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Selbst ist die Frau: Laing.
Selbst ist die Frau: Laing.(Foto: Ben Wolf / Universal Music)

"Ich weiß, wie du beim Ficken klingst": Bettgeflüster mit Laing

Sie sind morgens immer müde, aber abends sind sie wach. Und auch im Interview mit n-tv.de erweisen sich die vier Frauen von Laing - Sängerinnen Nicola Rost, Atina Tabiei Razligh und Johanna Marshall sowie Tänzerin Marisa Akeny - als putzmunter. Wer da nicht ausgeschlafen ist, kann schon mal ins eine oder andere Fettnäpfchen treten.

n-tv.de: Euren Bandnamen muss man glücklicherweise nicht mehr groß erklären. Ihr habt bereits offenbart, dass Laing chinesisch ist für "Heißer Scheiß, der dir ab jetzt am Schuh klebt". Das Einzige, was ich mich frage, ist: Wo habt ihr denn so wunderbar Hochchinesisch gelernt?

Nicola: (lacht) Im Internet und auf langen Tour-Fahrten. Man wird ja auch nicht jünger. Um auf Trab zu bleiben, macht man dann Gehirntraining, schluckt Echinacea und lernt mal so richtig Chinesisch.

Marisa, Johanna, Nicola und Atina (v.l.n.r.) - das sind Laing.
Marisa, Johanna, Nicola und Atina (v.l.n.r.) - das sind Laing.(Foto: Universal Music)

Dass Laing eigentlich auf den Geburtsnamen von Nicolas Mutter zurückgeht, ist also nur ein Gerücht …

Nicola: Nee, es ist wahr. Wir wollten einfach ein Wort, das sonst nichts bedeutet  - das dann also nur "wir" bedeutet.

Die Internet-Domain laing.de ist allerdings schon besetzt. Sie gehört einem Hersteller von Brauchwasserpumpen - was auch immer das ist. Ist das nicht ärgerlich für euch?

Nicola: Nee, ich bin mit denen verwandt.

Oh, verstehe …

Nicola: Ja. Sie machen jegliche Art von Pumpen. Oder zum Beispiel auch Computerkühlung. Wir pumpen als Band auch, aber auf eine andere Art und Weise.

Du, Nicola, wirst ja als Leadsängerin, Songwriterin und Produzentin von Laing geführt. Wie gleichberechtigt geht es denn bei euch zu - oder ist Laing nicht doch mehr oder weniger dein Projekt?

Nicola: Es ist schon irgendwie meine Band, weil ich alleine angefangen und alle anderen dazu geholt habe. Und weil es mein Leben ist. Absolut. Ich mache nichts wirklich anderes. Und es sind ja auch meine Lieder. Aber live und für die Performance sind wir eine Band. Wir sind Freunde und auf Augenhöhe. Aber es ist auch allen klar, wer die Sache entscheidend vorantreibt. Oder?

Atina: Ich! (Allgemeines Gelächter)

Nicola Rost führt die Band, dennoch sind die vier Frauen "Freunde und auf Augenhöhe".
Nicola Rost führt die Band, dennoch sind die vier Frauen "Freunde und auf Augenhöhe".(Foto: Universal Music)

Wenn ihr live auftretet, habt ihr ja aber auch noch immer einen männlichen Schlagzeuger mit auf der Bühne …

Nicola: Ja, wir haben wechselnde Schlagzeuger - wie im echten Leben. Insgesamt sind es drei.

Sind die als Männer zwischen euch eher zu beneiden oder zu bemitleiden?

Marisa: Weder noch.

Atina: "Weder noch" ist geil!

Marisa: Das ist irgendetwas dazwischen. Manchmal sind sie schon verängstigt und suchen den Paravent, hinter dem sie sich verstecken können. (Allgemeines Gelächter) Die drei leiden aber auch unterschiedlich stark.

Nicola: Ehrlich gesagt: Ich glaube, die genießen es alle drei mit uns. Sie verändern sich auch. Man merkt tatsächlich: Männer, die mit uns länger unterwegs sind, verändern sich.

