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Mit dem Teufel im Leib ist nicht zu spaßen.
Mit dem Teufel im Leib ist nicht zu spaßen.(Foto: Universum Film)

Gott überlässt niemanden dem Bösen: "Der Exorzismus der Emma Evans"

von Thomas Badtke

Emma ist eine völlig normale 15-Jährige: launisch, dickköpfig und rebellisch. Sie probiert Alkohol und Drogen und schlägt dabei über die Stränge. Nach einem Streit mit ihrer Mutter leidet sie plötzlich an Krampfanfällen und Halluzinationen. Kein Arzt, kein Psychologe kann ihr helfen. Nur ihr Onkel weiß Rat: Er ist Priester und hat das alles schon einmal gesehen.

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Gibt es Gott, gibt es auch den Teufel. Das ist unumstößlich - nicht nur für die Kirche. Das Horrorgenre nimmt sich dieser Thematik immer wieder gern an. Filme wie Roman Polanskis "Rosemaries Baby" von 1968 oder vor allem "Der Exorzist" von 1973 gelten heute als genreprägend. Die Bilder der besessenen Regan in "Der Exorzist", der sich wie wild drehende Kopf, die nach hinten gedrehten Augen, der einen Meter über dem Bett schwebende Körper: unvergessliche Filmgeschichte!

Dutzende Filme wurden seitdem über den immerwährenden Kampf Gut gegen Böse, Gott gegen Teufel, Himmelskräfte gegen Teufelsmacht - über die Angst vor dem Unbekannten, vor dunklen Schattenwelten - gedreht, aber keiner schaffte es wie "Der Exorzist", für Aufsehen und Diskussionen zu sorgen. Weder "Requiem" aus Deutschland noch "Das Ritual" mit Anthony Hopkins können dem "Ur-Exorzisten" das Wasser reichen. Auch nicht "Der Exorzismus der Emily Rose", "Der letzte Exorzismus" oder der derzeit in den Kinos laufende "Devil Inside" (alle aus den USA) schaffen das nicht. Leider bleibt auch der jüngste spanische Genrevertreter "Der Exorzismus der Emma Evans" hinter den Erwartungen zurück.

Dämonen und die Pubertät

Gott überlässt niemandem dem Bösen ...
Gott überlässt niemandem dem Bösen ...(Foto: Universum Film)

Die 15 Jahre alte Emma Evans (Sophie Vavasseur; "Resident Evil-Apocalypse") lebt ein (fast) völlig normales Leben. Die pubertierende Blondine hat glückliche Eltern, die sie lieben und einen kleinen Bruder, der sie vergöttert. Emma hat Freunde, geht mit ihnen auf Partys, trinkt dort auch schon einmal Alkohol und Drogen hat sie auch schon genommen. Aber ihre Rebellion gegen die Eltern hält sich im Rahmen. Kein Grund zur Sorge. Nur in eine normale Schule darf sie nicht gehen. Ihr Vater John (Richard Felix, "Das Parfum"), ein Schriftsteller, unterrichtet Emma und Mark zu Hause. Das stinkt Emma gewaltig, schließlich wohnen sie in einem Londoner Vorort.

Ein Quija-Brett reicht nicht, der Teufel benötigt Blut.
Ein Quija-Brett reicht nicht, der Teufel benötigt Blut.(Foto: Universum Film)

Als sie von einer Party zu spät und sternhagelvoll wieder nach Hause kommt, wartet ihre Mutter Lucy (Jo-Anne Stockham) bereits und liest ihr die Leviten. Ein Wort führt zum anderen, die verbalen Fetzen fliegen, Türen krachen und Emma schließt sich im Bad ein. Sie zertrümmert einen Spiegel und ritzt sich mit den Scherben die Handfläche  auf. Ein Unfall, wie sie später ihren Eltern versichert.

