Unterhaltung
Die Frau mit den 1000 Gesichtern: Anke Engelke mit Fischkind.
Die Frau mit den 1000 Gesichtern: Anke Engelke mit Fischkind.(Foto: dapd)

Dorie ist wieder da! Welche Dorie?: Anke Engelke und ihre Grenzen

Sie spricht den witzigsten Fisch, seit es Käpt'n Iglo gibt: Anke Engelke gibt nochmal die Dorie im "Findet Nemo"-Abenteuer, neuerdings in 3D. Seit Jahrzehnten (!) bringt sie uns nun schon zum Lachen. n-tv.de traf die witzigste Frau Deutschlands zum Gespräch über Fische, Freunde, Floskeln und die böse Vier.

"Findet Nemo" - einer der witzigsten Disney-Filme, mit Preisen überhäuft, kommt wieder ins Kino. Dieses Mal in 3D - noch besser, schöner, bunter, plastischer, fast könnte man meinen, auch mit noch mehr Witz. Das kann fast nicht sein, aber bei einem Film wie diesem drängt sich eine 3D-Version geradezu auf. Oder wie Andrew Stanton, der Oscar-gekrönte Regisseur des Films, nicht ganz unvoreingenommen sagt: "Nach den ersten Szenen von Nemo in 3D hat man das Gefühl, man hätte noch nie zuvor einen 3D-Film gesehen." Auch Anke Engelke, die Stimme der schusseligen, aber liebenswerten Paletten-Doktorfischdame Dorie, liebt ihre Rolle, die sie auch ohne das Drehbuch zu lesen sofort angenommen hätte, weil Ellen DeGeneres ihrer Figur im Original die Stimme leiht. Mit der sehr beschäftigten Entertainerin trafen wir uns trotz Berlinale- und Eurovision-Song-Contest-Stress im Berliner Hotel Regent.

n-tv.de: Essen Sie gerne Fisch?

Anke Engelke: (lacht) Ich war vegetarisch, damals, als wir den Film Nemo synchronisiert haben, vor 10 Jahren, aber dazwischen hatte ich eine mehrjährige Phase, wo ich auch mal Fleisch gegessen habe – nach 20 Jahren als Vegetarierin. Inzwischen esse ich allerdings wieder nichts, was Mutter und Vater hat.

Wie kommt es zu dem "mal ja, mal nein"?

Ich war unglücklich und übergewichtig, ich war beim Fernsehen rausgeflogen, weil ich zu dick war,  ….

… wann war das denn, in der Teenagerzeit?

Fische sind Freunde!
Fische sind Freunde!(Foto: dapd)

… da muss ich so 19 gewesen sein. Aber ich bin spät mit allem dran, ich habe spät pubertiert, ich bin sowieso ein Spätzünder. Und deswegen fühle mich heute auch nicht wie 47. Irgendwie ist bei mir alles leicht zeitlich verschoben, denke ich. Da war ich jedenfalls ganz unglücklich, wie viele junge Mädchen, die zu dick sind, und die dann merken, dass das nicht erwünscht ist, im Fernsehen sowieso nicht. In diese Zeit fielen ja auch die ersten Berichte über Tiertransporte, die extrem abschreckend sind für einen jungen Menschen, wenn er das das erste Mal sieht. Ich meine, es ist nach wie vor grausam. Mein Verzicht auf Fleisch war also eine Mischung aus politischer und gesundheitlicher Konsequenz. Nach 20 Jahren hat mein Körper dann allerdings signalisiert: "Ich will wieder Fleisch!"

Das kommt mir bekannt vor …

Ich finde es echt phänomenal, wenn man auf den Körper hören kann, wenn der so Signale aussendet. Das erkennen viele einfach gar nicht mehr.

Ging mir genau so. Ich hatte nach meinem ersten Kind keinen Appetit mehr auf Lämmchen, Häschen, Kälbchen und Kindchenschema-Kulleraugen. Dann noch Rinderwahn und Schweinepest … nach drei Jahren allerdings musste es ganz dringend ein Steak sein - ich dachte, ich sterbe sonst auf der Stelle.

Ah, das kenne ich von vielen vegetarischen Frauen. Den plötzlichen Heißhunger, auf Englisch sagt man "craving", das hört sich noch viel besser an, finde ich. "To crave for something", das ist so ein herrliches onomatopoetisches Wort (macht Heißhungergeräusche), ja ja, das gibt es oft.

Und, weil Sie es angesprochen haben – 47: Ist das ein Thema?