Inwiefern?

Nicola: Sie gehen mehr aus sich heraus, werden offener und frecher mit der Zeit.

Die Kollegen von der "taz" haben eure Bühnenshow als "Revue unter dem Motto 'Berlin 3000'" beschrieben. Seid ihr mit der Umschreibung einverstanden?

Marisa: Ja, hört sich doch erst mal ganz gut an.

Nicola: Dass es etwas von einer Revue hat, haben wir schon öfter gehört. Auch, dass es sehr nach Berlin klingt. Da wir ja keinen Außenblick haben, erschließt sich das für uns nicht so. Aber wenn man nicht aus Berlin kommt, kommt es einem anscheinend sehr typisch für Berlin vor. Und "3000" - das hört sich ja erst mal krass, modern und riesengroß an. Genau unser Ding!

Im vergangenen Jahr habt ihr mit eurem Song "Morgens immer müde" beim Bundesvision Song Contest den zweiten Platz belegt. Überwiegen im Nachhinein Freude und Stolz oder der Ärger, dass es nicht ganz zum Sieg gereicht hat?

Atina: Wir haben ganz oft gehört, dass wir die Sieger der Herzen gewesen seien. Das heißt: Unser Auftritt ist allen im Herz und im Kopf geblieben. Das ist doch fast noch ein schönerer Titel als der eigentliche Sieg.

Beim Bundesvision Song Contest waren Laing die "Sieger der Herzen".
Beim Bundesvision Song Contest waren Laing die "Sieger der Herzen".(Foto: dapd)

Nicola: Und der Effekt war der Gleiche. Wir standen auf der gleichen Bühne wie der Sieger. Uns hat das gleiche Publikum und die gleiche Menge an Leuten gesehen. Und wir waren der Überraschungserfolg. Im Endeffekt haben wir uns in unserem unermesslichen Großmut auch gefreut, dass Xavas (gemeinsames musikalisches Projekt von Xavier Naidoo und Kool Savas, Anm. d. Red.) gewonnen haben. Sie sind schon viel länger in diesem Business und sammeln Fans. Für sie wäre es eine bittere Pille gewesen, hinter uns zurückzustehen. Für uns dagegen war der zweite Platz der Triumph unserer bisherigen Karriere. Deswegen sind wir mit ihm völlig happy und gönnen den ersten Platz den Jungs auf jeden Fall.

Gerade eben erst war der Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Hättet ihr euch vorstellen können, auch da mitzumachen?

Nicola: Ich nicht. Für mich ist das eine richtig gruselige Veranstaltung. Ich verstehe sie auch nicht. Das soll doch ein "Song Contest" sein. Aber ich sehe da nicht mehr die Songs im Vordergrund. Das ist halt "Dance". Da soll es abgehen - ein bisschen nach dem Motto "auf die Fresse". Ich hätte davor Schiss. Außerdem sind Wettbewerbe an sich nicht das, wo man als Künstler am allerliebsten hin will. Denn eigentlich ist das würdelos. Da gibt es eine Handvoll Anwärter, die in eine Rangfolge gebracht werden. Aber eigentlich kann man das gar nicht - weil es Geschmackssache ist.

Der Song "Morgens immer müde" stammt ursprünglich von Trude Herr. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ausgerechnet den zu covern?

Nicola: Durch das Internet - bei YouTube einfach darüber gestolpert.

Wie viel Wahrheitsgehalt steckt denn in dem Song? Seid Ihr Langschläfer?

Nicola: Eigentlich nur ich. Ihr alle gar nicht, oder?

Marisa: Johanna notgedrungen nicht …

Johanna: Aber wenn ich die Möglichkeit habe, dann definitiv schon.

An Ausschlafen ist derzeit für sie eigentlich nicht zu denken.
An Ausschlafen ist derzeit für sie eigentlich nicht zu denken.(Foto: dapd)

Um wach zu werden, hat ja jeder sein eigenes Mittel: kalte Dusche, Jogging um den See, drei Liter Kaffee. Was ist denn für euch der ultimative Muntermacher?