Ein Unfall mit Folgen. Denn wenig später bricht Emma wie aus heiterem Himmel zusammen. Ihr Körper windet sich in krampfartigen Zuckungen, Schaum bildet sich vor ihrem Mund. Die Eltern sind völlig hilflos, versuchen sie am Boden festzuhalten und zu beruhigen. Endlich beim Arzt, findet dieser keine Ursache für Emmas Ausbruch. Ein Psychologe muss ran, denn immer wieder leidet Emma nun unter diesen Anfällen. Eine Untersuchung mittels Hypnose endet damit, dass der Psychologe einen Herzanfall erleidet und stirbt.

"Weiche, Satan ... !"
"Weiche, Satan ... !"(Foto: Universum Film)

Emma ahnt, dass etwas mit ihr nicht stimmt, denn sie hat ihren Eltern etwas verheimlicht: Auf der Party haben sie und ihre Freunde mit einem Quija-Brett gespielt und versucht, den Teufel heraufzubeschwören. Emma spricht darüber mit ihrem Onkel Chris (Stephen Billington; "Resident Evil", "Braveheart"), einem strenggläubigen katholischen Priester. Sein Rat lautet: Ein Exorzismus muss ausgeführt werden.

"Der Exorzismus der Emma Evans" ist als DVD und Blue-ray bei Universum Film erschienen.
"Der Exorzismus der Emma Evans" ist als DVD und Blue-ray bei Universum Film erschienen.(Foto: Universum Film)

Allerdings zweifelt die Familie noch am Erfolg dieses obskur anmutenden Vorgangs. Auch deshalb, weil Chris eine solche Austreibung schon einmal vermasselt hat: das Kind war damals gestorben. Laut Chris allerdings nur, weil er den Exorzismus nicht beenden durfte. Emmas Anfälle häufen sich und auch deren Intensität wird immer stärker, Chris' Plan scheint immer einleuchtender. 

Der Teufel lügt immer!

Also dann, frisch ans Werk. Chris zieht bei den Evans ein, hängt ein Kreuz in einem Zimmer auf und bittet die Eltern, ihn nicht bei seiner Arbeit mit Emma, die er an den Stuhl fesselt, zu stören. Zudem filmt er den Exorzismus. Aber es gehen gleich mehrere Sachen schief: Emmas Bruder Mark (Lazzard Oertli Orzis) rennt urplötzlich vor ein Auto, Emmas Mutter versucht einen Suizid und Emmas Vater entgeht nur mit viel Glück einem Mordversuch seiner Tochter. Das einstige Familienglück ist völlig zerstört - genau das wollte der Teufel erreichen, wie Chris versichert. Aber auch er hat seine dunklen Geheimnisse und Emma kommt ihm auf die Schliche …

Knapp 90 Minuten dauert "Der Exorzismus der Emma Evans". Regisseur Manuel Carballo aus Spanien ist mit Sophie Vavasseur als Hauptdarstellerin dabei ein Glücksgriff gelungen. Man nimmt ihr Emmas Alter von 15 Jahren zwar nur schwerlich ab, aber je weiter der Film fortschreitet, desto intensiver wird ihr Spiel. Gibt sie zu Beginn noch die hübsche Zicke, verändert sich ihr Charakter von Minute zu Minute - so wie ihr makelloses Aussehen mit fortschreitender Dauer immer mehr Kratzer bekommt und ihr Gesicht am Filmende schon fast zombieähnliche Züge aufweist: Ihre tiefschwarzen Augenringe und die fast schon schwarz-weiß anmutenden Aufnahmen sorgen für ein wohliges Unbehagen.

Starker Tobak ist der Film aber dennoch nicht. Diskussionen wird er auch keine auslösen, dafür ist die zwar sehr wendungsreiche Story am Ende doch zu durchsichtig. Auch das ganze Auftreten des Films wirkt zu freundlich, es ist zu viel Licht im Spiel, die Schatten fehlen. Schockeffekte gibt es nur wenige, die aber dann immerhin dank Geräuschen und Musik pointiert gesetzt.

Alles gut gemacht, aber eben nichts Neues: Nach hinten gedrehte Augen und schwebende Körper gab es bereits vor fast 30 Jahren schon.

Quelle: n-tv.de

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