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Wer kennt sie nicht? Fraktus alias Torsten Bage, Bernd Wand und Dickie Schubert (v.l.n.r.).
Wer kennt sie nicht? Fraktus alias Torsten Bage, Bernd Wand und Dickie Schubert (v.l.n.r.).(Foto: Pandora Filmverleih)

Darauf hat die Welt gewartet: Das Comeback von Fraktus

Von Volker Probst

Wenn sich alle - von Jan Delay über Blixa Bargeld bis hin zu Scooters H.P. Baxxter und Westbam - einig sind, dann muss es ja stimmen. Oder? "Fraktus", der Film über eine fiktive Band, die den Techno erfand, ist der Leinwand-Lacher des Jahres. Wer ihn noch nicht gesehen haben sollte, sollte das schleunigst nachholen.

Was? Sie kennen Fraktus nicht?!? DIE Techno-Pioniere aus den 80ern!?! So oder so ähnlich dürfte ungefähr jede zweite Kino-Rezension begonnen haben, als der Film "Fraktus" vor kurzem in die Kinos kam. Doch man sollte der gespielten Empörung nicht auf den Leim gehen. Denn natürlich ist die Geschichte von einem mehr oder minder geglückten Band-Comeback von vorne bis hinten erstunken und erlogen. Macht dieses Wissen den Streifen womöglich weniger sehenswert? Auf keinen Fall! Stattdessen sollten Sie jede Gelegenheit, den Film doch noch zu Gesicht zu bekommen, beim Schopf ergreifen (im Player unterhalb dieses Textes können Sie sich den Trailer ansehen).

Eine solche ergab sich etwa am Donnerstagabend in Anwesenheit des Regisseurs Lars Jessen im Berliner Moviemento-Kino. Vor dem Gelächter, das während der rund 90 Minuten durch das altehrwürdige und pickepacke voll besetzte Lichtspielhaus hallte, muss fast jede andere Komödie der vergangenen Jahre in die Knie gehen. Für einen wahren Schenkelklopfer braucht es eben kein Hollywood, keine sündhaft teure Produktion und ganz sicher auch keinen Bully Herbig, Otto oder Til Schweiger.

Von Kottan zu Fraktus

Was es braucht, ist Studio Braun. Unter diesem Namen treiben Tobias Albrecht alias Rocko Schamoni, Mathias Halfpape alias Heinz Strunk und Heiner Ebber alias Jacques Palminger schon seit geraumer Zeit ihr Unwesen. Wer noch nie einen ihrer gemeinsamen Telefonstreich-Live-Auftritte miterlebt hat, weiß nicht wirklich, was fremdschämen bedeutet. Aber womöglich ist einem das eine oder andere Mitglied des Trios auch schon mal solo über den Weg gelaufen. Schließlich verdingt sich jeder von ihnen für sich auch noch als Musiker, Romanautor, Theater- oder Filmschauspieler.

So sahen sie in den guten alten Zeiten aus.
So sahen sie in den guten alten Zeiten aus.(Foto: Pandora Filmverleih)

Was es weiterhin braucht, ist eine absurd-einfache Idee. Die muss noch nicht einmal neu sein. Den Einfall etwa, eine fiktive Band ins Leben zu rufen, gab es im Kultstreifen "This is Spinal Tap" vor beinahe 30 Jahren schon mal. Und sogar schon mehr als 30 Jahre ist es her, dass die österreichischen Macher der nicht minder kultverdächtigen Serie "Kottan ermittelt" die ganze Republik in Aufruhr versetzten: "Unbekannte Flugobjekte bei Duisburg gelandet", stand da auf einmal im Bild zu lesen, als sei das tatsächlich eine aktuelle Einblendung. "Sondersendung nach diesem Beitrag." Da war vielleicht was los.

Nein, einen ähnlichen Aufschrei wird "Fraktus" im Jahr 2012 ganz sicher nicht provozieren. Zumal die Macher sich erst gar nicht groß die Mühe machen, den Fake-Charakter zu verhehlen. Wenn man wirklich bis ins Letzte den Humor des Films nachvollziehen will, kann es sicher nicht schaden, einer Generation anzugehören, die sich zumindest noch vage an "Kottan" erinnern kann. Aber zwingend nötig, um an dem Streifen seinen Spaß zu haben, ist dies beileibe nicht. Dafür sorgen schon allein die zahlreichen "Testemonials", die über den angeblichen Einfluss und die Genialität von Fraktus ins Schwärmen geraten: Jan Delay, Blixa Bargeld und Yello-Mastermind Dieter Meier, die Techno-Köpfe Westbam, Marusha und H.P. Baxxter von Scooter oder aber die einstigen "Formel 1"- und MTV-Aushängeschilder Peter Illmann und Steve Blame, um nur einige zu nennen. Nicht zu vergessen Produzent Alex Christensen, dem in dem ganzen Spektakel eine besondere Rolle zugedacht ist.