Atina: Die Kombination aus allem drei. (Allgemeines Gelächter)

Marisa: Ich glaube, Kaffee trinken wir alle gern. Und ich bin einfach immer erstaunlich wach.

Nicola: Du gehst aber auch einfach früh schlafen. Ich werde von Adrenalin wach. Gerade ist auch wirklich so viel los, dass mein Kopf angeht, sobald ich die Augen aufschlage. Ich kann dann gar nicht mehr einschlafen.

Gibt es etwas, dass ihr gar nicht leiden könnt? Zum Beispiel redende Menschen am Frühstückstisch oder so …

(Allgemeines Gelächter)

Nicola: Ja, Stress morgens. Kater haben, Eile, los müssen - das ist nervig. Und Kälte morgens ist auch scheiße.

Der bekannteste Song von Trude Herr ist eigentlich nicht "Morgens immer müde", sondern "Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann." Wofür würdet ihr euch denn entscheiden - Schokolade oder Mann?

Atina: Beides.

Marisa: Wir verzichten auf nichts.

Atina: Warum? Wir nehmen sogar noch Sahne dazu. Bam! (Allgemeines Gelächter)

Johanna: Und noch einen Korn!

Zur Schokolade oder zum Mann?

(Allgemeines Gelächter)

Das Album "Paradies Naiv" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "Paradies Naiv" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Universal Music)

Mit "Paradies Naiv" erscheint nun euer erstes Album. Seid ihr auch da nach dem Motto "Selbst ist die Frau" vorgegangen oder habt ihr euch unter die Arme greifen lassen?

Nicola: Das ist auf jeden Fall nach dem Motto "Selbst ist die Frau" entstanden. Ich habe es ja selbst produziert. Aber nicht, weil wir aus Prinzip alles selber machen wollen, sondern weil wir wollten, dass es nach uns klingt. Uns geht es ja nicht darum, unbedingt irgendwie ins Rampenlicht zu kommen. Wenn wir ins Rampenlicht kommen, dann, indem wir zeigen, dass wir eine geile Sache in der Tasche haben.

Wie entsteht bei euch Musik?

Nicola: Ich sitze am Computer, baue Beats und schreibe Songs. Dann kommen die Mädels dazu, wir nehmen auf und gehen auf die Bühne.

Das heißt, Instrumente spielen erst einmal keine Rolle …

Nicola: Der Computer ist ja ein Instrument. Im Prinzip kann man alle Instrumente imitieren, wenn man den Rhythmus und die Harmonien baut. Und außerdem sind unsere eigentlichen Instrumente die Stimmen. Wir machen mehrstimmigen Gesang und auch viele Stimmeffekte. Das zu proben und gut hinzukriegen, ist richtig Arbeit. Wir fühlen uns immer ein wenig auf den Schlips getreten, wenn man uns als Sängerinnen nicht für voll nimmt. Was wir zu dritt machen, muss man erst einmal singen.

Wenn es um eure musikalischen Einflüsse geht, dann werden da die Supremes ebenso zitiert wie Kraftwerk, Nina Hagen oder die Neue Deutsche Welle. Eigentlich die komplette Musikhistorie …

Johanna: Richtig!

Marisa: Das kann man schon so sehen. Jeder bringt so seine eigenen Einflüsse mit. Da fließt schon die Weltgeschichte der Musik mit ein. (lacht) Aber an einem Punkt treffen wir uns dann alle musikalisch.

Schließt ihr ein Genre für euch aus?

Nicola: Rock und Gitarre ist jetzt nicht gerade das Präsenteste bei uns. Aber wir lehnen das auch nicht ab. Wir hören sowas schon auch mal im Auto.

Im Interview mit ihnen sollte man sich nicht hängen lassen.
Im Interview mit ihnen sollte man sich nicht hängen lassen.(Foto: Universal Music)

In euren Texten nehmt ihr nicht unbedingt ein Blatt vor den Mund, wenn ich da an Textzeilen denke wie: "Ich weiß, wie du beim Ficken riechst …"

Alle: Riechst! (Allgemeines Gelächter)

Verdammt - klingst! Ich meinte: klingst …

(Allgemeines Gelächter. Keine Chance - Versprecher sind des Interviewers Tod, Anm. d. Red.)

