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Da beißen die Vampire ins Gras: Der finale "Twilight"-Breakdown

Von Volker Probst

Zugegeben, ja, die Titel der "Twilight"-Filme verleiten zu Wortspielen, auch wenn diese ein bis(s)chen albern sein sollten. Den Fans der Vampir-Saga dürfte allerdings gar nicht zum Scherzen zu Mute sein. Schließlich geht mit dem zweiten Teil von "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht" die Schauermär ein für allemal zu Ende - oder?

Bevor mich jemand anderes outet, mache ich es selbst: Nein, ich habe noch nie zuvor einen Film der "Twillight"-Reihe gesehen. Aber - Kreuz, Birnbaum und Hollerstauden (da es um Vampire geht, wird man ja wohl noch mal fluchen dürfen) - die Kollegin, deren ureigenster Beritt dieser Girlie-Grusel eigentlich gewesen wäre, musste ja krank werden. Wäre das nicht passiert, wäre ich vermutlich dereinst selig ins Totenreich entschwunden, ohne mich je näher mit dem Schicksal von Edward, Bella oder Jacob befasst zu haben. Und jetzt das.

Kreisch!!! Robert Pattinson bei der Deutschlandpremiere in Berlin.
Kreisch!!! Robert Pattinson bei der Deutschlandpremiere in Berlin.(Foto: Concorde Filmverleih)

So, nun ist es raus. Aber hey, bevor Sie sich jetzt denken, der Schwätzer kann mir ja gar nichts über den Film erzählen, sollten Sie die positive Seite an dem Umstand betrachten: Ich bin neutral. Okay, vielleicht nicht ganz neutral, weil ich bei einem "Vampir-Film" eigentlich Christopher Lee über wehrlose Jungfrauen herfallen, Wölfe ihre Opfer gnadenlos zerfetzen und das Blut in Fontänen spritzen sehen will - und nicht so Weichei-Werwölfe und Blümchen-Blutsauger. Aber ich werde mich bemühen, das auszublenden. Zähne zusammenbeißen und durch sozusagen.

An einer Tatsache kommt ja nun mal wirklich niemand vorbei: "Twilight" ist ein echtes Phänomen. Das wurde einem nicht nur ein weiteres Mal bewusst, als vergangene Woche die Hauptdarsteller Robert Pattinson (Edward Cullen), Kristen Stewart (Bella Swan) und Taylor Lautner (Jacob Black) für ein Kreischkonzert in Berlin sorgten. Auch die Fakten sprechen für sich: In den USA brach Teil 2 von "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht" beim Kinostart vergangene Woche alle Rekorde. Allein am Startwochenende spielte die rund 120 Millionen Dollar teure Produktion hier mit mehr als 140 Millionen Dollar mal eben locker ihre Kosten wieder ein. Und auch in den deutschen Cinemaxx-Charts biss sich der Streifen, der erst jetzt offiziell anläuft, bereits am Wochenende fest. Einzig und allein durch den Massenandrang bei einigen Sondervorstellungen enterte der Film bereits vor dem eigentlichen Kinostart den zweiten Rang in der Besucherstatistik - nur James Bond war so noch nicht einzuholen.

Von Fan bis Mitläufer

Nun gut, nachdem wir uns geoutet haben, ist es an der Zeit, Sie zu kategorisieren. Mit großer Wahrscheinlichkeit gehören Sie einer der vier folgenden Gruppen an:

1.) Sie sind ein "Twilight"-Fan durch und durch, können die bisherigen Filme fast im Schlaf mitsprechen und haben natürlich längst sämtliche Bücher von Stephenie Meyer beinahe auswendig gelernt. Das heißt: Über die Handlung des Finales kann man Ihnen eigentlich nichts berichten, was Sie nicht schon längst wüssten.

Kämpfen im Finale ums Überleben: Bella Swan und ihre Tochter.
Kämpfen im Finale ums Überleben: Bella Swan und ihre Tochter.(Foto: Andrew Cooper / Concorde Filmverleih)

2.) Sie sind ein Lesemuffel und ausschließlicher "Twilight"-Film-Fan. Sie haben die vorangegangenen Teile vermutlich alle mindestens einmal gesehen und freuen sich wie Bolle auf den Abschluss. Ein paar dezente Hinweise auf die Story sind für Sie schon okay, aber bitte ja nicht zu viele!

3.) Sie haben - aus welchen Gründen auch immer - "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht" (Teil 2) bereits in einer der Sondervorstellungen vor dem eigentlichen Kinostart gesehen. Jetzt wollen Sie Ihre Meinung über den Film mit der des Autors abgleichen und, je nachdem, sich entweder bestätigt fühlen oder ihm am liebsten den gesamten blutsaugenden Volturi-Clan an den Hals hetzen.

