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Multitalent: Curtis "50 Cent" Jackson.
Multitalent: Curtis "50 Cent" Jackson.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Viel mehr als "Candyshop": 50 Cent überzeugt im Kino

Er rappt, manchmal Texte, die nicht ganz jugendfrei sind, und er macht den harten Ghetto-Maxen, zumindest in seinen Musik-Videos. Dabei hat er doch einen wirklich weichen Kern: Curtis Jackson, besser bekannt als 50 Cent, zeigt in seinem neuen Film "All Things Fall Apart" die wahre Geschichte seines besten Freundes Deon, eines Profi-Sportlers, der am Krebs verreckte.

Der neue Film des Rappers und mega-erfolgreichen Stars 50 Cent, bürgerlich Curtis Jackson, handelt von einem Mann, dem durch die Krankheit Krebs alles genommen wird: sein Traum, seine Zukunft, sein Leidenschaft. 50 Cent stellt diesen Mann, der sein Jugendfreund war, in seinem Film "All Things Fall Apart" mit Überzeugung und großem Engagement dar. Jackson schrieb das Drehbuch, er produzierte den Film und nahm innerhalb kürzester Zeit 30 Kilo ab, um den Verfall des kranken Körpers realistisch darzustellen. n-tv.de traf einen leisen, nachdenklichen US-Amerikaner, der Lust hat, die Welt zu verbessern, ohne es an die große Glocke zu hängen.

n-tv.de: Wir kommen gleich auf diesen immensen Gewichtsverlust zu sprechen - wie anstrengend war das?

50 Cent: Das war das Härteste, was ich jemals gemacht habe. Erst einmal habe ich sechs Wochen sehr viel trainiert, um so muskulös und geradezu voluminös zu sein, wie es nur geht, ich habe Proteine ohne Ende zu mir genommen und echt zugelegt, und dann bin ich ins absolute Gegenteil verfallen. Ich habe nur noch Sachen gegessen, die die Verbrennung ankurbeln, also auch zum Beispiel irre Mengen von Cayenne-Pfeffer. Ich glaube, für einen Mann ist das noch heftiger als für eine Frau, denn Frauen kennen so extreme Situationen doch viel eher, sie kriegen ja auch Kinder (lacht). Ich fand es schrecklich, aber für eine Weile sah ich wenigstens aus wie ein Model. (lacht)

Mit Mario van Peebles gibt es sogar am Krankenbett was zu lachen.
Mit Mario van Peebles gibt es sogar am Krankenbett was zu lachen.

Du hast 30 Kilo verloren?

Ja, aber das ist schwer zu sagen, weil ich auf der anderen Seite ja so viele Muskeln aufgebaut habe. Und diese Muskeln saßen auch alle noch am richtigen Platz (lacht). Ich habe am Schluss drei Mal am Tag trainiert, ich war echt "big".

Hattest du nicht Bedenken, was du dir und deinem Körper da antust?

Ja, aber das habe ich ja nicht einfach mal so eben nebenbei gemacht. Für mich war das etwas sehr Persönliches, ich habe mich in dem Moment komplett dieser Rolle verschrieben und hingegeben und nichts anderes mehr getan. Ich stand auch unter ständiger ärztlicher Überwachung. Aber meine Motivation war ja eine ganz spezielle: Ich habe das Schicksal eines Freundes transportieren wollen. Dafür habe ich auch mein eigenes Geld investiert, und das macht man ja nicht mal so aus einer Laune heraus, es war eine Herzensangelegenheit. Ich hätte das gar nicht halbherzig angehen können. Aber ich bin bei Weitem nicht so weit gegangen wie zum Beispiel Christian Bale, der für seine Rollen in "The Machinist" oder "The Fighter" bis zur Schmerzgrenze gegangen sein muss. Er sah so aus, als würde er wirklich jeden Moment sterben.

Hast du viel geschlafen in der Zeit?

Ja, das machte alles ein bisschen einfacher. Und es war auch nötig: Ich habe geschlafen, bin dann zum Training, unter die Dusche, habe ein bisschen was gegessen, dann wieder geschlafen, und so ging  es immer wieder von vorne. Ich war viel im Hotel, wo ich den Trainingsraum auch nachts benutzen durfte.

Das heißt, du hast dich wochenlang vom restlichen Leben abgeschottet?

Ja, sonst hätte ich das nicht geschafft. Ich musste mich fokussieren. Gleichzeitig hatte ich aber auch immer meine aktuelle Tour im Hinterkopf (lächelt). Aber für eine Tour muss man ja auch trainieren.

Körperlich?

Ja, klar, mental auch, aber man muss fit sein für eine Bühnenshow. Das greift alles ineinander.

Und was hast du gemacht, um dich auf die auch mental anstrengende Rolle vorzubereiten, jemanden zu spielen, der Krebs hat?

