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Nicht ganz Schneewittchen, aber fast: Rihanna.
Nicht ganz Schneewittchen, aber fast: Rihanna.(Foto: dapd)

Ganz die Diva: Auf Tuchfühlung mit Rihanna

Von Volker Probst

Mit Siebenmeilenstiefeln reist Rihanna derzeit um den Erdball, um im Rahmen ihrer "777"-Tour an sieben Tagen sieben Konzerte in sieben Städten zu geben. Halt machte sie nun auch in Berlin. Für Wirbel sorgt sie dabei aber nicht nur wegen ihrer Musik.

Seit jeher umweht die Zahl Sieben ein mystischer Hauch. Deswegen gibt es zum Beispiel die sieben Todsünden, das verflixte siebte Jahr, 007, die sieben Geißlein und die sieben Zwerge. Und bleibt man bei den Märchen, dann käme Rihanna wohl die Rolle des Schneewittchens zu. Okay, zugegeben, mit dezenten Abweichungen - das mit dem Haar schwarz wie Ebenholz und den Lippen rot wie Blut käme ja noch hin, aber bei der Haut weiß wie Schnee hakt die Analogie zu der Sängerin aus Barbados dann doch ein wenig.

Von daher hat sich Rihanna wahrscheinlich auch weniger aufs Fabelreich besonnen als vielleicht auf die sieben Weltwunder, ihre sieben Sinne oder die Schöpfungsgeschichte, als sie sich die Aktion zur Bewerbung ihres neuen Albums "Unapologetic" (zu Deutsch: "Kompromisslos") erdachte: sieben Konzerte an sieben aufeinanderfolgenden Tagen in sieben verschiedenen Städten. Nachdem sie ihre sieben Sachen gepackt hatte, begann der Trip am 14. November in Mexiko City, ehe es mit Siebenmeilenstiefeln an Bord einer - natürlich - Boeing 777 weiter ging nach Toronto, Stockholm, Paris und am Sonntagabend endlich auch Berlin.

Ein Buch mit sieben Siegeln

Beinahe so mystisch wie die Zahl Sieben war auch das Brimborium, das um den Auftritt der Sängerin in der deutschen Hauptstadt gemacht wurde. Nur ein exklusiver Kreis von handverlesenen Gästen, ausgewählten Fans und Journalisten sollte Zutritt zu der Veranstaltung erhalten. Und damit nicht vielleicht ein paar enttäuschte Rihanna-Anhänger ohne Einladung versuchen würden, sich im Stile der Sieben Samurai in das Konzert vorzukämpfen, wurde der Austragungsort der für 20.30 Uhr angesetzten Show bis kurz vor knapp geheim gehalten. Die Mail mit den Detail-Informationen erhielten die Auserwählten tatsächlich erst am Sonntag um … 7? Nein, um 7 am Abend begann bereits der Einlass zu dem Konzert. Die Mail indes kam um 14 Uhr - aber wenigstens ist 14 auch durch 7 teilbar.

Das Publikum hat sie im Griff - auch nach drei Stunden Verspätung.
Das Publikum hat sie im Griff - auch nach drei Stunden Verspätung.(Foto: ZB)

Jetzt kann man es ja sagen: Der Ort des Geschehens war der einstige Techno-Tempel "E-Werk" in der Nähe der Friedrichstraße. Ob sich am Ende hier tatsächlich punktgenau 777 Besucher tummelten, die angeblich exakt zu dem Konzert eingeladen worden waren, wird wohl für immer ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. In jedem Fall füllte sich die Halle zu den Klängen der DJs, die für den Superstar Rihanna schon einmal die Feierfreude anheizen sollten, nach und nach immer mehr. An den Beats von "Congorock" und "DJ Reflex" lag es sicher nicht, dass sich die Party-Stimmung der Besucher allerdings in Grenzen hielt. Schon eher an der allgemeinen Ermattung an einem Sonntagabend und der quälenden Warterei auf den Höhepunkt der Veranstaltung. Kaum einer, der sich rechtzeitig einen Platz in der Nähe der Bühne gesichert hatte, wagte, das Feld später noch einmal zu räumen. Wer konnte auch ahnen, wie lange Rihanna auf sich warten lassen würde.