4.) "Twilight" ist Ihnen eigentlich total egal. Sie lesen einfach jeden Scheiß.

Eine Ungeheuerlichkeit

Dann wollen wir mal versuchen, die Handlung so in Worte zu fassen, dass jeder einigermaßen zufrieden ist: Es ist vollbracht. Nach vier Spielfilmen, in denen sie ihr Leben noch als schnöde Sterbliche fristete, ist Bella Swan dank des Bisses ihres Liebsten Edward nun endlich auch ein Vampir, eine Vampirette sozusagen. Nach einigen Kuscheleinheiten mit ihrem urigen Untoten freundet sich Bella rasch mit ihren neuen Fähigkeiten an, die sie wie Speedy Gonzales durch den Wald fetzen, Armdrücken wie Hulk Hogan und mental mächtig wie Superwoman werden lassen. Eigentlich wäre die fantastische Familien-Idylle perfekt, zumal sich auch noch Bellas und Edwards gemeinsame Tochter Renesmee (Mackenzie Foy) prächtig in Windeseile zu entwickeln scheint.

Sind sie nun endlich bis in alle Ewigkeit vereint?
Sind sie nun endlich bis in alle Ewigkeit vereint?(Foto: Andrew Cooper / Concorde Filmverleih)

Eigentlich. Denn als die bösen Buben vom Clan der Volturis von dem Kind erfahren, ist es mit der Beschaulichkeit im Hause des edlen Edward und der schönen Bella vorbei. Die Volturis vermuten nämlich - im wahrsten Sinne des Wortes - eine Ungeheuerlichkeit. Obwohl Renesmee tatsächlich noch vor Bellas Umwandlung geboren wurde und ein bis dato unbekanntes Zwitter-Wesen ist, glauben die Volturis, sie sei das Ergebnis einer reinen Vampir-Verbindung und damit unsterblich. In der Welt der Untoten eine Todsünde! Nun gilt es für Edward, Bella und ihre Freunde rasch Verbündete zu finden, die Renesmees wahre Natur bezeugen können. Ansonsten droht ein gar grausiges Gemetzel mit den Volturis, die wild entschlossen sind, die Ordnung der Dinge wiederherzustellen …

Trotz manch schauspielerischer Mängel der Teenie-Idole Pattinson, Stewart und Co, trotz manch holpriger Spezialeffekte und trotz oder gerade wegen des teils nur schwer ohne Lachen zu ertragenden Kitschs, der da von der Leinwand trieft, wäre es unfair, dem Film seine geschickte Machart abzusprechen. Natürlich trifft vor allem bei Heranwachsenden dieser Mix aus naiver Romantik, braver Mystik und tiefen Sehnsüchten mitten ins Herz. Wahre Schauer laufen einem indes nur über den Rücken, wenn man sich vergegenwärtigt, wie bieder die Wertvorstellungen hinter all dem Vampir-Klimbim in dem US-Märchen tatsächlich sind. Etwa dann, als Edward zu seiner flammenden Rede ansetzt, dass es sich zur Verteidigung seiner Familie und ihrer aller Lebensweise zu kämpfen lohnt. Schöner hätte es auch John Wayne nicht sagen können. Und vermutlich auch nicht George W. Bush, wenn es darum ginge, der Achse des Bösen Einhalt zu gebieten.

Insbesondere beim Showdown zwischen den guten und den bösen Vampiren (und die Werwölfe selbstredend nicht zu vergessen) ist wirklich Klotzen statt Kleckern angesagt. Hier wird der Abschluss der "Twilight"-Saga zum fulminanten Action-Kino. Und auch Humor muss man den Machern um Regisseur Bill Condon attestieren. Als etwa Werwolf Jacob Bellas Vater verklickert, dass es einige für ihn bis dahin unvorstellbare Dinge auf der Welt gibt, oder aber als sich die frisch gebackene Vampir-Dame auf das erste Treffen mit ihrem alten Herrn nach ihrer Transformation vorbereitet, kommt man durchaus schon auch mal gewollt ins Schmunzeln.

Von daher: Nein, "Twilight" taugt nicht nur dafür, sich darüber lustig zu machen. Zumal der Witz ja nun auch auserzählt ist. Obwohl? Potenzial für eine Fortführung der Geschichte bietet der Biss zum Ende der Nacht noch allemal. Und, oh Wunder, Autorin Stephenie Meyer will auch nicht ausschließen, dass es irgendwann zu einer Wiederauferstehung ihrer Kassenschlager-Kreaturen kommt. "Im Moment sehe ich das nicht, aber ich würde niemals sagen, dass es nie passieren könnte", erklärte sie vor kurzem. Na dann, mal ran, Frau Meyer! Alles, was Hollywood und den "Twilight"-Fans fehlt, ist nur der nötige Biss aus Ihrer Feder.

Quelle: n-tv.de

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