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An den Anblick von Jennifer Lawrence sollten sich Zuschauer gewöhnen. Laut Regisseur macht er die Hälfte des Filmes aus.
An den Anblick von Jennifer Lawrence sollten sich Zuschauer gewöhnen. Laut Regisseur macht er die Hälfte des Filmes aus.(Foto: Paramount Pictures)
Montag, 11. September 2017

Jennifer Lawrence im Horrorhaus: Dantes Inferno ist nichts gegen "Mother!"

Von Lisa Schwesig

Ein Haus im Nirgendwo, ein namenloses Ehepaar und ungebetene Gäste: Das Szenario für den Psychothriller "Mother!" könnte klassischer nicht sein. Doch die Geschichte ist alles andere als gewöhnlich und zerstört die Psyche von Jennifer Lawrence.

"So ging's vom ersten Kreis hinab zum zweiten, der kleinern Raum, doch größres Weh umschlingt, das Schmerzgeheul gesteigert zu verbreiten", schrieb Dante Alighieri zu Beginn des 14. Jahrhunderts im ersten Teil seiner "Göttlichen Komödie". Regisseur Darren Aronofsky lässt dieses Inferno nun auf der Leinwand Wirklichkeit werden. Wie bei Dante steigen die Protagonisten in dem Psychothriller "Mother!" (gespielt von Jennifer Lawrence und Javier Bardem) immer weiter hinab in den Höllenschlund ihres Unglücks. Jeder Höllenkreis hält eine neue Qual bereit - bis sie gänzlich verschlungen werden.

Ein namenloses Ehepaar lebt in einer ungenannten Umgebung in einem renovierungsbedürftigen Landhaus. Die Beziehung zwischen den beiden erscheint schon in den ersten Minuten des Films seltsam. Es ist das typische Verhältnis von Künstler und Muse: Der wesentlich ältere Schriftsteller (Javier Bardem) zieht sein gesamtes Selbstwertgefühl aus der Bewunderung durch seine psychisch labile Frau (Jennifer Lawrence). Während er nach einer Inspiration für seinen nächsten Bestsellerroman sucht, renoviert sie das gesamte Haus in Eigenregie. Eines Tages soll in dem für zwei Personen überdimensionierten Haus ein Bed-and-Breakfast-Hotel entstehen.

Davon scheint ein Fremder (Ed Harris) gehört zu haben, der plötzlich abends an die Tür klopft und nach einer Unterkunft sucht. Die beiden Männer verstehen sich auf Anhieb gut, trinken und amüsieren sich. Der Arzt, der der Ehefrau suspekt ist, nistet sich in dem Landhaus ein und missachtet jede aufgestellte Regel. Nach der ersten ungebetenen Übernachtung taucht die Ehefrau des Arztes (Michelle Pfeiffer) auf und stiftet weiteres Chaos. Sie treibt die Frau des Literaten in die Verzweiflung und durchbricht ebenso wie ihr Mann die Grenzen der Privatsphäre. So zerstören die Fremden den liebsten Gegenstand des Schriftstellers, woraufhin dieser durchdreht. Als dann noch die Söhne der ungebetenen Gäste auftauchen, kommt es zu einem Mord im frisch renovierten Haus.

Immer weiter abwärts in der Höllenspirale

Die Plakate zum Film lassen bereits den Doppelcharakter von Hölle und Paradies erahnen.
Die Plakate zum Film lassen bereits den Doppelcharakter von Hölle und Paradies erahnen.(Foto: Collage/Paramount Pictures)

Damit beginnt die Abwärtsspirale des Hauses und des Schriftstellerehepaares, dessen Höllenqualen nun immer furchterregender werden. Zunächst nistet sich die Trauergesellschaft des Getöteten ein, dann die Fanscharen des Literaten. Sie errichten eine Art Tempel in dem hellen und freundlichen Haus und zerstören es so von innen. Die mittlerweile schwangere Protagonistin zieht sich immer weiter zurück, bis es keinen Platz mehr für sie in ihrem selbstgeschaffenen Paradies gibt. Kurz vor der Geburt des Babys eskaliert die Situation und endet in einem gewaltigen Inferno.

"Mother!" lässt Züge verschiedener Horror- und Sciene-Fiction-Filme wie "Rosemaries Baby" oder "I Am Legend" erkennen, ist aber mindestens ebenso verstörend wie Mel Gibsons "Apocalypto". Die üblichen 120 Minuten Film dehnen sich auf gefühlte 240 Minuten aus. Das liegt einerseits an der vielschichtigen Story des Films, die Zeit zur persönlichen Verarbeitung benötigt. Andererseits an der psychischen Qual, die der Zuschauer aushalten muss, wenn er den Protagonisten dabei zusieht, wie sie sich selbst zerstören. In einigen Szenen sollten aufgrund der Bild- und Tongewalt zum Selbstschutz Augen und Ohren geschlossen werden.

Während Dantes "Göttliche Komödie" im Paradies mündet, in dem sich die Seele des Protagonisten in Liebe mit Gott vereint, lässt "Mother!" seine Figuren in einem Meer aus Rauch und Asche zurück. Den Zuschauer lässt das allerdings ratlos mit der Frage zurück: Ist "Mother!" ebenso wie "Black Swan" eines der genialen Meisterwerke von Regisseur Darren Aronofsy oder lediglich eine verstörende Vision, die nicht einmal durch die starbesetzten Hauptrollen punkten kann?

"Mother!" läuft ab 14. September in den deutschen Kinos.

 

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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