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Zwei Brüder, wie sie im Buche stehen: Sebastian (Mark Strong, l.) und Nobby (Sacha Baron Cohen).
Zwei Brüder, wie sie im Buche stehen: Sebastian (Mark Strong, l.) und Nobby (Sacha Baron Cohen).(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Kacka-Penis-Hoden-Scherze: "Borat" geht unter die Gürtellinie

Von Volker Probst

In seinem neuen Film wird "Borat"-Darsteller Sacha Baron Cohen intim. Mit dicken Frauen, seinem Bruder, Feuerwerkskörpern und Tieren. "Der Spion und sein Bruder" ist eine Verkettung von Zoten. Und Donald Trump kommt auch vor. Schlimm! Oder?

Was soll man über diesen Film bloß schreiben, ohne bereits zu viel zu verraten? Fassen wir also zunächst einmal nur kurz den Inhalt zusammen. Im Mittelpunkt steht Nobby (Sacha Baron Cohen). Und nicht nur er, sondern auch sein Bruder Sebastian (Mark Strong). Dabei hatten die beiden 28 Jahre lang eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Schon als Kinder voneinander getrennt, wächst Nobby im englischen Kaff Grimsby auf. Mit seiner dicken, dafür aber im Bett umso geileren Freundin (Rebel Wilson) und seinen neun Kindern. Und er interessiert sich, wofür sich der Brite aus der Arbeiterklasse halt so interessiert: Fußball, Pubs und Raketen, die man sich in den Hintern stecken kann.

Der als Bub von reichen Pflegeeltern adoptierte Sebastian hat indes einen ganz anderen Lebensweg eingeschlagen. Er ist Geheimagent geworden. Eine Kampfmaschine mit der Lizenz zum Töten. Und so geheim, dass auch sein bierbäuchiger Bruder davon all die Jahre nichts mitbekommen hat. Doch nun kreuzen sich die Wege der beiden wieder - sehr zur Freude von Nobby, weniger zu der von Sebastian. Schließlich ist der Agent gerade einer fatalen Verschwörung auf der Spur, die große Teile der Weltbevölkerung bedroht. Und dabei kann er seinen prolligen Dumpfbacken-Bruder nun eigentlich so gar nicht gebrauchen. Eigentlich …

"Austin Powers" war gestern

Klingt wie eine überdrehte James-Bond-Parodie? "Die nackte Kanone" trifft "Austin Powers"? Stimmt, im Prinzip ist es das. Doch auf die Handlung kommt es in dem Film, der in einer Nebenrolle auch noch Hollywood-Beauty Penélope Cruz auffährt, gar nicht an. Sondern auf den Humor. Und der ist - wer hätte von "Borat"- und "Brüno"-Darsteller Baron Cohen schon etwas anderes erwartet? - noch einmal um mindestens fünf randvolle Dixi-Klos versiffter als der der Genre-Zwillinge aus dem vorigen Jahrtausend.

Die Erotik kommt in dem Film nicht zu kurz.
Die Erotik kommt in dem Film nicht zu kurz.(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Nein, wie gesagt, wir wollen hier keine Spaßrakete schon vorzeitig abschießen - zumal wir das mit den Raketen dann auch doch lieber Nobby überlassen. Nur so viel: Man muss für diesen Film schon einen gehörigen Sinn für Popo-Kacka- und Penis-Hoden-Sperma-Humor mitbringen. Und man darf nicht so politisch korrekt sein, um Baron Cohen - wie auch schon bei "Brüno" geschehen - vorzuwerfen, mit althergebrachten homophoben Klischees Schabernack zu treiben. Dann jedoch wird man sich das Lachen kaum verkneifen können. Um nicht zu sagen: Spätestens wenn einen der Typ im Kinosessel nebenan mit seinem Dauerkichern ansteckt, muss man aufpassen, dass man das Popcorn nicht auch vor Brüllen im hohen Bogen hinausprustet.

Nichts als "Abschaum"?

Klar, "Der Spion und sein Bruder" ist eine schlichte Komödie nach Drehbuch. Dafür, dass der Streifen neben all seinen Zoten aber etwa auch mit irrsinnigen Verfolgungsjagden in Ego-Shooter-Perspektive aufwartet, trug "The Transporter"-Regisseur Louis Letterier die Verantwortung. Entlarvende Aha-Erlebnisse wie in den Mockumentarys "Borat" und "Brüno" gibt es hier nicht. Und auch keine Gesellschaftskritik, wie man sie Baron Cohen bei seinem Spielfilm "Der Diktator" vielleicht noch unterstellen mochte. Es sei denn, man wollte allen Ernstes der banalen Moral des Films, dass auch und gerade der "Abschaum" der Arbeiterklasse mit Feuerwerkskörpern im Anus es wert ist, gerettet zu werden, politische Ambitionen nachsagen. Und, ja, okay, zumindest Donald Trump kriegt in "Der Spion und sein Bruder" auch sein Fett weg.

Ansonsten jedoch lässt einen Baron Cohens neuester Streich mit nichts zurück. Außer dem Lachen, dass man auch auf dem Nachhauseweg beim Gedanken an manche Szene noch immer nicht unterdrücken kann. Und dem Gefühl, dass man Elefanten von jetzt an für immer mit anderen Augen begegnen wird. Aber dieses Gefühl holen Sie sich am besten selbst im Kino.

"Der Spion und sein Bruder" läuft ab sofort in deutschen Kinos

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Quelle: n-tv.de

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