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Etwas durchgeknallt sehen sie zumindest aus: das Team der "Suicide Squad".
Etwas durchgeknallt sehen sie zumindest aus: das Team der "Suicide Squad".(Foto: Warner Bros.)
Mittwoch, 17. August 2016

"Suicide Squad", die Anti-Helden: Böse gegen Böse

Von Anna Meinecke

Besonders ehrenwert sind sie nicht. Sie sind nicht zuverlässig, nicht vertrauenswürdig - und doch sollen sie die Welt retten. Eine Gruppe Schwerkrimineller formiert sich zum "Suicide Squad". Der gleichnamige Film will das etwas andere Superhelden-Kino bieten.

"Worst Heroes Ever" - so vermarktet "Suicide Squad" seine Helden. Der Film will ein Gegenentwurf sein zu den gestriegelten Edelmännern, die in Comic-Kosmen für gewöhnlich so die Welt retten. Er verspricht ein Himmelfahrtskommando aus irren Killermaschinen, Outlaws und genialen Freaks - eine Art "Justice League" der Bösewichte. Doch das Versprechen können Regisseur David Ayer und sein Team kaum halten.

Der Film beginnt mit einer unterhaltsamen Vorstellungsrunde. Da ist Will Smith als Auftragsmörder Deadshot, sehr muskulös und überraschend humorvoll. Und da ist Margot Robbie als Harley Quinn, eine dem Wahnsinn verfallene Psychiaterin, die sich aus Liebe zum Joker in dessen weibliches Spiegelbild verwandelt hat und mit vollem Körpereinsatz allen Kollegen die Show stielt. Gemeinsam mit dem Pyromanen El Diablo, Killer Croc, Captain Boomerang und Slipknot ist das tödliche Spezialeinsatzkommando komplett. Ganz klassisch - mittels Erpressung - nimmt der "Suicide Squad" seinen Dienst für die Regierung auf.

Lauwarme Superböse

"Suicide Squad" versammelt eine Menge großartiger Figuren aus der Welt der DC Comics, doch Ayer weiß mit ihnen nichts anzufangen. Ein Gefängniswärter, gespielt von Ike Barinholtz, hinterlässt einen bleibenderen Eindruck als die meisten Superbösen. Und dann setzt Ayer dem Squad auch noch die denkbar ödesten Gegner vor, schickt den Trupp in ein Weltuntergangsszenario voll verzerrter Stimmen und Lichteffekte, die den Ghostbusters alle Ehre machen.

Über den miesen Plot kann auch Viola Davis’ abgeklärte Grausamkeit in der Rolle von Squad-Koordinatorin Amanda Waller nicht wegtäuschen. Hätte sie nicht darauf bestanden, ihre Spezialeinheit zu rekrutieren, hätte keine magische Apokalypse halb Midway City zerlegt. Militär und Geheimdienst hätten deutlich weniger engagiertes Personal verfeuert und ein "Suicide Squad" hätte erst gar nicht ausrücken müssen.

Das Publikum soll sich auf die Seite der Schurken schlagen. Die ziehen Grimassen, klauen Handtaschen und öffnen sich noch auf dem Weg zum riskanten Einsatz noch schnell eine Dose Bier. "Suicide Squad" steuert mit beinahe aggressiver Albernheit gegen die bedeutungsschwangere Ernsthaftigkeit anderer Superheldenfilme an, nur um sich dann selbst ins Knie zu schießen.

Schurken mit bürgerlichen Träumen

In einer entlarvenden Szene lässt Ayer seine Figuren von einem besseren Leben träumen. Und während sie sich doch gerade noch so viel Mühe gegeben hatten, die Zähne zu fletschen und ein wenig boshaft zu sein, sehnen sie sich plötzlich nach einem akkuraten Haarschnitt, einer lichtdurchfluteten Küche und zwei blonden Kindern.

"Suicide Squad" ist lange nicht so lässig, wie es der bunte Soundtrack mit "Come Baby Come" von K7, "Seven Nation Army" von The White Stripes oder "Paranoid" von Black Sabbath gern vermitteln würde. Die starke Leistung der einzelnen Schauspieler geht im Team nicht auf, Jared Letos ziemlich starker Joker verkommt glatt zur dekorativen Randfigur. Am schwersten aber wiegt, dass hier ursprünglich fiese Einzelkämpfer zu sehen sein sollten, die Gutes wirklich nur unter allergrößtem Zwang zu tun bereit sind. Dieser "Suicide Squad" geht aber nach getaner Arbeit noch gemeinsam einen heben. Er ist nicht böse, sondern banal.

"Suicide Squad" läuft ab dem 18. August in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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