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Trafen sich 1961 im englischen Dartford: Die Herren Mick Jagger und Keith Richards.
Trafen sich 1961 im englischen Dartford: Die Herren Mick Jagger und Keith Richards.(Foto: picture alliance / dpa)

Neues Stones-Album: "GRRR?". : Besser wäre "HMMM!"

Von Manfred Bleskin

Die Rolling Stones haben ein Dreifachalbum mit einigen ihrer erfolgreichsten Songs herausgebracht. Einsteigern ermöglicht die Edition, eine Band von ihren Ursprüngen bis zur Gegenwart kennenzulernen. Denn: Es gibt auch zwei neue Songs. "GRRR", das man besser "HMMM!" titeln solle. Ein Hörbuch der Rockgeschichte.

"GRRR!"
"GRRR!"

Warum die Rolling Stones ihre jüngste Veröffentlichung" GRRR!" getauft haben, will sich nicht erschließen. Der Anlass jedenfalls ist der 50. Geburtstag der Truppe, die 1962 begann und bis auf den Tag eine Erfolgsstory geblieben ist. Auf den drei CDs widerspiegelt sich die Entwicklung von einer blueslastigen Rock & Roll-Band über eine funkig-poppige Soul & Country-Kapelle bis hin … zu einer blueslastigen Rock & Roll-Band wider. Will heißen: Das Dreifachalbum ist nicht nur eine Retrospektive.

Erstmals seit fünf Jahren sind die Herren Jagger, Richards, Watts und Wood wieder ins Studio gegangen und haben der Edition mit "Doom And Gloom" und "One More Shot" zwei neue Songs hinzugefügt, die gut und gern auch aus den ersten Jahren der Band stammen könnten, sieht man einmal von den eher durchschnittlichen Abmischungen des ersten Stones-Producers Andrew Loog Oldham ab. Gleichwohl sind Songs wie "Come On" aus der Feder von Chuck Berry – die erste Single aus 1963 – und die 57er Buddy-Holly-Nummer "Not Fade Away", 1964 die vierte 45er Scheibe, zu immerwährenden Klassikern geworden.

Ausgewählt wurden fast ausschließlich Stücke, die auch als Single erfolgreich waren. So finden sich von "Beggar’s Banquet" (1968), einem der besten Alben der Gruppe, nur die hilflose Protest-Hymne "Street Fighting Man" und das luziferische "Sympathy For The Devil" wieder. Stücke wie "Factory Girl" hätten es durchaus verdient, in die Ausgabe aufgenommen zu werden. Nebenbei: Der Song über den Teufel enthält einen, von den Autoren Mick Jagger und Keith Richards, der sich damals noch ohne das S am Ende seines Nachnamens nannte, nie korrigierten Fehler: Selbst Satan persönlich konnte nicht in Sankt Petersburg dabei gewesen sein, als der Zar und seine Minister getötet wurden. Denn die Stadt hieß damals Petrograd, der Zar und seine Familie wurden im sibirischen Jekaterinburg erschossen, und die Minister des gestürzten Zaren waren nach der Februarrevolution in Russland gar nicht mehr im Amt. Der Beliebtheit des Songs tut das bis heute keinen Abbruch.

Das gilt auch für weitere Tracks. Um nur einige zu nennen: der harte Rocker "Start Me Up" vom 81er Album "Tattoo You", die wunderschöne Countryballade "Wild Horses" von der LP "Sticky Fingers" (1971) und das poetische "She’s a Rainbow" vom Long Player "Their Satanic Majesty’s Request" (1967). Damals hatten sie’s irgendwie mit dem Deuwel. Fazit: Teufel nochmal! Die 50 Songs auf Songs auf "GRRR!" sind eine – weitgehend – gelungenen Ehrung der Band zum 50. Jahrestag ihrer Gründung. Eine Kompilation allerfeinsten Rocks. Geeignet für Einsteiger und – wegen der beiden neuen Songs – auch für Fortgeschrittene. Nur statt "GRRR!" hätte man es "HMMM!" nennen sollen, so gut schmeckt es den Ohren.

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Quelle: n-tv.de

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