Unterhaltung
Charly Hübner spielt in "Magical Mystery" Charlie mit "ie".
Charly Hübner spielt in "Magical Mystery" Charlie mit "ie".(Foto: DCM)
Donnerstag, 31. August 2017

"Nie nackig am Himalaya": Charly Hübner zwischen Stillstand und Rave

90er-Jahre Rave-Kultur und 60er-Jahre Hippie-Flair - mit diesem Mix wollen in "Magical Mystery" eine Gruppe Techno-Fans ganz Deutschland um den Finger wickeln. Zu ihnen stößt Karl Schmidt. Nach einem Therapieaufenthalt ist er in einer Anti-Drogen-WG gestrandet. Die Nüchternheit macht ihn zum perfekten Fahrer der bunten Truppe und die bunte Truppe wird perfekt für ihn. Karl Schmidt taut auf. Aus Sven Regners Roman "Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt" hat Arne Feldhusen einen Film gemacht, der zwischen ganz viel Spaß elegant Tiefsinn versteckt. Die Hauptrolle spielt "Polizeiruf 110"-Ermittler Charly Hübner. Mit langen Zottelhaaren und ein paar Kilo mehr auf den Rippen wirkt er ungewohnt verletzlich, aber nicht weniger mutig. Der 44-Jährige erklärt n-tv.de, wieso sich von Karl Schmidt so ziemlich jeder eine Scheibe abschneiden könnte und wieso er in jungen Jahren immer allein durch Clubs gezogen ist.

n-tv.de: Deine Figur im Film heißt Karl, wird aber Charly genannt. Wie ist es, wenn man in der Rolle mit dem gleichen Namen angesprochen wird, den man auch im Alltag trägt?

Charly Hübner: Ich hatte gedacht, das wird schlimmer. Ich bin ein Schriftmensch, ich lese viel. Für mich war dieses "ie" am Ende von Charlie Schmidt sehr hilfreich in Abgrenzung zu Charly Hübner mit "y". Dadurch konnte ich das gut trennen.

Charlie mit "ie" ist auf seine Art weise. "Manchmal bewegt sich einer nicht, aber deshalb ist er noch lange nicht tot", sagt er über ein Krokodil und spricht dabei von sich. Was bedeutet für Sie Stillstand?

Ich bin viel zu selten im Stillstand. Wenn es mal vorkommt, genieße ich das sehr. Aber ich bin auch nie zwangsmäßig in Stillstand geraten wie Karl Schmidt. In der Form kenne ich das von mir nicht. Ich konnte bei den Dreharbeiten nicht sagen: "Oh, das ist ja genau wie bei mir damals, wo mir die Beine abgefallen sind und ich nackig am Himalaya lag."

Karl Schmidt hat eine Therapie hinter sich, lebt in einer betreuten Wohngruppe und bricht dann aus. Lässt sich seine Geschichte auch als Appell verstehen, Menschen mit psychischen Krankheiten weniger in Watte zu packen?

In der Wohngruppe von Karl Schmidt geht es eher freudlos zu.
In der Wohngruppe von Karl Schmidt geht es eher freudlos zu.(Foto: DCM)

So weit würde ich nicht gehen. Wenn man Karl im Buch kennenlernt und jetzt auch im Film, wirkt er nicht so verstört oder so unselbstständig, dass man das Gefühl hat, das ist jetzt gefährlich für ihn. Man denkt eher: Das ist mal ein guter Versuch! Einen guten Versuch sollte man öfter mal starten im Leben. Auch alle vermeintlich Gesunden können öfter mal einen guten Versuch starten.

Wenn man sich Karls Mitbewohner aus der WG anguckt, sehen die wirklich alle aus, als könnten sie mal wieder einen Ausflug gebrauchen.

Da ist so eine Ratlosigkeit, die einem durchaus vertraut vorkommt, wenn man sich mal mit den Institutionen befasst hat, die sich um Menschen mit psychischen Krankheiten kümmern. Oft geht es da eher ums Verwalten einer Sackgasse. Dabei ist es doch so: Wenn man mit dem Auto zum TÜV muss, wird daran geschraubt und dann ist es wieder fit. Insofern ist es gut, dass Karl Schmidt in einem jungen Alter sagt: "Ich geh' nochmal vor an die Kreuzung und guck', was los ist."

"Magical Mystery" spielt im Berlin der 90er-Jahre. Zu der Zeit haben Sie an der renommierten Ernst Busch Schule Schauspiel studiert. Wie haben Sie die Zeit erlebt? Wilde Jahre?

Raves wie bei "Magical Mystery" standen bei Charly Hübner eher selten auf dem Programm.
Raves wie bei "Magical Mystery" standen bei Charly Hübner eher selten auf dem Programm.(Foto: DCM)

Na, vor allem habe ich studiert. Ich wollte ja kein Musiker werden oder DJ oder so. Für mich war Schauspielerei das A und O. Ich wollte das machen und wollte das Studium gut hinkriegen. Wenn man dann abends mal Zeit hatte, ging man ins Kino, ins Theater, zu Konzerten - oder auch mal zum Rave. Ich bin meistens alleine gegangen.

Wieso das denn?

Mit anderen tanzen zu gehen, fand ich komisch. Im Jahrgang über mir gab es einen, der wirklich drin war in der Szene. Der wusste, welche Clubs gerade gut waren und in welche man nicht mehr gehen musste, weil es die ohnehin bald nicht mehr geben würde. Er hat uns immer gecoacht. Das war ein richtiger Raver. Der sah auch so aus. Ich sah aus wie ein Schauspielstudent mit Klamotten, die ich irgendwie zusammengekriegt hatte von den paar Kröten. Ich bin hauptsächlich mit Textbüchern durch die Gegend gelaufen.

Die Techno-Szene wird gemeinhin mit düsterem Rausch und Exzess in Verbindung gebracht. Da ist auch was dran. Aber es haben sich auch immer alle sehr lieb - ist bei "Magical Mystery" genauso.

Sieht in echt ein bisschen anders aus als im Film: Charly Hübner.
Sieht in echt ein bisschen anders aus als im Film: Charly Hübner.(Foto: imago/Stephan Wallocha)

Es gibt den Grundgedanken: Leute, warum müssen wir es uns immer alle miteinander so schwer machen? Warum sind wir so schnell im Aussortieren? Warum sind wir nicht genauso schnell im Zusammenkommen und Verbinden?

Im Film gibt es eine Szene, in der Karl Schmidt in der Eisdiele quarzt. Das haben Sie früher bestimmt auch gemacht. Macht sie so ein Setting nostalgisch?

Ich war ja damals Starkraucher. Wenn ich heute noch Starkraucher wäre, würde ich sagen, ich würde es sehr vermissen. Aber ich bin nun seit zehn Jahren Nichtraucher und durchaus froh, dass man an einem Ort mit Rauch und am anderen ohne Rauch essen kann.

Und wie überstehen Sie als Mittlerweile-Nichtraucher solche Dreharbeiten?

Das geht einfach. Ich hab' damit wahrlich kein Problem. Gott sei Dank.

Mit Charly Hübner sprach Anna Meinecke.

"Magical Mystery" startet am 31. August in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen