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Wieder zu Hause bei Bush: Gavin Rossdale.
Wieder zu Hause bei Bush: Gavin Rossdale.(Foto: dapd)

"Das checke ich echt nicht": Da ist was im Bush

von Volker Probst

Er ist Rockstar, Frauenschwarm und ganz nebenbei auch der Ehemann von Gwen Stefani: Gavin Rossdale. In diesem Jahr hat er seine Band Bush reaktiviert - und feierte mit dem Album "The Sea Of Memories" ein phänomenales Comeback. Trotzdem ist es gar nicht so schwer, den Sänger aus der Fassung zu bringen.

Nein, Fragen zu seinem Familienleben und seiner ebenfalls prominenten Gattin Gwen Stefani sollte man bitteschön unterlassen. Okay, vielleicht ein oder zwei, aber im Vordergrund des Gesprächs müsse bitte schon die Musik von Bush stehen. Das jedenfalls schärft einem das Management der Gruppe ein, ehe man zum Interview mit Sänger Gavin Rossdale vorgelassen wird. Kein Problem, schließlich gehören wir ja nicht zu der Spezies von Journalisten, die zuvorderst zwischen den Laken von Prominenten nach Geschichten wühlt. Und zudem bieten Bush, das Comeback der Band und Frauenschwarm-Frontmann Rossdale durchaus auch so genügend Gesprächsstoff.

"Wir waren immer eine vierköpfige Band."
"Wir waren immer eine vierköpfige Band."(Foto: earMusic)

Dennoch: Unsere ein, zwei Fragen zu Stefani lassen wir uns selbstredend nicht nehmen. Und - wie so oft - im Gegensatz zu denen, die ihn vor allzu privaten Nachforschungen schützen wollen, zeigt sich der Schützling selbst in der Angelegenheit äußerst entspannt. Ja, die Frage, was denn Stefani vom Bush-Comeback hält, nutzt Rossdale gar zu einer öffentlichen Liebeserklärung an seine Frau: "Sie sagte, sie sei sehr stolz auf mich, weil meine Kreativität nie nachgelassen habe. Und weil ich nie aufgehört habe, einen Weg zurück zu suchen", erklärt Rossdale und fügt hinzu: "Sie hat so eine bezaubernde Art, Dinge zu sagen. So berührend. Das macht mich so dankbar, mit ihr zusammen sein zu dürfen."

Das klingt schon geradezu ehrfurchtsvoll. Erst recht, als Rossdale auf die Frage, wie denn Stefani das neue Bush-Album "The Sea Of Memories" findet, antwortet: "Keine Ahnung. Ich habe es ihr nicht vorgespielt. Ich möchte, dass sie es sich von sich aus irgendwann anhört. Ich hätte zu viel Angst, dass es ihr nicht gefällt." Kein Zweifel: An kommerziellen Erfolg hat seine Frau Rossdale in den zurückliegenden Jahren weit überholt. Mit ihren beiden Solo-Alben stieß die No-Doubt-Sängerin in die Spitze des Charts-Pop vor. Doch gerade hierin liegt der Kasus Knacktus. Zwar landete Stefani damit beim Massenpublikum, doch ihre alten Fans, die sie mit ihrer punky "Just A Girl"-Attitüde begeistert und mit "Don't Speak" zum Schluchzen gebracht hatte, stieß sie mit ihrem Wandel zur snobby Bling-Bling-Lady im Duett mit Dicke-Hose-Sängern wie Akon vor den Kopf.

Apropos Grunge

Irgendwie schien das einstige Rockstar-Traumpaar Rossdale und Stefani da auf einmal gar nicht mehr so recht zusammenzupassen. Und vielleicht kursierten auch deshalb im vergangenen Jahr sogar Trennungsgerüchte um die beiden. Rossdale jedenfalls ist sich musikalisch durch und durch treu geblieben. Das beweist nicht zuletzt "The Sea Of Memories" - auf dem ersten Studioalbum unter dem Label Bush seit zehn Jahren rockt und schrammelt er wie zu besten Zeiten in den 90ern, als die Gruppe mit Hits wie "Swallowed" und "The Chemicals Between Us" die Post-Grunge-Jünger um sich scharte. Apropos Grunge: "Oh, 'Grunge' ist eines dieser Worte, die so überstrapaziert wurden, dass man ihre Bedeutung kaum noch fassen kann. Ich weiß nicht, was das heißt", sagt Rossdale darauf angesprochen. Und auch die Frage, ob er denn Bush damals als einen Teil der Grunge-Szene gesehen habe, will oder kann er nicht eindeutig beantworten: "Ich bin mir nicht sicher."

Glamour-Paar wider Willen? Gavin Rossdale mit Ehefrau Gwen Stefani.
Glamour-Paar wider Willen? Gavin Rossdale mit Ehefrau Gwen Stefani.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Sehr sicher ist sich Rossdale indes, dass die Entscheidung, Bush zurück ins Leben zu rufen, richtig war - auch wenn von den Originalmitgliedern außer ihm nur Schlagzeuger Robin Goodridge mit von der Partie ist. Ohne Bush habe er sich "unglücklich" gefühlt, sagt der Sänger. Darüber konnten ihm auch die zwischenzeitlich von ihm gegründete Band Institute und sein 2008 veröffentlichtes Soloalbum nicht hinweghelfen. Dabei schien er doch von jeher die treibende Kraft hinter Bush zu sein - nicht nur als Frontmann mit seiner unverwechselbar-charismatischen Stimme, sondern auch als alleiniger Songschreiber der Gruppe. Doch Rossdale ist eine Feststellung wichtig: "Wir waren immer eine vierköpfige Band. Den Sound haben wir zusammen erzeugt. Es war nie so, dass es sich nur um mich gedreht hätte."

Die "Schlechte-Vater-Medaille"

Gleichwohl gelang es ihm nicht, seine früheren Mitstreiter Nigel Pulsford und Dave Parsons für das Bush-Comeback zu gewinnen, so dass an ihrer Stelle nun Gitarrist Chris Traynor und Bassist Corey Britz zum Line-up gehören. Bei der Frage, warum er bei den Originalmitgliedern abgeblitzt ist, driftet Rossdale abermals von ganz allein ins Private ab: "Weil das Leben weiter geht, und sie Verantwortung tragen. Ich respektiere sie beide voll und ganz und verstehe sie auch total. Ich fühle mich auch meiner Familie zu 1000 Prozent verpflichtet, so, wie das jeder tun sollte. Und die Tage, an denen ich von ihr getrennt bin, sind die einsamsten und härtesten."

Ihre Tournee führt Bush durch manch ausverkaufte Halle.
Ihre Tournee führt Bush durch manch ausverkaufte Halle.(Foto: earMusic)

Rossdale und Stefani haben selbst zwei Kinder, die Söhne Kingston James McGregor und Zuma Nesta Rock. Und während andere von einem Rockstar-Leben träumen, schildert der Sänger die Schattenseiten, die es mit sich bringt, rund um den Globus zu touren: "Man zahlt dafür einen sehr hohen Preis. Ich lasse einen Drei- und  einen Fünfjährigen die Hälfte ihres Lebens ohne ihren Vater verbringen. Dafür könnte es die 'Schlechte-Vater-Medaille' des Jahres geben. Das ist nicht cool. Aber ich versuche, ihnen einen gewissen Lebensstandard zu bieten. Alles, was ich tue, tue ich für sie. Wenn man mal Kinder hat, geht es nicht mehr um einen selbst."

Genetisch determiniert

Auch Stefani, die einmal beste Chancen hatte, Madonna als Popkönigin nachzufolgen, hat letztendlich ihre Karriere ein Stück weit der Familie geopfert - ihr bislang letztes Album erschien vor fünf Jahren. Vermutlich liegt es dann auch vor allem an der musikalischen Entwicklung seiner Frau, dass wir Rossdale mit einer nur bedingt glücklichen Parabel konfrontieren: Ist seine Sehnsucht nach Bush möglicherweise mit der von Robbie Williams nach Take That vergleichbar? Schließlich macht Robbie keinen Hehl daraus, sich im Schoß der Gruppe einfach wohler zu fühlen als in der Rolle des Alleinunterhalters. "Wow! Glückwunsch! Du bist der Erste, der es geschafft hat, eine Verbindung zwischen mir und Robbie Williams herzustellen. Das ist eine ziemliche Leistung, wow!", gibt sich Rossdale sichtlich irritiert.