Als dieses Foto durch die Presse ging, war es ein Schock.
Als dieses Foto durch die Presse ging, war es ein Schock.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Einer meiner besten Freunde ist an Krebs gestorben, das ist die Story, das war meine Motivation. Und das hat schon genügt, um mich in diese unglaublich anstrengende Rolle hineinzuversetzen. Im Film wird die Beziehung von uns beiden durch ihn und seinen Bruder symbolisiert. Er war schon immer viel intellektueller drauf als ich, er wollte Anwalt werden. Ich war mehr der Unruhige, das ganze Gegenteil von ihm. Die Szene, in der ich im Film auf dem Bett sitze, erklärt es am besten. Da sage ich, dass ich es nicht verstehe, dass mich diese Krankheit trifft, ich habe nie etwas Böses oder Unrechtes getan. Da muss ich jetzt immer noch weinen, wenn ich nur dran denke, denn das hat er original zu mir gesagt. Und es ist erschütternd, denn mein Verhalten war damals genau das Gegenteil von seinem (lächelt traurig).

Und jetzt, wenn du den Film siehst, wie fühlst du dich da?

Erstaunlich gut! Denn es gibt Dinge, die bleiben, auch wenn ich schon lange tot sein werde. Mein Freund ist schon tot, aber seine Geschichte ist durch den Film noch immer bei uns.

Du hast den Film auf Deutsch bei der Premiere gesehen, oder?

(lacht) Ja, das ist das nächste Level! Denn ich hab gesehen, dass Leute an denselben Stellen gelacht haben wie im Original, und das bedeutet, dass bei der Übersetzung nichts draufgegangen ist. Das hat mich echt beeindruckt. Als ich da saß, musste ich oft schon vorher an Stellen lachen. Das bringt unglaublich viele Erinnerungen zurück, in den Staaten ist der Film ja bereits 2011 gelaufen. Bei Musik ist das was anderes, die Musik an sich erzeugt ja schon Gefühle, das ist mit einem Film viel schwieriger. Aber diese Lacher an denselben Stellen haben mir gezeigt, dass Gefühle universell sind. Egal, zu welcher Zeit und welche Sprache gesprochen wird.

Welche Rolle spielt Gott in deinem Leben?

Wenn du in Situationen bist, wie ich es gewesen bin, und wenn du die überlebt hast, dann musst du an eine höhere Macht glauben. Egal, ob du es Gott nennst oder Allah oder was auch immer ...

Du hast ja aber tatsächlich schon so einiges erlebt, das einen daran zweifeln lassen könnte, dass es einen Gott gibt. Was machst du dann, wie verhältst du dich? 

Wenn ich verwirrt bin oder verletzt oder am Boden meinst du? Ich versuche dann immer, etwas zu machen in einem Gebiet, das mir vertraut ist. Ich versuche, immer weiter zu funktionieren. Verwirrung, oder nicht wissen, was man tun soll, ist für einen Künstler der schlechteste Zustand. Nimm zum Beispiel Britney Spears, damals, als sie sich vor allen Augen die Haare abrasiert hat. Das war toll für die Medien, aber für sie doch nicht, es hat sie immer weiter verzweifeln lassen, weil ihr die Paparazzi nun noch mehr gefolgt sind als vorher. Du musst auf dich aufpassen als Künstler, sonst wirst du der Spielball der Medien.

Du hast so viele Talente - hast du keine Lust, in die Politik zu gehen?

Danke für das Vertrauen, aber ich denke, mich zieht es mehr zu anderen Projekten. Ich bin gerne ein Geschäftsmann, aber einer mit einem guten Gewissen. Und um etwas für Menschen zu tun, würde ich eher in Hilfsprojekte investieren, was ich sowieso schon tue, als mich einer bestimmten politischen Gruppe anzuschließen. Ich wüsste auch nicht so recht, welcher. Ich unterstütze das United Nations World Food Programme, denn niemand sollte hungern. Die Leute hungern, weil Krieg herrscht oder weil sie nicht genug Geld haben, und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man nichts lernen kann, wenn man hungrig ist. Also dagegen möchte ich etwas tun. Aber ohne ein Politiker zu sein, der sich in ein bestimmtes Schema pressen lassen muss.  Dann wäre ich als Künstler nicht mehr frei. Und manchmal müsste ich Sachen sagen, die politisch nicht korrekt wären (lacht).

Wolltest du schon mal alles hinschmeißen?

Ja, solche Momente gibt es, aber die dauern bei mir nicht lange. Es hat auch meist nichts mit einer Sache zu tun, sondern eher mit den Leuten, die um einen herum sind. Ganz ehrlich: Depression ist ein Luxus, den ich mir nicht leisten kann.

Mit Curtis "50 Cent" Jackson sprach Sabine Oelmann

"All Things Fall Apart" startet am 28. März 2013 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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