Self-fullfilling prophecy

Ähnlich wie im Falle "Spinal Tap" scheint sich "Fraktus" inzwischen zu einer "self-fullfilling prophecy" zu mausern. Erste Konzerte, die die aus Torsten Bage (Heinz Strunk), Dickie Schubert (Rocko Schamoni) und Bernd Wand (Jacques Palminger) bestehende "Band" am Rande des Kinostarts gab, waren prompt ausverkauft. Kein Wunder also, dass mit weiteren Auftritten im nächsten Jahr nachgelegt wird. Die Chance, Regisseur Lars Jessen zu befragen, gibt es aber wohl nur im Kino. Klar, dass wir uns diese nicht entgehen ließen.

Wird das Comeback gelingen?
Wird das Comeback gelingen?(Foto: Pandora Filmverleih)

n-tv.de: Herr Jessen, wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen den Interviews, in denen Sie so tun müssen, als sei die Geschichte mit Fraktus wahr, und denen, in denen die Karten offen auf dem Tisch liegen?

Lars Jessen: Das hat sich ein bisschen verändert. Bei den Sneak-Previews, als es noch gar keine Werbung für den Film gab, wussten etwa 30 Prozent der Leute nicht, ob die Geschichte nun stimmt oder nicht. Mittlerweile hat sich das, denke ich, so auf zwei bis drei Prozent eingependelt, die zwar verstehen, dass das ein komödiantischer Spielfilm ist, manchmal aber auch noch denken, dass es tatsächlich auf einer echten Geschichte basieren würde. Da ist es natürlich immer schön zu erklären, dass wir uns diesen ganzen Kram total ausgedacht haben und nichts, aber auch wirklich gar nichts an dem Film stimmt.

Dabei gehen Sie ja sehr offen mit dem Wesen des Films um - die Darsteller werden zum Beispiel auf den Plakaten und im Abspann explizit benannt. Haben Sie nie darüber nachgedacht, das Ganze als wirklichen Fake aufzuziehen?

Wir haben schon immer ein wenig damit gespielt. Und vielleicht haben wir den Bogen sogar ein bisschen überspannt. Man glaubt ja gar nicht, wie viel gutgläubige Leute es gibt, die das auch glauben möchten. Es gibt so viele Leute, die fragen: "Ist das überhaupt ein richtiger Film? Ich habe gehört, dass sei nur eine Reportage." Wahrscheinlich hätten wir von Anfang an sagen sollen, dass es eine heitere Familienkomödie für alle ist - was es ja letztlich ist. Dass wir diesen Hype darum aufgebaut haben, ob es diese Band nun wirklich gegeben hat oder nicht, hat offenbar viele im Unklaren gelassen, um was es sich wirklich handelt.

Welcher der Prominenten, die in dem Film ihr Loblied auf Fraktus singen, war denn am schwierigsten zu überzeugen, da mitzumachen?

Wahrscheinlich war derjenige, der am schwierigsten zu überreden war, Blixa Bargeld. Letztlich geht es ja auch um diese Zeit, diese Art von Musik und diese Charaktere, die in dem Film persifliert werden, für die er eine Art Prototyp ist. Umso stolzer sind wir natürlich, dass er mitgemacht hat.

Als Berater und Manager stets an ihrer Seite ist Roger Dettner (l., dargestellt von Devid Striesow).
Als Berater und Manager stets an ihrer Seite ist Roger Dettner (l., dargestellt von Devid Striesow).(Foto: Pandora Filmverleih)

Der Film spricht ja auch durchaus eine bestimmte Generation an. Zum Beispiel den Schriftzug, der bei einem "Video" von Fraktus zu sehen ist, erkennen etwas ältere Semester natürlich als den der einstigen Musiksendung "Formel 1". Jüngere dürften schon Probleme haben, den Witz zu kapieren …

Bei so einem Film geht es ja um die Anmutung und um den Spaß daran. Es geht nicht um Rätselraten - das habe ich jetzt erkannt und zugeordnet -, sondern darum, dass die Welt in sich stimmig ist. So ist es ja auch bei anderen Spielfilmen. Es muss alles kongruent sein, man darf keinen Fehler machen, weil sonst die ganze Sache auffliegt. Insofern versuchten wir in jedem Detail des Films so genau wie möglich zu sein. Für alle Leute, die jemals "Formel 1" gesehen haben, ist dieses kleine Video natürlich eine große Freude.

Wie viele der Personen, die Sie in den Film einbezogen haben, kannten denn Studio Braun zuvor?

Studio Braun ist in der Musik- und Medienszene schon relativ bekannt, vor allem natürlich in Norddeutschland. Das war bei vielen, insbesondere so Leuten wie Alex Christensen, schon ein Türöffner. So hatten sie die Größe mitzumachen und zu sagen: "Okay, ich mache mich komplett lächerlich in dem Film."

Was sicher alle interessiert: Was zum Teufel war das in dem Affenkopf?

In dem Affenkopf war … Crème brûlée.

Sie verstehen nicht, was diese affige letzte Frage soll? Nun ja, dann wissen Sie wohl auch nichts mit dem Kürzel A.S.L. anzufangen. Da hilft wohl nur: Ins Kino gehen. Lachen. Spaß haben. Fraktus.

Fraktus sind 2013 erneut live zu erleben: Leipzig (30.1.), Dresden (31.1.), München (1.2.), Köln (3.2.), Frankfurt am Main (4.2.), Berlin (14.2.), Bremen (15.2.), Hannover (16.2.), Hamburg (17.2.)

Quelle: n-tv.de

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