Naja, schon, diese 4 ist so unrealistisch. Ich finde die extrem fremd. Ich habe nichts mit dieser Zahl zu tun (rollt mit den Augen). Ich finde es aber auch erschütternd, so zu denken, weil man sich fragt: Fehlt mir da jetzt der Bezug zur Realität? Zur eigenen Wahrheit? Zum eigenen Dasein? Oder ist das ein Verdrängen, ein Problem? (zögert kurz) Aber ich sehe das nicht so als Problem, weil ich viele Freundinnen habe, denen es genauso geht. Das muss man jetzt mal beobachten, wie die nächsten 10 Jahre sind. Denn auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass die jungen Mädchen heute so irre schnell erwachsen sein möchten. Sie eifern ihren Müttern nach, oder auch einem von der Gesellschaft geprägten Bild, dem Standardbild einer modernen Frau, das ist doch auch die Hölle.

Junge Mädchen kommen einem heute oft schon so reif vor …

… ja, und dann wird es unangenehm, oder? Es fängt bei den Klamotten an, geht über den Musikgeschmack bis hin zu Lebensphilosophien, man wird sich so ähnlich. Und macht sich lächerlich.

Dagegen hab' ich jetzt ein Lesebrille … Aber ganz egal, denn angekündigt wurden Sie neulich von Stefan Raab in seiner Sendung immer noch als "eine junge Frau, die alles kann" – ist das nicht unheimlich? Alles zu können?

I love Music!
I love Music!(Foto: picture alliance / dpa)

Naja, aber da habe ich ja auch sofort reagiert! So nach dem Motto: "Was redest du denn hier für einen Schwachsinn?“ (lacht) Soll ich jetzt meine Superkräfte vorführen oder was? (Anm.: Engelke trank spontan fünf Gläser - also ca. einen Liter - Wasser aus, die noch auf dem Tisch standen.) Ich kann das nicht, ich bin das nicht! Das war natürlich mal wieder eine Anmoderation, die er da hingegurkt hat, so typisch Stefan. (lacht) Aber weil es ihn ja auch manchmal einfach so hinreißt, ist das natürlich überwiegend lustig und sowieso nicht ernst gemeint.

Was bedeutet Ihnen denn der Song Contest, der früher ja noch Grand Prix hieß und nun ansteht? Ist das nicht schade, dass es jetzt wieder ein bisschen ist wie früher?

Ganz im Gegenteil, ich finde das spitze, dass er wieder runtergedampft wird! Der hatte es immer so schwer, der Grand Prix, also der Eurovision Song Contest, weil viele Menschen den belächeln und sich distanzieren, warum auch immer. Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Menschen, die Schlager hören, und klassische Pop-Musik. Da geht doch viel Geld rein in diese Industrie. Die Menschen lieben doch Musik und gehen in Konzerte. Warum dann dieses Misstrauen? Warum so viel Hohn dem ESC gegenüber? Jetzt kann man aber mal wirklich zeigen, ob man sich für Musik interessiert. Oft wird der Vorwurf laut, da ginge es nur um Show und Firlefanz und Remmidemmi, das wollen wir doch aber mal sehen. Ich finde, diese Show ist extrem konzentriert auf die Künstler …

… es ist ja auch für jeden etwas dabei, man kann das doch gar nicht in eine Richtung verdammen.

Richtig, dann müsste man die ganze Veranstaltung  verdammen, das wäre ja so, als würde man eine ganze Sportart verdammen. Als wenn man zum Beispiel sagen würde, Fußball ist grundsätzlich total doof, aber bei der WM und EM schwenke ich mein Fähnchen dann doch für Deutschland. Um in der Analogie aber mal weiterzudenken: Wenn das in der Musik und beim ESC auch so wäre, wäre das wirklich schön. Oder? Da könnte doch auch mal so ein Gemeinschaftsgefühl herrschen!! Na, mal gucken.

Bei Lena war das nach langer Zeit wieder so. Vielleicht geht das nur in Abständen, in Kurven, und vielleicht kann man die Aufmerksamkeit ja nicht die ganze Zeit aufrechterhalten.

Das mag sein, ja.

Haben Sie einen Favoriten?

Ja, zwei, aber die verrate ich natürlich nicht. Die Songs kriege ich echt nicht aus dem Kopf raus. Die Vielfältigkeit ist auf alle Fälle vorhanden! 

Sollten sich junge Menschen, vor allem Frauen, überhaupt noch casten lassen, wenn sie sich – wie neulich bei DSDS geschehen  -  anhören müssen, naja, der Gesang geht so, aber die Schlampe müssen wir unbedingt mitnehmen?

(überlegt) Meins ist es nicht. Ich habe bei zwei Castingshows mitgemacht, die ich beide genial fand: die eine war "Ich kann Kanzler", vielleicht war das ein bisschen überambitioniert, und das zweite Mal war in der Jury von Stefan (Raab), als wir Lena gesucht haben und den Song für sie. Da habe ich mich sehr wohlgefühlt, denn es ging um die Sache und es saßen Leute in der Jury, die kein Interesse daran hatten, Leute zu verletzen. Tja, Dieter Bohlen ist so'n Thema, der hat unglaublich viele Fans, und der spricht vielen aus der Seele … ich denke inzwischen, dass jeder weiß, was einen dort erwartet, sowohl wenn man da hingeht als auch, wenn man das schaut. Es ist doch freiwillig! Wenn man nicht damit klarkommt, kann man beides lassen, finde ich. Ich nehme Bohlen als Künstler wahr und da hat er seine Berechtigung. 

