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Lieutenant Uhura (Zoë Saldana) schießt scharf.
Lieutenant Uhura (Zoë Saldana) schießt scharf.(Foto: dpa)

Star Trek Into Darkness: Der Weltraum, unendliche Leiden

Von Johannes Musial

Im zweiten "Star Trek"-Film von Regisseur J. J. Abrams geht es wieder mit Warp-Geschwindigkeit zur Sache, es gibt monumentale Action und die ganz große Dramatik. Zwar ist die Handlung eintönig, aber dank 3D durchaus nett anzusehen. Gleich zu Beginn stockt einem der Atem.

Als 1966 die USS Enterprise zum ersten Mal durch die US-amerikanischen Wohnzimmer fliegt, ist es gerade fünf Jahre her, dass Juri Gagarin als erster Mensch die Erde verlassen hat. Drei Jahre bevor Neil Armstrong seine Fußsohlen in den Mondstaub stemmt, rast das Raumschiff bereits schneller als das Licht durch die Endlosigkeit des Kosmos.

Käptn Kirk - reloaded! Chris Pine zieht definitiv mehr weibliche Zuschauer ins Kino.
Käptn Kirk - reloaded! Chris Pine zieht definitiv mehr weibliche Zuschauer ins Kino.(Foto: AP)

47 Jahre später hat sich "Star Trek" als eine utopische Selbstverständlichkeit etabliert; seit mittlerweile über 700 Episoden und elf Filmen wird mit Warp-Antrieb um die Planeten gekurvt, mit Phaser-Waffen farbenfroh geschossen und mit Teleportern herumgebeamt. Das von Gene Roddenberry geschaffene "Star Trek"-Universum ist eine allgegenwärtige Futurismus-Maschine. Neben den mehr als 500 Stunden an Serien und Filmen gibt es Bücher, Computerspiele und Unmengen von Fan-Artikeln.

Mit der Jahrtausendwende schien es dann so, als würde sich die Dynastie langsam dem Ende zuneigen, das Zuschauerinteresse flaute ab. Doch 2009 hauchte ihr "Lost"-Regisseur J. J. Abrams mit dem zwölften Film der Reihe, banal als "Star Trek" betitelt, neues Leben ein - an den Kinokassen ein voller Erfolg.

Abrams hat sich mittlerweile zum intergalaktischen Strippenzieher aufgeschwungen. Er war nicht nur als Ersthelfer für "Star Trek" zur Stelle, sondern greift auch anderweitig nach den Sternen: Beim siebenten "Star Wars"-Film, der 2015 in die Kinos kommen soll, wird er ebenfalls Regie führen.

Knall, Bumm und ein paar Tränen

Erst einmal hat er nun aber ein neues Abenteuer der Enterprise auf die Leinwand gebracht. In "Into Darkness" bekommt es die Besatzung wieder mit einem fiesen Gegner zu tun, natürlich übermenschlich und vermeintlich unbezwingbar. Das Raumschiff wird heftig beschossen, steht gar vor der Vernichtung, wie überhaupt die gesamte Menschheit. Es wird geprügelt, geliebt, geschmerzt und gestorben.

Chris Pine, Alice Eve, Zachary Quinto und Zoë Saldana bei der Filmpremiere in London.
Chris Pine, Alice Eve, Zachary Quinto und Zoë Saldana bei der Filmpremiere in London.(Foto: AP)

Aber diesmal ist alles noch schlimmer. Abrams legt den Zuschauer auf die Couch. Zwischen Zerstörung und Aussichtslosigkeit, müssen Captain Kirk (Chris Pine) und sein erster Offizier Spock (Zachary Quinto) noch die Probleme ihrer kriselnden Männerfreundschaft klären. Zum Schluss kullern bei dem sonst so emotionslosen Spock sogar ein paar Tränen. Nur im Weltraum kann man so schön leiden.

Das Wichtigste ist schnell erzählt: Ein Halunke (dargestellt von "Sherlock"-Star Benedict Cumberbatch) sprengt das Geheimarchiv der Marine in die Luft, tötet bei der anschließenden Krisensitzung der Sternenflotte fast alle Schiffskapitäne und flüchtet auf den Heimatplaneten der ohnehin übellaunigen Klingonen. Kirk, Spock und Lieutenant Uhura (Zoë Saldana) nehmen die Verfolgung auf und stolpern von einem moralischen Dilemma ins nächste. Den Schurken, wie befohlen, erschießen oder festnehmen? Ihm seine Geschichte der Dinge glauben oder doch dem Oberkommandeur?