Sieben Stunden? Um Himmelswillen, nein! Allerdings waren die drei Stunden Verspätung, die zu Buche standen, als die Sängerin um 23.30 Uhr schließlich die Bühne betrat, auch schon eine ausreichend lange Geduldsprobe. Beim Outfit blieb der Star an diesem Abend eher schlicht - Sonnenbrille und kniehohe Stiefel, schwarzes Top und schwarze Shorts, darüber ein Netzshirt mit Marihuana-Aufdruck und ein langes weißes Hemd, dessen sich die Sängerin später ebenso wie der Sonnenbrille entledigen sollte.

Mit allen Wassern gewaschen

Eines wird einem so auf Tuchfühlung mit Rihanna schnell bewusst: Die Frau ist ein Profi durch und durch - mit all den Licht- und Schattenseiten, die das birgt. Statt des natürlichen Mädchencharmes, den die 24-Jährige etwa in ihren Videos oft versprüht, wirkt vieles an ihrem Auftritt maskenhaft, aber auch perfekt inszeniert. Da wandert die Zunge ebenso regelmäßig lasziv über die Lippen wie die Hand bewusst verrucht an den Schritt. Da wird immer wieder ins Publikum gewunken, als gäbe es einen bestimmten Adressaten - angesprochen fühlen darf sich jedoch sicher jeder im näheren Umkreis. Da wird ein teures, mit Rihanna-Logo verziertes Handy mal eben in die auffangbereiten Arme der Zuhörer von der Bühne geworfen. Und da wird beteuert, wie toll es doch sei, endlich mal wieder in Berlin zu sein - obwohl die Sängerin im Rahmen ihrer "777"-Tour hier gerade einmal ein paar wenige Stunden verbringen wird.

Keine Frage: Rihanna, die bereits mit süßen 18 ihren ersten Nummer-Eins-Hit hatte, ist mit ihrem mittlerweile siebten Studioalbum "Unapologetic" längst eine mit allen Wassern gewaschene Diva. Dass sie das Publikum drei Stunden auf sich warten lässt, zeugt, so gesehen, auch nicht etwa von Missmanagement. Es passt vielmehr ins Konzept.

Rihanna rauscht bei ihrem Auftritt durch ihr Repertoire. Zu wenigen neuen Songs gesellen sich Hits wie "Don't Stop The Music", "S&M" oder aber "Only Girl (In The World)", viele dabei nur in einer Kurzversion. Während ihre Background-Sängerinnen sie im brüllendlauten Soundbrei zunächst oft noch übertönen, macht Rihanna in zwei Akustik-Sets alles wett. Und zwar wirklich alles, was einem zuvor an dem Abend möglicherweise aufs Gemüt geschlagen haben könnte. Egal, ob Stimme, Gestik oder Mimik - als die Sängerin nur spärlich musikalisch begleitet allein am Mikrofon steht, ist das makellos und magisch. Als sie die Gäste dann nach exakt einer Stunde ohne Zugabe mit "Umbrella" und "We Found Love" wieder lautstark zu Trockeneisnebel und silbernem Konfetti-Regen nach Hause schickt, haben sicher nur noch wenige bereut, bis zum Ende ausgeharrt zu haben.

Sieben Fässer Wein wird Rihanna wohl nach ihrem Auftritt in Berlin nicht mehr geleert haben. Während sie am Vortag im Anschluss an ihr Konzert in Paris noch gefeiert haben soll, wollte sie die deutsche Hauptstadt bereits in der Nacht wieder verlassen. Das Ziel: London, vor New York die vorletzte Station auf ihrer "777"-Tour, bevor sie vermutlich in Siebenschläfer-Modus verfällt. Ach nein, schon bald sollen ja schließlich noch weitere Menschen die Chance bekommen, sie zu sehen, zum Beispiel bei ihren beiden Deutschlandkonzerten am 26. Juni 2013 in Köln und am 2. Juli 2013 wieder in Berlin.

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Quelle: n-tv.de

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