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Immer an Diana Nyads Seite ist ihre beste Freundin und Trainerin Diane Sawyer.
Immer an Diana Nyads Seite ist ihre beste Freundin und Trainerin Diane Sawyer.

"Ocean Film Tour" zeigt Extremsport: Der Kampf mit dem inneren Monster

Von Lisa Schwesig

In knapp zwei Tagen will Langstreckenschwimmerin Diana Nyad von Kuba nach Florida schwimmen - ohne Hilfe, ohne Schutz. Vier Mal bricht sie zu diesem Unterfangen auf. Ob es ihr gelingt, ist bei der dritten Ausgabe der "Ocean Film Tour" zu sehen.

Beinahe jeder Mensch hat ein inneres Monster, das es zu bezwingen gilt. Dieser eine persönliche Wettkampf, der das menschliche Dasein antreibt. Bei dem einen ist es die Teilnahme an einem Marathon, ein anderer will unbedingt eine bestimmte Sprache erlernen. Für Langstreckenschwimmerin Diana Nyad ist das Monster besonders groß, extrem gefährlich und kaum zu bändigen. Die 67-jährige US-Amerikanerin will in die Geschichtsbücher eingehen und hat sich dafür eine extreme persönliche Herausforderung gesucht: Sie will völlig schutzlos von Kuba nach Florida schwimmen.

Mit 64 Jahren bricht Diana Nyad nochmal zu einem 165 Kilometer langen Kampf auf.
Mit 64 Jahren bricht Diana Nyad nochmal zu einem 165 Kilometer langen Kampf auf.

Erstmals wagte Nyad dieses Unterfangen 1978 und scheiterte. Eingezwängt in einen schützenden Hai-Käfig, der zwischen einen Katamaran gespannt wurde, gelang es ihr nicht, die 165 Kilometer lange Strecke zu bezwingen. Mit 30 Jahren beendete sie ihre aktive Karriere als Profischwimmerin und verabschiedete sich vom Schwimmbecken. Doch der Traum von der Durchquerung der Passage ließ sie nie los.

Mit 60 Jahren wagt sie erneut den Sprung ins kalte Wasser. Sie beginnt wieder mit dem Training, schwimmt ein zweites Mal von der kubanischen Küste Richtung Florida Keys. Es misslingt ihr erneut. Auch ein dritter Versuch geht schief. Nyad stößt mit einer hochgefährlichen Würfelqualle zusammen und ist dem Tod näher als dem Leben. Doch aufgeben kommt für die Kämpferin nicht infrage. Mit 64 Jahren startet sie ein viertes Mal - begleitet von ihrem Neffen, einem Kameramann, der ihren Kampf über die Jahre hinweg filmisch dokumentiert. Herausgekommen ist dabei die beinahe einstündige Dokumentation "The Other Shore", der neben fünf anderen Kurzfilmen bei der dritten Ausgabe der "International Ocean Film Tour" zu sehen ist.

Kleines Monster ganz groß

Um die Wellen vor Pedra Branca zu bezwingen, braucht man nicht nur Können, sondern auch jede Menge Mut.
Um die Wellen vor Pedra Branca zu bezwingen, braucht man nicht nur Können, sondern auch jede Menge Mut.

Mit dem inneren Ungeheuer kennt sich auch Alastair McLeod aus. Der Windsurfer ist zwar erst 23 Jahre alt, aber beinahe jede Monsterwelle der Welt geritten. Der Australier sucht eine neue Herausforderung und findet sie in heimischen Gefilden. Das Video eines anderen Surfers macht ihn neugierig. Darin surft Marti Paridisis eine riesige Welle. McLeod macht ihn ausfindig und entlockt ihm den genauen Ort des Monsterwellen-Hotspots: Pedra Branca vor Tasmanien. Trotz widriger Wetterverhältnisse fährt McLoed mit Board und Segel zu dem Felsen. Was ihn dort erwartet, zeigt der Film "My Own Private Monster".

John John Florence hat den Tunnelblick.
John John Florence hat den Tunnelblick.

Ein ebenso passionierter Surfer ist John John Florence. Der 23-Jährige bringt bereits alles mit, um zur Elite auf dem Brett zu gehören: Er wächst auf Hawaii auf, hat blonde Locken und ein ungeheures Talent. Zehn Stunden am Tag steht er auf dem Surfboard. Für ihn ist der Sport nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Gemeinsam mit seinen Freunden ist er den Wellen verfallen und zeigt sein Können in "View From A Blue Moon".

Ums Surfen geht es auch im Film "Hola Sunshine". Gute Laune verbreitet Profi-Surferin in ihrem vierminütigen Clip, der alles mitbringt, was sich der Zuschauer unter einem Tag am Meer vorstellt: Sonne, Sand und cooler Sound. In Mexiko stellt sie ihren Lieblingssurfspot vor und der Kinobesucher darf zusehen, wie sie die Leichtigkeit des Seins genießt.

Bedrohte Existenzen

Die Grafik zeigt, wie weit Schallwellen im Meer ausstrahlen.
Die Grafik zeigt, wie weit Schallwellen im Meer ausstrahlen.

Wesentlich ernster wird es in "Sonic Sea". Auch hier geht es um Sounds, aber eine ganz andere Art als beim gut gelaunten Surferfilm. Der Mensch ist permanent von Geräuschen umgeben - ob auf dem Land oder in der Stadt. Selbst unter Wasser kann man dem durchgängigen Geräuschpegel nicht entgehen. Das bekommt der Mensch allerdings weniger mit als jene Lebewesen, die in den Ozeanen leben. Immer wieder gibt es Berichte über gestrandete Meeressäuger und die nehmen sicherlich nicht nur eine falsche Abzweigung.

Ein Experiment zeigt, wie weit sich ein Schall im Meer ausbreitet und dabei geht es nicht nur um wenige Kilometer. Eine einzige im Meer ausgesetzte Schallquelle vor Australien kann beispielsweise noch vor der südamerikanischen Küste gehört werden. Mittlerweile kann das Militär mithilfe von Schallwellen 80 Prozent der Meere aushorchen. Somit ist es wenig verwunderlich, dass bei gestrandeten Walen die Ohren bluten. Die permanente Beschallung bedroht nicht nur ihren Lebensraum, sondern vor allem ihre Existenz.

Die Nachtaufnahmen sind spektakulär.
Die Nachtaufnahmen sind spektakulär.
Haie: Bestien oder sanfte Riesen?

Zu den besonders bedrohten Arten gehören neben Walen und Delfinen auch Haie. Die majestätischen Tiere sind spätestens seit dem Blockbuster "Der Weiße Hai" als wilde Bestien und Gefahr für den Menschen verrufen. In "The Edge" zeigen Joe Romeiro und Bill Fisher die sanfte Seite der Meeresriesen. Bei Nacht steigen sie in die Tiefen des Ozeans hinab und liefern wunderschöne Aufnahmen der verschiedensten Hai-Arten.

Als Botschafterin der Haie präsentiert sich ebenso Ocean Ramsey, bei der die Meeresbegeisterung schon im Namen steckt. Diese sowie ihr Talent zum Freitauchen nutzt die Meeresbiologin, um auf das Schicksal der Tiere aufmerksam zu machen. Dabei zeigt Ramsey in "Born To", wie atemberaubend es sein kann, ohne Furcht neben Haien durch das Wasser zu gleiten.

Die "International Ocean Film Tour" ist bis Ende Mai in Dutzenden deutschen und zahlreichen europäischen Städten unterwegs. Alle Termine zur Tour können Sie hier nachlesen.

Quelle: n-tv.de

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