Johanna: Wetten dass..? Topp, die Wette gilt!

Atina: (rümpft die Nase) Das ist Peter. Das ist Olli …

Okay, ich versuche es nochmal. Der Text lautet: "Ich weiß, wie du beim Ficken KLINGST, aber ich konnte mir nie merken, dass du Kaffee gern mit Zucker trinkst". Wie autobiografisch sind denn die Texte?

Nicola: Es steckt einiges von mir in ihnen, aber auch viel von anderen. Sie sind nicht mein Tagebuch. Aber natürlich handelt es sich um Sachen, die mir entweder so oder so ähnlich passiert sind oder die ich sehr gut nachfühlen kann. Und natürlich arbeitet man in der Kunst auch mit Überspitzungen und Übertreibungen. In jedem Fall kann ich mich mit allem identifizieren - und ich denke, die restliche Band auch.

In dem Making-Of zu "Ich bin morgens immer müde", das man sich bei YouTube ansehen kann (und unterhalb dieses Interviews), erzählt Nicola von einem Nutzerkommentar im Netz …

Nicola: (lacht) Ja, ich weiß, welchen du meinst: "Ich kann singende Frauen nicht ernst nehmen, ich sehe immer nur Titten." Das ist tatsächlich nicht unüblich. Wenn ich zum Beispiel sage, dass ich unsere Musik produziere, werden oft die Augenbrauen hochgezogen: "Okay, das kann ich mir jetzt gar nicht so vorstellen, aber wenn du das so sagst …" Für manche Leute ist es immer noch Neuland, dass man als Frau mit dem Computer vertraut sein kann und wir uns das alles ganz allein ausdenken.

Hat man es als Frauenband also schwerer, für voll genommen zu werden?

Nicola: Nee, wir haben ja auch schlagkräftige Argumente, die Männer nicht haben. Die ganze Bandbreite … Oder?

Marisa: Was meinst du jetzt genau damit? (Allgemeines Gelächter) Ich glaube, dass wir das nicht so ernst nehmen und uns nicht so schwer machen. Wir machen schon unser Ding. Und wenn dann jemand fragt, wer denn die Musik gemacht hat, können wir ganz ehrlich sagen, dass sie von uns stammt. Wir sehen uns da jetzt nicht benachteiligt oder so.

Ihr kennt die Jungs von K.I.Z. sehr gut. Als sie ein Konzert nur für Frauen gegeben haben, wart ihr die Vorband. Erklärt mir das doch bitte mal: Wie kann es sein, dass Frauen bei den Texten von K.I.Z. abgehen?

Nicola: Weil sie einfach Humor haben. Was uns hier in jedem Fall total eint, ist unser Sinn für Humor. Und das ist ein derber Sinn für Humor. Bei K.I.Z. wird ja alles extrem auf die Spitze getrieben. Wenn sie zum Beispiel sagen, "Ich bin romantisch, komm, ich fick dich, bis du Sterne siehst", können wir uns darüber totlachen.

Last but not least: Wir sind hier zum Interview auf einer Bowlingbahn. Warum eigentlich?

Atina: Weil alles flowed. (Allgemeines Gelächter)

Johanna: Die Bahn ist frei, die Kugel rollt. Such dir was aus.

Mit Nicola Rost, Atina Tabiei Razligh, Johanna Marshall und Marisa Akeny sprach Volker Probst

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Laing befinden sich im März und April 2013 in Deutschland auf Tour: Dresden (13.03.), Kassel (15.03.), Aschaffenburg (19.03.), Heidelberg (20.03.), Stuttgart (21.03.), Reutlingen (23.03.), München (24.03.), Erfurt (28.03.), Osnabrück (13.04.), Essen (14.04.), Köln (16.04.), Hameln (18.04.), Hannover (19.04.), Münster (20.04.), Hamburg (22.04.), Kiel (24.04.), Rostock (25.04.), Berlin (26.04.)

Quelle: n-tv.de

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