Sie sind, so Rossdale, einfach für "Rock am Ring" gemacht.
Sie sind, so Rossdale, einfach für "Rock am Ring" gemacht.(Foto: earMusic)

"Ich hätte jetzt vielleicht an Robbie Robertson (Ex-Mitglied von Bob Dylans Gruppe The Band) oder Sting gedacht. Aber Robbie Williams?!?" Der entstamme doch einem ganz anderen Genre und führe in "der Pop-Welt" ein ganz anderes Leben als er. "Die Verbindung checke ich echt nicht", kriegt sich Rossdale kaum noch ein, bis wir ihn schließlich doch zum Kern der Frage, ob er sich in der Gruppe womöglich aufgehobener fühle als alleine, zurückholen. "Bei mir geht es nicht so sehr darum", erklärt der Sänger. "Okay, ich mag die Kameradschaft in einer Band. Aber ich stehe auch einfach darauf, ihren Namen auf Plakaten zu lesen. Ich bin dafür gemacht, genetisch determiniert bei 'Rock am Ring' zu spielen. Und wenn man bei 'Rock am Ring' spielt, will man da den Bandnamen sehen: BUSH! Und nicht diesen fucking Solonamen."

"Ich habe Geschichte geschrieben"

Nicht zuletzt seine genetischen Anlagen sind es wohl auch, die zahlreiche Frauenherzen beim Anblick Rossdales höher schlagen lassen. Der gebürtige Engländer Rossdale, der die private Eliteschule von Westminster in London absolviert hat, sieht, das muss man neidlos anerkennen, mit seinen 46 Jahren verdammt gut aus. Und er ist witzig, hier und da ein wenig sarkastisch und ironisch, zugleich jedoch auch selbstkritisch. Etwa dann, wenn er sagt, er habe es geschafft, immer einen Weg zu finden, Dinge möglichst falsch zu machen. Nur das neue Album, das er ohne große Plattenfirma im Hintergrund auf eigene Faust herausgebracht hat, sei mit Sicherheit kein Fehler. Schließlich schaffte es der darauf enthaltene Song "The Sound Of Winter" als erste selbst produzierte Single überhaupt an die Spitze der Radio-Charts in den USA. "Ich habe Geschichte geschrieben. Endlich habe ich etwas richtig gemacht", sagt Rossdale mit der für ihn typischen Prise Selbsthumor.

Das aktuelle Album von Bush heißt "The Sea Of Memories".
Das aktuelle Album von Bush heißt "The Sea Of Memories".(Foto: earMusic)

An welcher Stelle eines Matches würde der ausgewiesene Tennis-Fan Rossdale denn seine Karriere mit Bush nun verorten, wollen wir wissen - der erste Satz könne es ja wohl nicht sein. "Ich befinde mich gerade noch im Training", sagt der Sänger darauf spontan. Nur wenn es um sein Privatleben geht, hört der Spaß dann eben doch irgendwann auf. "Privatleben? Was für ein Luxus! Kannst du mir sagen, wie der sich anfühlt?", sagt der Musiker, der, so scheint es, mit Stefani nur bedingt freiwillig zum Glamour-Paar aufgestiegen ist. Natürlich sei ihm der Schutz seiner Privatsphäre genauso wichtig wie "unmöglich", erklärt Rossdale und gibt ein Beispiel: "Wir haben gerade unser Haus renovieren lassen. Das ist wirklich schön geworden. Also fragten uns der Architekt und der Innenausstatter, die einen tollen Job gemacht haben, ob sie von dem Ergebnis Fotos haben könnten. Das mussten wir leider ablehnen. Denn das ist wirklich die letzte Intimsphäre, die wir in unserem Leben noch haben." Aber nach Fotos aus seinem Schlafzimmer hätten wir ihn ja eh nicht gefragt.

Quelle: n-tv.de

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