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Stört gerne mal: Andreas Rebers.
Stört gerne mal: Andreas Rebers.

"Ich bin doch kein Empörungsdienstleister": Andreas Rebers, der Störer

Sein Programm ist manchmal schon so, dass es weh tut. Und man muss diesen speziellen Sinn für harten Humor auch mögen - Andreas Rebers, oft ausgezeichneter Kabarettist, verabreicht keine leichte Kost, die nach wenigen Minuten verdaut ist. Damit setzt er sich aber extrem wohltuend ab vom momentan doch sehr gängigen und immer gleichen Klamauk.

Der Mann ist böse - er sagt die Wahrheit. Er ist spöttisch - er kann nicht anders. Die Themen liegen auf der Straße oder stehen in der Zeitung - er greift sie nur auf. Trotzdem kommt der Querdenker so sympathisch und bodenständig rüber, dass man ihm gerne zuhört. Oft singt er auch, am liebsten "Arbeiterlieder", oder in Gestalt des "Reverend Rebers", der die "frohe Botschaft" verkündet. Zum Beispiel beim Satiregipfel, wo er regelmäßig mit Kollegen wie Dieter Nuhr und Co. auftritt. Schräg, schräger, Rebers – so kann man den Niedersachsen wohl am besten beschreiben.

n-tv.de: Wenn man so witzig ist, ist man dann automatisch mit anderen witzigen Menschen befreundet?

Andreas Rebers: Nee, eigentlich nicht. Es ist in diesem Beruf auch recht schwierig, so richtig von Freundschaften untereinander zu sprechen. Es gibt für mich eher das Grundprinzip von Loyalität und natürlich eine Grundsympathie. Gerade zum Beispiel mit Dieter Nuhr ist das so. Wir sind ja sehr unterschiedlich, deshalb nehmen wir uns auch nichts weg. Der Dieter holt mich ganz oft in seine Sendung, und wir verstehen uns privat sehr gut, das heißt jetzt aber nicht, dass wir die Sommerferien gemeinsam auf dem Campingplatz verbringen.

Warum ist es denn so schwierig, eine Freundschaft mit einem Kollegen zu haben?

Naja, weil es auf eine Art auch ein Geschäft ist. Wie soll ich es sagen, Kabarettisten sind ja alle sehr gerne auf der Bühne, und da stellt sich dann oft die Frage: Wo hört die Bühne auf, wo fängt das andere Leben an? Auch früher schon, als ich noch am Theater war, habe  ich doch mehr Freundschaften außerhalb des Theaters gesucht. Das bringt auch mehr, weil man dann über den eigenen Tellerrand gucken kann. Mit den Kollegen vergleicht man sich doch auch recht oft, ob man es nun will oder nicht.

Googeln Sie sich eigentlich oder ersparen Sie sich diesen Stress?

Gerne mit Schifferklavier, nie mit Gitarre.
Gerne mit Schifferklavier, nie mit Gitarre.

Doch, ich mach' das regelmäßig, denn es ist schon wichtig zu wissen, was die Leute da in den Kommentarspalten unter beispielsweise ein Video auf YouTube posten. Zum Glück ist es überwiegend positiv (lächelt). Interessant finde ich vor allem diese virtuellen Namen, die sich die Nutzer selbst geben, die damit dann zu einer Art "Second Life"-Persönlichkeit werden. Da diskutieren dann der "Biertrinker", die "Kakerlake", der "Pimmeltierfantast" und der "Muezzin" über völlig schräges Zeug und eine Wirklichkeit, die ich persönlich so ja nicht lebe. Ich bin schon am Rechner, aber nicht übertrieben viel, nur, um zu kommunizieren.

Sind Sie bei Facebook?

Nein, ich persönlich nicht, meine Agentur hat da 'ne Seite. Neulich wurde ich mal gefragt, wie viele Freunde ich habe – vermutlich 1000 – und dann: "Wieviele möchtest du denn haben?" da habe ich gesagt, vielleicht 1500. Aber das ist doch völlig irrelevant, oder? Ich bin ja nicht nur Kabarettist, ich bin ja auch Familienvater, ich bin gern zu Hause und dann steh' ich lieber am Herd, als dass ich vorm Rechner sitze und mich mit Leuten unterhalte, die ich nicht kenne.

Wie alt sind denn Ihre Kinder?

17 und 19.

Und finden die ihren Vater witzig?

Ja, die finden das ganz gut, was ich mache.

Im Alltag auch? Oder ist es Ihnen da eher ein bisschen peinlich?

Es geht so. Zu Hause bin ich ja nicht so witzig, da bin ich eher pragmatisch. Ich finde meine Kinder aber sehr lustig. Sie interessieren sich für das Künstlerische, also meine Tochter, der Sohn hat mehr den Hang zum Medium. Aber das ist bei Jungs wohl leider Gottes so …

Leider Gottes?

Ja, ich würde mich an seiner Stelle lieber mehr bewegen. Ich bin einfach gerne draußen, jogge und muss an die frische Luft. Mein Ehrgeiz hält sich allerdings in Grenzen, ich brauche jetzt nicht am Berlin-Marathon teilzunehmen oder ähnliches. Ich geh‘ auch gern in die Berge oder paddeln. Aber um noch einmal auf das Witzigsein zurück zu kommen: Natürlich ist man manchmal zum Beispiel mit Freunden zusammen, mit denen man auf einer humorvollen Ebene kommuniziert, das passiert ja immer wieder.

Darf man Sie eigentlich noch auf die Los Promillos ansprechen?

Ja, na klar. Ich habe neulich eine Lesung gemacht, wo ich die Geschichte auch vorgetragen habe, ich rede da gerne drüber. Ich habe als junger Mensch Musik gemacht und ich stehe dazu (lacht). Ich habe damit sogar Geld verdient. Es war eine wunderbare Zeit. Und zwischen Los Promillos und dem, was ich jetzt mache, liegen ja fast 40 Jahre. Viele Jahre lang habe ich keine Musik gemacht, jetzt ist sie Teil meines Programms.

Wann stellt man denn fest, dass man die Gabe hat, Leute gut zu unterhalten?

Das ist ja ein Handwerk, ein Beruf, der richtig gelernt werden muss. Natürlich geht das nur im Sinne von learning by doing, und dann schafft man sich seine Bühne erstmal in einem öffentlichen Raum, in dem man sich sowieso bewegt. Ich denke, bei mir fing das schon in der Schule an, ich gehörte immer zu den zwei Typen in der Klasse, die für Stimmung gesorgt haben. Früher hieß das geringschätzig "Klassenclown", aber so hab ich mich nie gesehen. Es ist eine Begabung, und man bekommt ja auch Anerkennung dafür. Wenn jemand positiv auf sie reagiert, wissen Sie, dass Sie etwas richtig gemacht haben. Die Entscheidung zur Bühne zu gehen, ja ... (zögert) ... also, meine Frau ist Schauspielerin, die wusste mit 14, dass sie das will. Mit 14 habe ich dagegen nur Fußball gespielt.

Hat Ihre Frau Sie dann zur Bühne gebracht?

Nein, wir haben uns kennengelernt, da war ich schon am Theater. Ich bin eigentlich Grund- und Hauptschullehrer, habe diesen Beruf auch ausgeübt, und bin aus irgendwelchen Gründen nicht übernommen worden. Es gab damals diese Lehrerschwemme ... ich musste mich dann neu orientieren und wurde gefragt, ob ich am Theater Musik komponieren will und auch auftreten möchte. Und das hat mir dann Spaß gemacht, auch der ganze Lebensrhythmus dazu. Es hat ein bisschen gedauert, aber ich habe mich dann für die Bühne entschieden.  Und zwar Kabarett. Ich habe Schauspiel- und Sprechunterricht genommen. Und ich kann von Glück sagen: es hat sich immer alles ergeben, das war völlig zwangfrei.

Sind Sie glücklich?