Was sagen Sie zu der momentanen Sexismus-Debatte?

Debatten sind immer übertrieben und zugleich auch nötig. Schade ist, dass die Essenz kaum mehr zu erkennen ist, wenn ein Thema so breitgetreten wird und hochgekocht ist. Aber die Notwendigkeit ist augenscheinlich da! Ich bin grundsätzlich immer dafür, Dinge zu beleuchten, sich selbst zu überprüfen bezüglich seiner eigenen Haltung. Wenn wir jedoch ins Detail gehen, dann muss wohl die Entscheidung gefällt werden: A oder B. A ist: Wir haben ein Recht auf Komplimente, wobei das Männer und Frauen betrifft, und wir müssen uns selber wehren auf Augenhöhe, wenn es zu weit geht. Und B heißt: Schluss mit Anzüglichkeiten, wenn man auf wackeligen Boden gerät, dann sollte man es lieber ganz lassen. Und das ist jetzt die Misere, was machen wir jetzt? Was wollen wir denn wirklich? Müssen wir gar vorsichtiger bis prüder werden?

Für Frauen wie Sie und mich ist das wahrscheinlich kein so großes Ding, weil wir wissen, wie wir uns wehren müssten, …

…ja, genau …

… aber andere Frauen sind da vielleicht nicht so selbstsicher.

Da muss man gucken, wer muss geschützt werden, und vor wem …  Aber Menschen müssen schließlich ihre eigenen Erfahrungen machen, oder?

Schon, ja. Gibt es Sexismus unter Frauen?

(zögert) Ich bin dem noch nicht begegnet. Ich bin ja aber auch wahrscheinlich eher speziell mit meinem Humor. Da kommt nichts so an mich heran. Gerade bei "Ladykracher" machen wir ja auch so unsere Spielchen, aber das ist immer extrem fundiert, wir haben alle sehr hohe Ansprüche, auch wenn das Genre "nur" Komödie ist. Auf der anderen Seite haben wir eben auch ganz große Freude am Grenzwertigen und am Ausloten der Grenzen. Was jedem die Möglichkeit gibt, seine eigenen Grenzen zu entdecken, herauszufinden, was einem zu weit geht. Warum fand ich das jetzt gemein oder geschmacklos? Es ist immer interessant zu sehen, was Leute aufregt und was ihnen gänzlich egal ist. Die Frage "Bin ich zu weit gegangen?" ist bei meiner Arbeit immer da.

Sind diese Ladykracher-Figuren denn in Ihnen? Und irgendwo immer dabei?

Nein, ich gucke mich allerdings um und sammle. Ich beobachte Menschen, speichere das und möchte es dann darstellen.

Zu Nemo: Sind Sie mehr wie Dorie, der lustige, vergessliche Doktorfisch, oder Marlin, der überprotektive Clownfisch-Vater vom kleinen Fisch mit der zu kleinen Flosse?

Christian (Tramitz) und ich sind ganz gut Type-gecastet, also so, wie es uns auch entspricht. Die Vergesslichkeit allerdings teile ich nicht mit Dorie und das Wasser auch nicht, ich bewege mich nicht gerne im Meer. Weit rausschwimmen und tauchen ist nicht meins. Die positive Grundeinstellung teile ich mit Dorie, diese Freude an den schönen Dingen. Und Marlin kommt Christian sehr nah, der ist auch ein sehr ängstlicher Vater. Er neigt sogar zu so panischen Übersprungshandlungen, er wird dann zu laut, wenn er ängstlich ist, vergreift sich mal im Ton, da sind wir schon gut besetzt.

Hilft Ihnen die positive Grundeinstellung denn im Job? Ihre Karrierekurve geht ja stetig nach oben.

Bestimmt, aber das ist kein Garant für den Erfolg. Dafür kenn' ich zu viele, die ganz glücklich sind, die aber dennoch nicht so viel zu tun haben. Es hilft sicher. Und extrem diszipliniert zu sein, das hilft auch.

Herrliche Fernbeziehung: Der Dieter und die Anke.
Herrliche Fernbeziehung: Der Dieter und die Anke.(Foto: dpa)

Worauf freuen Sie sich am meisten bei der Berlinale?

Auf Dieter (Kosslick)! Mit dem habe ich die perfekte Fernbeziehung: Wir sehen uns nur zwei Mal im Jahr, am Anfang und am Ende der Berlinale, aber das ist jedes Mal so großartig. Wir fühlen uns sehr wohl zusammen auf der Bühne und geben uns Halt.

 

Mit Anke Engelke sprach Sabine Oelmann.

"Findet Nemo" - 3D startet am 14. Februar 2013 in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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