Drei Dimensionen für ein Halleluja

Es bleibt das Gefühl, das alles schon einmal gesehen zu haben, die Handlung, das Leiden - nur eben nicht in 3D. Die Technik, die bei diesem "Star Trek"-Film erstmals eingesetzt wurde, verleiht der Geschichte zwar nicht die nötige Tiefe, der Optik aber schon.

J.J. Abrams (2.v.r.) mit seinem Team.
J.J. Abrams (2.v.r.) mit seinem Team.(Foto: AP)

Das Beste kommt zuerst: In blaue Gewänder gehüllt flüchten Kirk und Schiffsarzt "Pille" McCoy (Karl Urban) durch die roten Wälder eines fremden Planeten, verfolgt von weißgeschminkten Ureinwohnern in gelben Gewändern, die mit ihren Speerwürfen das Publikum hinter den 3D-Brillen zusammenzucken lassen. Die knallbunte Welt fasziniert und macht Hoffnung auf mehr, doch kurz darauf ist es auch schon wieder vorbei.

Nun folgt das Übliche: Verfolgungsjagden, Explosionen und Drama, Drama, Drama. Die Fäuste fliegen stets rechtzeitig, bevor es zu tiefgründig wird und die Spezialeffekte können in die Schublade "episch" gesteckt werden. Gut gemachtes Popcorn-Kino, keine Frage. Zwei Stunden Kosmos-Action, teuer produziert, nett anzusehen.

Für Fans gibt es nicht nur jede Menge flotte Sprüche vom granteligen Schiffsarzt Pille und einen Blick in die Tiefen des geheimnisvollen Warp-Antriebs, sondern auch ein Wiedersehen mit dem altbekannten Schurken Khan, dem der Schauspieler Benedict Cumberbatch eine diabolische Nüchternheit verleiht und die den Zuschauer fesselt - ein Argument für den Film. Auch dabei, ganz klar, Chefingenieur Scotty (Simon Pegg), diesmal verkleidet als junger Silvio Berlusconi.

Keine Experimente

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Die fulminante und farbige Anfangsszene aber bleibt das Besondere, eine atemberaubende Welt, die man so noch nicht gesehen hat. Davon hätte man sich mehr gewünscht und bekommt stattdessen nur: viele Abziehbilder.

"Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat", verspricht der Leitsatz von "Star Trek". Doch statt neue Welten zu entdecken, gilt wohl - wie so oft - die Bombastkino-Devise: "Never change a running system". Kolossale Weltraumballereien ja, große Experimente oder gar Überraschungen nein. Es wird nur überlebt statt erlebt und den Tanz von Freund und Feind gibt es ganz bewährt in Schwarz-Weiß. Sogar Spock a. D. Leonard Nemoy muss noch einmal als Klebstoff für die Handlung herhalten.

Wer den Film nicht sieht, wird nicht viel verpassen, außer der Feststellung, dass bunte Stretch-Overalls noch immer nicht aus der Mode gekommen sind. Das allein wäre schon eine ausführliche Betrachtung wert. Sind die atmungsaktiv? Müssen die bei 30 oder doch eher 40 Grad gewaschen werden, mit Weichspüler oder lieber nicht? Und gibt es die nicht in XXL? Denn schließlich haben wir es im Film mit einem "jungen, sexy Cast" zu tun, so steht es auf der Webseite zum Film. Will so viel heißen wie: durchtrainierte, nicht zu hässliche und nicht zu alte Darsteller - geradezu aus dem Leben gegriffen. Kein Zutritt für Übergrößen.

Viel Action, wenig Tiefgang, das "Star Trek"-Konzept hat die letzten 47 Jahre funktioniert und wird auch bei "Into Darkness" aufgehen. Wer philosophische Dialoge über den Kosmos erwartet, dem sei dann doch das Programmkino in der übernächsten Seitenstraße empfohlen. Nach zwei Dimensionen ist dort aber Schluss.

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Quelle: n-tv.de

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