(zögert) Also, Glücksgefühle habe ich nach einer Skitour. Oder wenn ich auf einem tollen Bach gepaddelt bin. Wenn ich alles hinter mir gelassen habe. Dieser Beruf hingegen ist extrem anstrengend, da kommt man auch mal an seine Grenzen. Wenn man krank ist, muss man trotzdem auf die Bühne. Aber natürlich ist es ein sehr schönes Gefühl, wenn man Applaus bekommt, das macht mich dann auch glücklich. Aber: Nach der Vorstellung ist vor der Vorstellung. Es gibt immer was zu tun. Diesen Beruf mit einer Familie in Einklang zu bringen ist nicht so einfach, denn man ist oft abwesend.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen fürs Programm?

Die Ideen kommen zu mir, ehrlich gesagt. Es liegt auch auf der Hand. Wenn man sich der Wirklichkeit nicht verschließt,  dann erkennt man, wo der Hase langläuft. Ich bin allerdings nicht das Beispiel für reines politisches Kabarett, ich gehe ja andere Wege, mache viel Musik, arbeite mit komplexen Strukturen, die das Publikum oft an die Belastungsgrenze führt. So ein Abend mit mir soll extrem anspruchsvoll sein, habe ich mal gelesen (lächelt). Ich geh' ja nicht auf die Bühne, um als Empörungsdienstleister zu arbeiten, und auch nicht, um Bestätigung zu bekommen, sondern ich sehe mich als jemanden, der stört.

Mindestens den Schalk im Nacken: Andreas Rebers, der sich noch lieber als Satiriker denn Kabarettist sieht.
Mindestens den Schalk im Nacken: Andreas Rebers, der sich noch lieber als Satiriker denn Kabarettist sieht.

Haben Sie manchmal Angst, dass hinter der Bühne einer steht und sagt: "Bisschen doll, Alter!"?

Hatte ich alles schon, ja. Es gibt ja viele Möglichkeiten: Manche verstehen mich einfach falsch und manche wollen mich falsch verstehen. Wenn ich mich zum Beispiel dem Auftreten des organisierten Islam gegenüber kritisch äußere, muss ich mit Reaktionen rechnen, und die kommen dann von Berufsmuslimen oder unseren salafistischen Freunden. Oder auch das Auftreten von Lobbyisten. Ich bin allgemein religionskritisch, und das schließt den Islam mit ein, aber darum machen viele Leute einen Bogen. Viele finde es anscheinend besser, sich ewig über den Papst lustig zu machen und schwule Kardinäle, das ist gesellschaftlicher Konsens, aber wenn man sich diese eben genannten Gruppen vornimmt, wird das meist ganz schnell falsch verstanden. Weil wir immer noch eine politische "Korrektheit" haben, die alles, was nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehört, unter Naturschutz stellt.  Ich habe mir inzwischen einen Ruf "erarbeitet", der mir ständig Ärger mit Rechten einbringt, mit Islamisten, aber auch mit Linken, die humorlos sind. Die müssen alle mit mir leben.

Worüber können Sie lachen?

Ich sehe mir immer wieder gerne Loriot an, da kann ich drüber lachen. Die "Asterix und Obelix"-Hefte finde ich lustig, die Filme sind scheiße. Ich lache sehr gerne über gute Witze.

Ich kann Ihnen leider keinen erzählen, ich kann mir keine Witze merken ...

Schade, aber da halte ich es mit George Tabori: Ein guter Witz endet eigentlich immer in einer Katastrophe.

Mit Andreas Rebers sprach Sabine Oelmann

Ab 2.4. ist Andreas Rebers in der Berliner Bar jeder Vernunft zu sehen  ("Déjà Vu!"), seine Programme "Ich regel' das" und "Predigt erledigt" quer durch Deutschland finden Sie hier.

Am 15. Juli wird Rebers gemeinsam vom Bayerischen Rundfunk und dem Münchner Lustspielhaus den Bayerischen Kabarettpreis überreicht bekommen.

Quelle: n-tv.de

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