem Milch, Pumpernickel und Äpfel schmecken und wer dadurch keine Verdauungs- oder sonstige Beschwerden bekommt, für den sind diese Nahrungsmittel gesund. Wer davon Bauchschmerzen und andere Probleme hat, wer solches Essen nicht ausstehen kann, für den sind diese Lebensmittel ungeeignet – und man könnte sie wohl ungesund nennen. Auch in der Ernährung sind wir nicht gezwungen, jede Mode mitzumachen, rote Rüben und Spinat plötzlich irre toll zu finden, nur weil sie "hip" sind. Doch der Mensch ist ein Herdentier, und wenn alle auf grüne Smoothies schwören, würgt auch der den Brei hinunter, der sich eigentlich vor Grünkohl ekelt.

Ich zum Beispiel bekomme keinen Löffel  Naturjoghurt hinunter, es schüttelt mich schon bei dem Gedanken. Also löffle ich den auch nicht, und es ist mir schnurzpiepegal, ob der sich rechts oder links herum dreht, prä- oder probiotisch und gut für den Bauch oder das Immunsystem ist. Denn wie gesund ist Joghurt eigentlich?

Seit 2008 prüft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), welche gesundheitsbezogene Werbeaussagen, sogenannte Health Claims, halten, was sie versprechen. 2012 mussten 1600 gängige Slogans von den Verpackungen entfernt werden, weil die EU deren Wahrheitsgehalt nicht als erwiesen ansah. Eine veröffentlichte Positivliste sorgt seither dafür, den Wildwuchs an unbewiesenen Gesundheitsaussagen einzudämmen. Danach sind von 4000 gesundheitsbezogenen Werbeversprechen nur 222 Claims zugelassen, weil es für sie überzeugende wissenschaftliche Nachweise gibt. Die meisten davon betreffen Vitamine und Mineralien, darunter so bekannte Sätze wie "Vitamin C stärkt das Immunsystem" oder "Kalzium ist wichtig für den Erhalt der Knochen". Gekoppelt ist die Erlaubnis auch noch an bestimmte Vorgaben, so muss der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen mindestens 15 Prozent des Tagesbedarfs decken. Was aber nicht heißt, dass ein so beworbenes Produkt "gesünder" ist als eines ohne eine solche Aussage! Zum Beispiel kann in einem Fruchtjoghurt so viel an Kalzium und Vitamin D drin stecken, dass eine gesundheitsbezogene Werbung damit gestattet ist – gleichzeitig jedoch macht ein hoher Zuckergehalt das "Gesundheitsversprechen" zu einem Absurdum, vor allem in einer kindgerechten Ernährung. Es ist also klüger, Naturjoghurt zu kaufen und ihn nach eigenem Geschmack mit Obst zu verfeinern.

Was ist drin im Joghurt?

Etwa 2000 Aussagen zu Pflanzenstoffen sind von der Efsa überhaupt noch nicht bewertet worden; das kann noch Jahre dauern. So können weiterhin Pflanzenextrakte oder einzelne Pflanzeninhaltsstoffe zum Beispiel aus Soja oder Artischocke gesundheitsbezogen beworben werden, ohne dass der Verbraucher erkennen kann, ob die Aussage Hand und Fuß hat. Einige Werbeaussagen zu Lebendbakterien (Probiotika) sind ebenfalls noch nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft worden, andere hingegen mussten bereits wegen Irreführung aus der Werbung entfernt werden. Doch wie immer gibt es bei Verordnungen usw. Schlupflöcher, und genau so klar ist es, dass die Hersteller diese auch finden und nutzen. Dann kommt beim Joghurt-Löffeln das "Wohlfühlen von innen" oder das "Darmwohlsein" eben vom Calcium – und das ist erlaubt! Und der morgendliche Schluck aus dem Joghurt-Fläschchen stärkt nicht mehr "die Abwehrkräfte", sondern garantiert einen "guten Start in den Tag". Das Gesundheitsversprechen mit den Probiotika allerdings haben wir über Jahre verinnerlicht, und so wird es wohl noch eine Weile in unseren Köpfen herumspuken. (Außerhalb der EU darf und wird übrigens munter weiter damit geworben.) Allein in Deutschland verputzt jeder Bundesbürger durchschnittlich 12 Kilo Joghurt pro Jahr – das Geschäft lohnt sich also.

