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Hopfen und Malz ...... sind nicht verloren

09.06.2005, 02:00 Uhr

Man nennt es "flüssiges Brot" oder "kühles Blondes", es ist schon älter als 5000 Jahre, und früher verstanden sich besonders die Mönche auf seine Herstellung.

Man nennt es "flüssiges Brot" oder "kühles Blondes", es ist schon älter als 5000 Jahre, und früher verstanden sich besonders die Mönche auf seine Herstellung. Die Rede ist vom Bier. Sogar Kriege gab es um das köstliche Nass, zum Beispiel im 15. Jahrhundert zwischen Zittau und Görlitz, bei dem nicht nur Bier, sondern auch Blut floss.

Es gab Biere, deren Namen legendären Glanz erhielten, der sich bis heute nicht verloren hat. König der deutschen Biere war im Mittelalter die Braunschweiger "Mumme". Mumme hieß der Brauer, der sein Erzeugnis bis nach Holland und England exportierte. Das Rezept für die "Mumme" ist bis heute erhalten. Die Zutaten lesen sich allerdings eher wie die geheimen Anweisungen aus der Hexenküche: Tannenrinde, Birken- oder Tannspitzen, Sonnentaublüten, Pimpinelle, Majoran, Thymian, Holunderblüten, Cardamom, Hagebutten, frischgelegte zerdrückte Eier usw. Das Fass wird fest zugemacht und nach zwei Jahren getrunken ? Wie bekömmlich das "Bier" war, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber die "Mumme" wurde ja auch noch zu einer Zeit getrunken, in der die Bierkieser die Qualität des Bieres daran maßen, ob sie beim Sitzen in einer Bierlache an der Holzbank kleben blieben. Heute brauen wir Bier natürlich nach dem "deutschen Reinheitsgebot" aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser.

Ein Volksgetränk ist Bier aber geblieben, mit Sprüchen wie "anbieten wie sauer Bier" und "bei ihm ist Hopfen und Malz verloren" auch in der Sprache fest verwurzelt. Ein wenig in Vergessenheit geraten ist aber die Kunst des Kochens mit Bier. Biergerichte gehörten zu jener Zeit, in der das Bier im Hause hergestellt wurde und der Sudkessel in manchen Gegenden zur Aussteuer der jungen Mädchen gehörte, zum Alltag, vornehmlich der Ärmeren. Im sächsischen Erzgebirge, einer der ärmsten Gegenden, war eine dünne Biersuppe ein Hauptgericht; im Sommer gab es Bier-Kaltschale.

Berliner und Bier bilden sozusagen eine untrennbare Einheit. Nehmen wir heute noch ein Brathähnchen dazu - und schon gibt's den "Berliner Bierhahn":

Zutaten:

1 Brathähnchen

1 l Helles oder Pils

200 g Speck

2 Zwiebeln

1/8 l süße Sahne

1 TL Mehl

Öl zum Anbraten

Salz, Pfeffer, Thymian, Majoran, Dill

Zubereitung:

Das Hähnchen portionieren und in einer Marinade aus Bier, Salz, Pfeffer, Thymian und Majoran 24 Stunden ziehen lassen.

Die Hälfte des Specks und die Zwiebeln würfeln und mit den gut abgetropften Geflügelstücken in etwas Öl goldgelb anbraten. Ab und zu mit etwas Marinade ablöschen. Mit Mehl überstäuben, dann den Rest der Marinade zugeben. 15 Minuten köcheln lassen. Abschmecken und evtl. mit den Gewürzen nachwürzen. Noch 15 Minuten in der fertigen Soße auf der heißen Platte ziehen lassen.

Den restlichen Speck in hauchdünne Scheiben schneiden und kross braten, auf das Fleisch legen, darüber die Sahne und den fein gehackten Dill geben. Am besten schmeckt dazu frisches Baguette ? und natürlich ein Bier! Beherzigen Sie bei der Menge des zu trinkenden Bieres aber das "Biergebet" aus dem 15. Jahrhundert:

"Nun grüß dich got, du liebes pier

Gu her und lesch mir den Durst schier,

Und mach mich nit zu schaden vor den Leuten".

Viel Spaß beim Kochen, Essen und Trinken wünscht Heidi Driesner.