Gut für die Haut: ein Molkebad.
Gut für die Haut: ein Molkebad.(Foto: imago/Jochen Tack)

Was nun alles nicht heißen soll, dass ich Ihnen Ihren geliebten Joghurt vermiesen will, nur weil ich ihn nicht mag. Denn auch wenn es unsicher ist, ob von den links- oder rechtsdrehenden Milchsäuren, den prä- oder probiotischen Zusätzen eine gesundheitsfördernde Wirkung ausgehen könnte, so bleibt Joghurt doch ein gesundes Lebensmittel, das außer Kalzium auch noch B-Vitamine, Vitamin A, Magnesium und Eiweiß enthält. Und weil ich aus Joghurt leckere Speisen zubereiten kann, die auch mir schmecken, steht er oft auch in meinem Kühlschrank. Eine frische Alternative zum allseits beliebten Quarkkuchen zum Beispiel ist eine Torte aus Joghurt. Ich nehme dafür bulgarischen, griechischen oder türkischen Naturjoghurt, der ist schon relativ fest und enthält nicht so viel Molke. Wie viel Frischkäse man nach dem Abtropfen erhält, richtet sich danach, wie "wässrig" der Joghurt ist. Aus 1,5 kg Joghurt erhält man ungefähr 500 g Frischkäse. Lassen Sie lieber etwas mehr Joghurt abtropfen, falls Sie nicht alles für den Kuchen brauchen, ergibt der Rest mit frischen Kräutern verrührt einen leckeren Brotaufstrich. Wer mag, kann die Molke auffangen, da sind noch jede Menge Inhaltsstoffe drin. Molke kann getrunken oder beim Brotbacken anstelle Wasser verwendet werden. Als Badewasserzusatz soll Molke ja "Wunder" bewirken...

Ungebackene Joghurt-Torte

Zutaten:

1 Biskuit- oder Mürbeteigboden
3 kg Naturjoghurt (ergibt ca. 1kg Frischkäse)
4 Eier
100 – 150 g Zucker
1 Pä Vanillinzucker
2 Btl. weiße Gelatine (gemahlen)
2 EL Rum
50 g gehackte Mandeln
1 Bio-Zitrone
1 Prise Salz
ca. ¼ l heißes Wasser

Zubereitung:

Den Joghurt in ein Mull- oder Geschirrtuch geben, die Ecken zusammenknüpfen und über Nacht in einer nicht allzu warmen Küche aufhängen und den Joghurt abtropfen lassen. Nach Belieben die Molke dabei in einer Schüssel auffangen. Oder einen großen Seiher mit dem Tuch auskleiden und diesen in ein Gefäß hängen.

Am nächsten Morgen den Frischkäse aus dem Tuch nehmen. Die gehackten Mandeln leicht rösten. Die Gelatine in wenig kaltem Wasser vorquellen, die Zitrone abreiben. Etwa ¼ Liter Wasser (je nach Beschaffenheit des Frischkäses) aufkochen, vom Feuer nehmen, den Rum zugeben und die vorgeweichte Gelatine darin auflösen. Eigelb mit Zucker, Vanillinzucker und dem Zitronenabrieb cremig schlagen, dabei nach und nach die warme Gelatinelösung zugeben und alles recht schaumig schlagen. Den Frischkäse unterrühren (gegebenenfalls vorher durch ein Sieb streichen). Die Eiweiße mit 1 Prise Salz zu steifem Schnee schlagen und zum Schluss den Eischnee unter die Masse ziehen.

Um den Boden einen Tortenring oder den Ring einer Springform legen und die Frischkäse-Masse darauf verteilen. Die Torte mit den Mandeln bestreuen und für 5 bis 6 Stunden kühl stellen. Vor dem Servieren den Tortenring mit einem in heißes Wasser getauchten Messer vorsichtig lösen.

Tipp: Statt Wasser lässt sich auch Fruchtsaft verwenden; den Rum kann man natürlich ganz weg lassen. Früchte in der Frischkäsemasse (Mandarinen, Kirschen, Beeren) machen alles noch viel leckerer!

Bleiben Sie gesund – mit und ohne Joghurt; Ihre Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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